Rastanlage Uttrichshausen: Neue Erweiterungspläne lösen Kritik aus

04. Dezember 2019
Uttrichshausen

Kritik haben die neuen Pläne Hessen Mobils zur geplanten Erweiterung der Tank- und Rastanlage Uttrichshausen-West ausgelöst. Anwohner bringen nun eine eigene Bauvariante ins Spiel. Doch die Zeit wird knapp.

Von unserem Redaktionsmitglied Norman Zellmer

Eine teils emotionale Diskussion in der Bürgerversammlung am Montagabend entspann sich in der Gaststätte Müller in Uttrichshausen, als Jürgen Falkenhahn von Hessen Mobil und beauftragte Ingenieurbüros die Pläne für den Ausbau der Tank- und Rastanlage Uttrichshausen-West vorstellten. Sie sehen eine Erweiterung des Parkplatzes Richtung Süden vor, was eine Annäherung an Wohnhäuser bis auf rund 200 Meter bedeutet.

Die Zahl der Lkw-Stellplätze soll von 24 auf 72 steigen. „Dieser Ausbau ist dringend geboten“, sagte Planerin Carmen Lindig vor dem Hintergrund des steigenden „Parkdrucks“ gegenüber rund 70 Zuschauern. Die Anlage gilt als chronisch überlastet; Lkws parken zeitweise auf Pkw-Flächen oder auf Zu- und Abfahrt, weil die Parkplätze nicht ausreichen.

Projekt läuft seit 2015

Im Kern ist die nun vorgestellte Planung deckungsgleich mit jener aus dem Jahr 2015. Damals war das Projekt weit gediehen und abgestimmt. Die Kommunalpolitik trug die Pläne einhellig mit. Rathaus und Hessen Mobil entwarfen gar eine Vereinbarung, in der Teile der Tank- und Rastanlage gemeinsam gebaut werden sollten – etwa ein Regenrückhaltebecken, das auch dem benachbarten Gewerbegebiet gedient hätte. Auch ein acht Meter hoher Erdwall als Sichtschutz war geplant.

Die Kommunalwahl 2016 und veränderte Mehrheitsverhältnisse in der Gemeindevertretung machten dies zunichte: Die Vereinbarung, die auch das Baurechtsverfahren abkürzen sollte, kam nicht zustande; die Gemeindepolitik positionierte sich fortan gegen die Ausbaupläne. Der Gemeindevorstand wollte die „Anwohner schützen“ und mehr Lärmschutz.

Erhöhung der Lärmbelästigung befürchtet

Wie Immissionsschutzexperte Silvio Höbald in der Bürgerversammlung – auch in Reaktion auf Anwürfe von Zuschauern, die Berechnungen stimmten nicht – erläuterte, werde die Erweiterung der Rastanlage „im Lärm der A 7 untergehen“. Der Ausbau mache „keinen hörbaren Unterschied“. Sogar die Geräuschkulisse von Lkw-Kühlaggregaten und akustische Reflexionen der benachbarten Talbrücke seien berücksichtigt worden. Aus den errechneten Werten lasse sich kein zusätzlicher Lärmschutz für Anwohner ableiten.

Dem widersprach Uttrichshausens Ortsvorsteher Volker Röbig; er befürchte für Anlieger „eine Erhöhung der Lärmbelästigung, eine größere Belastung durch Abgase und eine erhebliche Lichtbelastung bei Nacht“. Der Parkplatz sei zu nah an der Ortslage. Der Ortsbeirat hatte sich in der vergangenen Woche dafür ausgesprochen, das Rathaus zu bitten, einen Anwalt einzuschalten. Zudem brachte Röbig eine westlich der Rastanlage gelegenen Wiese ins Gespräch, die von der bestehenden Rastanlage über eine Brücke erreicht werden und als Erweiterungsfläche dienen könnte.

Variantenprüfungen seien „Alibis“

Martin Müller (BfK) zeigte sich davon überrascht, dass Hessen Mobil erstmals angesprochen habe, dass andere Ausbauvarianten im Vorfeld geprüft, aber nicht weiterverfolgt wurden. Behörde und Planer stellten die Anwohner nun „vor vollendete Tatsachen“. Angebliche Variantenprüfungen seien „Alibis“.

Hessen-Mobil-Planer Jürgen Falkenhahn erinnerte daran, dass es rund 20 Abstimmungs- und Gesprächstermine in den vergangenen Jahren zu dem Ausbauprojekt gegeben habe – auch mit Vertretern der Gemeinde – und betonte, dass es im Umfeld der Rastanlage keine Alternativflächen gebe, die die Kriterien für eine Erweiterung erfüllten. Der Ortsbeirat könne jedoch seinen Vorschlag als Stellungsnahme in die Anhörung im Planfeststellungsverfahren einbringen.

Anhörungsfrist endet Mitte Dezember

Stefan Burkard (CDU) mutmaßte, die Initiative des Ortsbeirates könne zu spät kommen; Mitte Dezember endet die Anhörungsfrist. Zugleich fragte er die anwesenden Vertreter des Kalbacher Gemeindevorstandes um Bürgermeister Florian Hölzer (parteilos) – dieser ließ sich in der Bürgerversammlung vom Ersten Beigeordneten Markus Hackenberg (SPD) vertreten – was das Gremium seit 2016 getan habe, um die geplanten Baumaßnahmen in ihrem Sinne zu verändern. Im nun angestoßenen Planfeststellungsverfahren könne die Gemeinde nämlich „wenig dazu beitragen“.

Anzeige
Anzeige