Wolf reißt Schafe in Mittelkalbach – laut Expertin Einzelgänger

15. Mai 2019
mittelkalbach

Drei Schafe sind am 15. April in Mittelkalbach gerissen worden. Eine DNA-Untersuchung hat jetzt ergeben: Verantwortlich dafür ist ein Wolf. Das Hessische Umweltministerium geht von einem durchziehenden Einzeltier aus. Es ist der zweite Fall dieser Art in diesem Jahr.

„Die Verharmlosung des Wolfs muss aufhören. Wir sind eine zivilisierte Region, wir können hier keinen Wolf gebrauchen“, ärgert sich der Schafhalter, der nicht namentlich genannt werden möchte, über den Vorfall. Ein kleiner Trost: Das Tier scheint nur auf der „Durchreise“ gewesen zu sein. Davon geht zumindest das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) aus, dem der Fall gemeldet worden war und das die DNA-Analyse in Auftrag gegeben hatte.

Wohl nur auf „Durchreise“

„Wir haben bislang keine Beweise für Wölfe, die länger in Hessen bleiben. Der hier verantwortliche Wolf könnte bereits weiter nach Baden-Württemberg, Thüringen oder Bayern gezogen sein“, erklärt die hessische Wolfsbeauftragte Susanne Jokisch auf Nachfrage unserer Zeitung.

Laut Jokisch ist es das zweite Mal in diesem Jahr, dass nachweislich ein Wolf Schafe gerissen hat. Bereits Ende März hatte ein Wolf bei Licherode im Landkreis Hersfeld-Rotenburg zwei Schafe gerissen.

Nutztiere nicht oft Beute

„Nur ein sehr geringer Prozentsatz der Wölfe in Deutschland frisst Nutztiere. Aber Wölfe nehmen das, was sie am Einfachsten kriegen können. Gerade durchziehende Tiere nutzen die Gelegenheit, wenn sie sich ergibt“, so Jokisch.

Wichtig sei daher, zu verhindern, dass sie damit mehrfach Erfolg haben. Doch das ist gar nicht so einfach, weiß Schäfer Wilfried Lenz aus Elm: „Natürlich kann ich einen 90 Zentimeter hohen Zaun aufstellen – aber da springt der Wolf drüber. Eine andere Möglichkeit sind Herdenschutzhunde. Die schrecken ihn schon ab, sind aber sehr kosten- und zeitaufwendig. Und für meine 1000 Schafe bräuchte ich gleich zehn davon.“

Im Fall Mittelkalbach seien die Schafe vollständig von einem unter Strom stehenden Zaun umgeben gewesen. Wie es dem Wolf trotzdem gelingen konnte, an seine Beute zu kommen, ist dem HLNUG nicht bekannt.

Distanz zu Menschen

Einen Anspruch auf Entschädigung habe der Halter nicht. Aber: „Obwohl es bisher keine offizielle Regelung gibt, hat es in der Vergangenheit in solchen Fällen Einzelfallprüfungen mit einer anschließenden Entschädigungszahlung gegeben.“

Für den Menschen ist der Wolf in der Regel nicht gefährlich, sagt Jokisch. „Wölfe interessieren sich eigentlich nicht für Menschen – es sei denn, sie haben ihre natürliche Distanz zum Menschen verloren, etwa weil sie regelmäßig von ihm gefüttert wurden. In diesem Fall gibt es ganz klare Regeln, die sagen: Wird eine gewisse Distanz unterschritten, wird der Wolf offiziell als auffällig eingestuft – auch dann, wenn er keine Aggressivität gegenüber dem Menschen gezeigt hat.“

Bald ein Territorium in Hessen?

Langfristig müssen sich Mensch und Tier wohl auf eine Nachbarschaft einstellen. Jokisch prognostiziert: „Wir haben 12 bis 14 Rudel in Niedersachsen, Territorien in Thüringen und in Bayern. Auch in Hessen wird es irgendwann ein Wolfsterritorium geben.“ / mlo

Noch mehr Hintergründe lesen Sie in der Mittwochausgabe der Fuldaer Zeitung sowie im E-Paper.

Wolf gesichtet? Jagdpächter legt sich auf die Lauer

Ein Mann hat laut Schlüchterner Polizei angegeben, am Mittwoch, 27. Februar, um 23.40 Uhr einen Wolf gesehen zu haben.