Umfrage in Forstämtern: Borkenkäfer richtet in osthessischen Wäldern Millionenschäden an

03. November 2019
Region

Die Waldschäden in Hessen haben mit geschätzten 3,8 Millionen Festmetern ein „nie dagewesenes Ausmaß“ angenommen, zieht der Leiter des Landesbetriebs HessenForst, Michael Gerst, Bilanz. Der Borkenkäfer fand mit dem zweiten trocken-heißen Sommer in Folge „ideale Brutbedingungen“.

Von unserem Redaktionsmitglied Walter Kreuzer

Dass die Schäden in Hessen nicht gleichmäßig verteilt auftreten, zeigt eine Umfrage bei den Forstämtern im Landkreis Fulda und im Bergwinkel.

Forstamt Fulda 16.000 Festmeter Schadholz

Das Forstamt Fulda ist „im Vergleich mit vielen anderen hessischen Forstämtern mit einem blauen Auge davon gekommen“, schreibt Constanze von Thuemmler, Bereichsleiterin Produktion. Die 16.000 Festmeter Fichtenkäferholz seien bei 14.600 Hektar Staatswaldfläche „eher wenig.

Häufig waren nur einzelne Bäume oder kleine Baumgruppen betroffen.“ Außerdem kam es in den Revieren Magdlos und Heubach zu Buchensterben. Die Aufarbeitung der Fichten sei abgeschlossen, bei der Buche liefen noch die letzten Einsätze. Allerdings sei „ein Großteil der aufgearbeiteten Holzmengen noch nicht abtransportiert“.

Der Abtransport erfolge wegen der hohen Auslastung von Sägewerken und Fuhrunternehmen „langsamer als in normalen Jahren“. Von Thuemmler: „Die im Moment noch im Wald lagernden Holzpolter werden im Winter nach und nach abtransportiert.“ Die Entwicklung 2020 hängt nach ihrer Einschätzung von vielen Faktoren ab. Wichtig sei vor allem, dass „es im Winterhalbjahr ausreichend Niederschläge gibt, so dass der Wasserspeicher im Boden wieder aufgefüllt wird“.

Entscheidend werde zudem der Sommer sein: „Wenn es nochmal so heiß und trocken wird, wird sich der Zustand des Waldes weiter verschlechtern. Bei ungünstigen Verhältnissen könnten die Fuldaer Wälder stärker betroffen sein als in diesem Jahr.“

Forstamt Burghaun 40.000 Festmeter Schadholz

„Die Verluste reichen von nur leichten Schäden bis hin zu Totalverlusten bei Waldbesitzern mit kleinen Flächen und ist von der Lage und den Baumarten abhängig. Grundtenor ist, dass sehr hohe Verluste hingenommen werden mussten“, schreibt Jürgen Dickert, Bereichsleiter Dienstleistung und Hoheit beim Forstamt Burghaun.

Während die Fichte im gesamten Forstamtsbereich sehr stark betroffen sei, gelte dies bei der Buche im Raum Hünfeld und Nüsttal. Bei der Fichte rechnet er mit 40.000 Festmetern Schadholz, wodurch sich der Verlust der Waldbesitzer durch Qualitätsminderungen und Preiseinbrüche auf „bisher schon mehr als 2,5 Millionen Euro“ summiere.

Hinzu kämen Schäden bei Lärchen in der Größenordnung von 1000 Festmetern und „ganz massiv bei der Rotbuche“. Die Aufarbeitung im Nadelholz sei weit fortgeschritten, werde aber in der Intensität zurückgefahren, da die Borkenkäfergefahr durch die Witterung und die Jahreszeit gesunken ist. Stattdessen liege der Fokus auf der Aufarbeitung der Schadholzbuche.

Der Abtransport stocke, da die „Kapazitäten der Säger begrenzt und deren Lagerplätze voll sind“. Die Population des Borkenkäfers sei „trotz aller Bemühungen noch auf einem hohen Niveau“. Mit weiteren Ausfällen und Schädigungen müsse gerechnet werden. Entscheidend werde die Witterung im Winter und Frühjahr sein.

Forstamt Hofbieber 30.000 Festmeter Schadholz

„Verstärkt in tieferen Lagen mit geringerer Wasserversorgung und dort, wo es im Frühjahr viele Windwürfe gab, sind zum Teil ganze Bestände betroffen“, bilanziert Florian Wilshusen, Leiter des Forstamtes Hofbieber. Auf 30 000 Festmeter – davon sollen 5000 im Wald bleiben – Käferholz schätzt er den Schaden: „In der Fichte wurden etwa 90 Prozent des Einschlags durch Borkenkäfer bedingt, der Rest durch Windwürfe.“

Große Mengen des Holzes seien in Zusammenarbeit mit den Unternehmern und Waldbesitzern aufgearbeitet und verkauft worden. Für die Waldbesitzer sei es „ein großer finanzieller und zeitlicher Aufwand. Die Aufarbeitung ist deutlich teurer als im Normaleinschlag und die Erlöse sind aktuell sehr gering. Oft zahlen die Waldbesitzenden noch drauf“, beschreibt der Forstamtsleiter die Auswirkungen.

„In 2020 wird es wahrscheinlich nahtlos weitergehen“, befürchtet Wilshusen. „Die Käferpopulation ist extrem hoch und vital. Hinzu kommt, dass die Bäume durch die letzten beiden Jahre extrem geschwächt sind und sich auch im kommenden Winter – selbst bei hohen Niederschlägen – nicht erholen können.“ Abhängig von Niederschlägen und Temperaturen im Frühjahr „wird das Ausmaß weiter zunehmen. Ausgang ungewiss.“

Forstamt Schlüchtern 20.000 Festmeter Schadholz

„Der Schadholzanfall im Forstamt Schlüchtern bewegt sich momentan in der Größenordnung eines planmäßigen Jahreseinschlages. Über alle betreuten Wälder hinweg sind das 20.000 Festmeter. Bezogen auf die Hauptschadgebiete mit einem siebenstelligen Schadholzanfall ist das so gut wie nichts“, schreibt der Schlüchterner Forstamtsleiter Jörg Winter. Bis auf Ausnahmen im Vogelsberg gebe es noch keine großen Schadflächen im Forstamtsbereich.

Bislang sei das Holz „von den Käufern zügig abgefahren“ worden. Ansonsten „haben wir das Holz auf einem Trockenlagerplatz außerhalb des Waldes zwischengelagert“. Betroffen vom Borkenkäferbefall seien vor allem Fichten. Regionale Schwerpunkte seien die tieferen Lagen, wo es wärmer und trockener als ab etwa 400 Metern sei. Dies betreffe das Kinzigtal und „auch im Vogelsberg ist die Lage kritisch“, so der Forstamtsleiter.

Für 2020 ist Winter nicht optimistisch: „Selbst in einem von der Witterung her normal verlaufenden Jahr müssen wir weiter von einer sehr kritischen Schadenssituation ausgehen. Unsere einzige Chance, den Befall einzudämmen, besteht darin, möglichst viele Käfer, die aus der Überwinterung kommen, abzufangen. Das geht nur mit dem Einsatz von Insektiziden.“