Ungewöhnlicher Standort: Kinderbetreuung direkt neben dem Bauhof

12. Juni 2019
Petersberg

Etwa 130 Tageseltern gibt es im Landkreis Fulda. Den wohl ungewöhnlichsten Arbeitsplatz hat dabei Sabrina Bleß – direkt am Petersberger Bauhof.

Von unserem Redaktionsmitglied Sebastian Kircher

Tageseltern sind eine wichtige Ergänzung zu den Betreuungsangeboten in Kitas und Krippen. „Bei den 130 Tagespflegepersonen in der Region werden etwa 500 Kinder betreut, hauptsächlich unter Dreijährige“, erklärt Kerstin Hohmann von der Fachstelle Kindertagespflege des Landkreises und macht damit deutlich, wie viele zusätzliche Kindergärten gebaut werden müssten, wenn es die Tageseltern nicht gäbe.

Tageseltern betreuen maximal fünf Kinder unter drei Jahren gleichzeitig – oft in ihrem eigenen Zuhause oder direkt bei den Familien. Der Vorteil: „Dadurch, dass die Gruppen kleiner sind als im Kindergarten, ist die Betreuung familiärer“, sagt Hohmann.

Tagespflege ist kein Ausbildungsberuf

Entsprechend beliebt sind die Angebote. „Wir suchen händeringend nach Tageseltern. Ständig kommen Anfragen herein“, berichtet Hohmann. Tagespflege ist allerdings kein Ausbildungsberuf wie Erzieher. Wer Tagesmutter oder -vater werden will, muss einen Qualifikationskurs ablegen und sich regelmäßig fortbilden.

Sabrina Bleß hat den Kurs erst voriges Jahr abgeschlossen – und wurde schon kurz darauf ins kalte Wasser geworfen. „In Petersberg hatten zwei Tagesmütter aus persönlichen Gründen aufhören müssen. Von heute auf morgen waren mehrere Kinder ohne Betreuung“, erinnert sie sich. Kerstin Hohmann fügt hinzu: „Die Eltern dieser Kinder sind berufstätig, Krippenplätze waren auch keine mehr frei. Das war eine regelrechte Notsituation.“

Frage nach Räumlichkeiten

Allerdings stellte sich die Frage nach Räumlichkeiten. „Ich lebe in einer 50-Quadratmeter-Wohnung, da ist die Betreuung von vier Kindern unmöglich“, sagt sie. Die Gemeinde Petersberg bot deswegen die gemeindeeigene, 110 Quadratmeter große Wohnung am Bauhof an.

Seit Oktober 2018 werden direkt am Bauhof Kinder betreut. Für Bleß ist der ungewöhnliche Standort optimal: „Es ist verkehrsberuhigt, außerdem sind Spielplatz und Einkaufsgelegenheiten in der Nähe.“ Und die Männer vom Bauhof helfen auch gern mal – neulich zum Beispiel beim Aufblasen eines Planschbeckens. „Für die Kinder ist das auch oft ein Abenteuer, wenn die Bagger auf dem Gelände unterwegs sind“, sagt die Tagesmutter.

Bauhof-Wohnung sei „absolute Ausnahme“

Lisa Laibach von der Pressestelle des Landkreises betont aber, dass die Anmietung der Bauhof-Wohnung „eine absolute Ausnahme“ sei, die der Notlage geschuldet sei. Deswegen ist im Oktober 2020 dort wieder Schluss mit Kinderbetreuung. Dann wird auch Sabrina Bleß nicht mehr an Bord sein. Sie möchte Familien noch intensiver helfen.

Kerstin Hohmann wünscht sich 16 bis 18 neue Tageseltern jedes Jahr, um den Bedarf im Kreis decken zu können.