Schäden in der gesamten Region: Das hat Sturmtief Axel angerichtet

21. Mai 2019
Region

Das Sturmtief Axel, das seit Montagnachmittag wütete, hat in Fulda und den Nachbarkreisen für überschwemmte Straßen, Unfälle und Erdrutsche gesorgt.

Seit Dienstag, 12 Uhr, hat der Deutsche Wetterdienst die amtliche Unwetterwarnung aufgehoben, doch der Sturm hat Spuren in der Region hinterlassen. Zahlreiche Fotos haben unsere Redaktion erreicht, die überschwemmte Straßen, Bäche und Gärten zeigen. Teile in Margretenhaun, Kerzell, Ziegel und Dirlos stehen unter Wasser. Aber auch viele weitere Orte in Osthessen sind betroffen.

Feuerwehr gefordert

Bis zum späten Montagabend sind die Feuerwehren Hofbieber, Langenbieber und Elters gefordert gewesen. In Langenbieber ist die Straße vom Sportplatz bis in die Dorfmitte massiv mit Schlamm verunreinigt gewesen. In Elters war die Fahrbahn in Richtung Langenberg ebenfalls mit Schlamm und Geröll überflutet. Anschließend musste auch in der Ortsmitte Wittges die Straße von einer massiven Schlammschicht mit Schaufeln und Besen befreit werden. Landwirte unterstützen mit ihren Traktoren.

In Künzell sind am Dienstag insgesamt 80 Feuerwehrmänner wegen des Unwetters im Einsatz gewesen. Der ersten Alarm ging laut Gemeindebrandinspektor um 7.30 Uhr. Insgesamt neun Stellen mussten die Einsatzkräfte anfahren.

Auch in Poppenhausen gibt es einige Hochwasserschäden, wie Bürgermeister Manfred Helfrich (CDU) mitteilt. „Feldwege sind gerissen, aber auch die Banketten der Kreisstraße und zahlreiche Stellen, an denen Erdabschwemmung von Feldern festgestellt wurden“, berichtet Helfrich. Der Bürgermeister appelliert an die Landwirte: „Bitte lasst von den gefährdeten Äckern einen sechs bis acht Meter breiten Grasstreifen zu den Straßengräben als Grünstreifen, um die Gefahr einer Erdabschwemmung zu minimieren.“

Schäden in der gesamten Region: Das hat Sturmtief Axel angerichtet

Grüner Baum“ erneut geflutet

Der Starkregen hat – wie bereits 2018 – dafür gesorgt, dass der Keller der Gaststätte „Grüner Baum“ in Margretenhaun übergelaufen ist. „Wir warten darauf, dass die Feuerwehr kommt und uns den Keller abpumpt“, sagt Betreiberin Martina Blum. Das Wasser stehe etwa einen halben Meter hoch. Im vergangenen Jahr habe es bis zur Decke gestanden.

Nach dem Hochwasserschaden 2018 sind einige Vorkehrungen getroffen worden: Sieben Kellerfenster wurden zugemauert, eine externe Be- und Entlüftungsanlage wurde installiert, ein großes Kellerfenster wurde verdichtet und verstärkt. „Wenn wir nichts unternommen hätten, dann wäre es bestimmt wieder so ausgegangen“, betont Blum.

Die Höhe des Schadens ist noch unbekannt. 2018 mussten Heizung, Elektrik, die Kühlaggregate sowie die Kühlschränke erneuert werden, und auch die Vorratshaltung wurde in Mitleidenschaft gezogen.

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Verkehrsunfall mit zwei Schwerverletzten

Zwischen Neuhof und Dorfborn ist es am Dienstagmorgen gegen 7.15 Uhr aufgrund von Aquaplaning zu einem schweren Verkehrsunfall gekommen.

Die 23-Jährige Fahrerin eines blauen VW Polo hat auf der nassen Straße die Kontrolle über ihr Fahrzeug verloren. Die Polizei vermutet, dass sie wegen nicht angepasster Geschwindigkeit ins Schleudern geriet. Auf der Gegenfahrbahn stieß sie mit dem Skoda einer 28-Jährigen aus Neuhof zusammen.

Beide Frauen wurden durch den Zusammenstoß schwer verletzt und ins Krankenhaus gebracht. Auch ein Rettungshubschrauber war im Einsatz.

Unwettereinsätze in den Nachbarkreisen

Auch im Vogelsbergkreis sind Folgen des Unwetters sichtbar. Die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Alsfeld war am Dienstagmorgen mehrfach im Einsatz. Der ergiebige Regen von Tief Axel setzte die Bundesstraße 49 in Alsfeld, das Alsfelder Stadtgebiet an der Au sowie eine Kreisstraße zwischen den Stadteilen Alsfeld und Eudorf unter Wasser. Die Straße wurde zudem durch mehrere kleine Erdrutsche blockiert. Rund 20 Feuerwehrleute waren an den Einsatzstellen vor Ort, um die Wasser- und Schlammmassen zu beseitigen. Zum Einsatz kam auch ein Traktor mit Frontlader sowie ein Kranbagger.

Besonders schwer scheint das Unwetter Schotten getroffen zu haben. Laut Feuerwehr gab es am Dienstagmorgen etwa 15 Einsatzstellen in der Kernstadt und im Ortsteil Rainrod. 30 Einsatzkräfte sind damit beschäftigt gewesen, mehrere Keller leerzupumpen.

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Sportplatz oder Schwimmbad?

„Aufgrund des starken Niederschlags kam es am Dienstag bei uns auch zum Hochwasser in Schlüchtern-Herolz“, teilt uns Leser Alexander Preis mit. Dank der Feuerwehrkräfte soll der Wasserstand aber wenig später wieder abgesunken sein.

In Niederzell ist sogar ein ganzer Sportplatz überflutet worden. An Fußball ist dort aktuell nicht zu denken – wohl eher an Wasserball.

Morgens um 8 Uhr trat in Altengronau der Gronaubach in Höhe des Netto Markt über die Ufer und erreichte mehrere Grundstücke. Die freiwillige Feuerwehr half mit Sandsäcken und Absicherung der Straße.

Die Pegelstände der Bieber stiegen rasant an, so dass sie in Niederbieber und Wiesen über ihre Ufer trat und etliche Keller voll Wasser liefen. Zuvor kam es in Langenbieber, Wittges und Wallings zu Fahrbahnüberflutungen und vollgelaufenen Kellern. Auch das Freibad Langenbieber war betroffen. Wegen der vielen Paralleleinsätze – schreibt die Feuerwehr Hofbieber-Mitte – wurde für alle Wehren der Gemeinde Hofbieber das Unwettermodul ausgerufen und die Funkzentrale im Gerätehaus Hofbieber besetzt, um die Einsätze zu koordinieren. Die Hauptarbeiten beliefen sich auf das Auspumpen vollgelaufener Keller und Garagen sowie den Aufbau von Schutzbarrikaden mit Sandsäcken und Holzbohlen. Straßengräben und Kanaldeckel mussten von Schmutz und Geröll befreit werden, damit das Wasser ablaufen konnte.

Eine massive Buche musste von der Fahrbahn geräumt werden, die wegen des aufgeweichten Bodens umgestürzt war. Nach Rückgang des Wasserstandes mussten Fahrbahnen von angespültem Schlamm befreit werden. Nachdem der Sandsackvorrat der Wehren aufgebraucht war, wurden 400 Sandsäcke vom THW Fulda geholt. Auch der Bauhof unterstütze mit Bagger und Radlader an den vielen Einsatzstellen. Etliche Fahrbahnen mussten von Polizei oder Feuerwehr gesperrt werden. Insgesamt waren die Feuerwehren aus der Gemeinde Hofbieber bei 25 Einsätzen im Einsatz (Stand 13 Uhr). An zwölf Einsätzen waren die Einsatzkräfte aus Hofbieber-Mitte beteiligt.

Während einige Dauerschwimmer fleißig ihre Bahnen ziehen, stehen große Teile der Liegewiese im Fuldaer Freibad Rosenau unter Wasser. „Das war seit 2002 nicht mehr so extrem“, erinnert sich Peter Bolz, stellvertretender Betriebsleiter, der die Situation seit 1991 verfolgt. „Und 2002 war es im März, als noch kein Badebtrieb lief und Schneeschmelze sowie starker Regen zusammenkamen.“

Obwohl es gestern Nachmittag nicht regnete, stieg der Wasserstand an, weil weiteres Wasser aus der Fulda ins Bad drückte. „Die Situation ist so instabil, dass wir mit unserem Programm nicht planmäßig fortfahren können“, sagte Heide Aust aus dem Organisationsteam der RhönEnergie Challenge. „Wir müssen jegliche Alternative ins Auge fassen, um eine Durchführung der Veranstaltung zu gewährleisten.“ Wie die aussehen kann, daran arbeitet das Team von Aust fieberhaft. / lio, pw, lea, hi

Unwetter wütet in der Region: Wie sieht es bei Ihnen aus?

Schauer und Gewitter ziehen durch die Region. Seit Montagnachmittag gilt eine Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdiensts. In mehreren Städten und Gemeinden stehen Straßen unter Wasser, in Buchenau ist ein Blitz in ein Haus eingeschlagen. Wie sieht es bei Ihnen aus? Unsere Zeitung ruft Sie dazu auf, uns Ihre Unwetterbilder zu schicken.

Unwetterwarnung - Dauerregen bis Dienstag angekündigt

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat eine Unwetterwarnung für den Kreis Fulda herausgegeben. Demnach soll es von Montag, 15 Uhr bis voraussichtlich Dienstag, 12 Uhr zu „ergiebigem Dauerregen" kommen. Auch der Vogelsbergkreis und der Main-Kinzig-Kreis sind betroffen.