Verbandschef der Standesbeamten für Lockerung von Leihmutter-Regelung

06. August 2014
Bad Salzschlirf

Sollen Leihmutterschaften verboten bleiben oder nicht? Der Präsident der deutschen Standesbeamten hat eine klare Haltung: In bestimmten Fällen sollte man die Leihmutterschaft aus humanitären Gründen erlauben.

Deutschlands oberster Standesbeamter plädiert für eine Legalisierung von Leihmutterschaften in bestimmten Fällen. Unter Umständen sollte das bestehende Verbot nicht mehr gelten, sagte Jürgen Rast, der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Standesbeamten in Bad Salzschlirf. „Wenn Paare kein Kind bekommen können, ist es meiner Meinung nach aus humanitären Gründen akzeptabel, ihnen doch so diese Möglichkeit zu eröffnen. Wenn das Prinzip der Leihmutterschaft allerdings zum Geschäft ausartet, ist es strikt abzulehnen.” In Russland und Thailand gebe es etwa Einrichtungen, die junge, gebärfähige Frauen regelrecht vermieteten.

Weltweit für Schlagzeilen sorgt derzeit der Fall des behinderten Leihmutter-Babys Gammy. Eine 21-Jährige hatte in Thailand in eine Leihmutterschaft eingewilligt und Berichten zufolge 10.000 Euro bekommen. „Durch diesen Fall wird die Diskussion über das Thema wieder angefacht. Das bewegt die Menschen”, sagte Rast, der auch Vize-Präsident des Europäischen Verbandes der Standesbeamtinnen und Standesbeamten (EVS) ist.

Eine Sprecherin des Bundesjustizministeriums sagte: „Im Koalitionsvertrag ist festgehalten, dass Leihmutterschaft von der Regierungskoalition abgelehnt wird.” Die Leihmutterschaft wird darin als mit der Würde des Menschen unvereinbar angesehen. Änderungen beziehungsweise Lockerungen in dieser Frage seien derzeit nicht geplant, sagte die Sprecherin.

Verbandspräsident Rast berichtete von Fällen in deutschen Standesämtern, bei denen Eltern versuchten, von Leihmüttern ausgetragene Babys mit ausländischen Geburtsurkunden in Deutschland anzumelden. Dieses Vorgehen ist aber illegal. „Einige Eltern gehen aber auch so vor, dass es oftmals gar nicht auffällt.”

Die Vermittlung von Leihmüttern ist nach dem Adoptionsvermittlungsgesetz strafbar. Das Embryonenschutzgesetz verbietet Ärzten zudem, Leihmutterschaften zu betreuen. Das bedeutet für Paare mit Kinderwunsch, bei denen die Frau kein Kind austragen kann: Sie müssen versuchen, ein Kind zu adoptieren. Gleiches gilt für homosexuelle Paare. Oder sie müssen ins Ausland ausweichen, wo andere Gesetze gelten. Liberaler werde das Thema etwa in den Niederlanden, Großbritannien und Griechenland gehandhabt, sagte Rast. Eine kommerzielle Leihmutterschaft erlaubten etwa die Ukraine, Russland und Indien.

Der CDU-Gesundheitspolitiker Hubert Hüppe bezeichnete den Fall des kleinen Gammy als „Warnsignal”. „Der Fall der thailändischen Leihmutter zeigt, dass bezahlte Leihmutterschaft letztlich Menschenhandel ist. Denn ein Vertrag verpflichtet die Leihmutter zur Herausgabe des Kindes und regelt die ihr dafür zustehende Bezahlung.” / dpa

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