Vergewaltigungs-Prozess endet mit Freispruch

13. August 2019
Fulda

Ein Physiotherapeut musste sich am Dienstag wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung vor dem Fuldaer Amtsgericht verantworten. Er wurde freigesprochen.

Von unserem Redaktionsmitglied Daniela Petersen

„Es ist ein unbefriedigendes Ende, aber letztlich wissen wir nicht, was in der Kabine gewesen ist“, begründet Richter Ulrich Jahn den Freispruch im Prozess gegen einen 29 Jahre alten Physiotherapeuten. Dem Mann, der in einer Praxis in Fulda gearbeitet hatte, wurde vorgeworfen, im November 2018 eine 26-Jährige während einer Behandlung vergewaltigt zu haben. Er soll mit Fingern in sie eingedrungen sein.

Mann bestreitet die Tat

Das stritt der 29-Jährige ab. Die Frau kam in die Praxis, um einen älteren Muskelfaserriss behandeln zu lassen. „Sie erklärte, dass sie außerdem Probleme im Beckenbodenbereich hat, deshalb habe ich die Innenseite des Oberschenkels mit massiert. Dass ich dabei in sie eingedrungen bin, stimmt nicht“, betont der 29-Jährige. Nach seinem Empfinden sei die Behandlung, die bereits der zweite Termin bei ihm war, ganz normal verlaufen. „Wir haben uns währenddessen unterhalten. Small-Talk.“

Das bestätigt auch die 26-Jährige. Doch dann weicht ihre Schilderung von der des Angeklagten ab. Es fällt ihr sichtlich schwer, darüber zu sprechen. Immer wieder schaut sie auf den Boden und vermeidet den Blickkontakt mit dem Angeklagten. Er sei mit der rechten Hand immer näher zu ihrem Intimbereich gewandert. Dann sei es zu der Vergewaltigung gekommen. „Das Gespräch wurde dabei weitergeführt. Ich war wie in Schockstarre, und es kam mir kein ,Nein‘ heraus“, erklärt die 26-Jährige.

Nach der Behandlung habe sie sich wieder angezogen und sofort ihre Freundin angerufen. „Ich habe ihr gesagt, dass ich glaube, dass bei dem Termin etwas völlig falsch gelaufen ist”, erinnert sich die Frau, die als Sozialpädagogin arbeitet.

Staatsanwaltschaft fordert zwei Jahre auf Bewährung

Staatsanwältin Natalia Fuchs und Nebenklagevertreterin Dorothée Hauck-Hiersch betonen in ihren Plädoyers, dass die Frau kein Motiv habe, den Mann zu Unrecht zu beschuldigen. Staatsanwältin Fuchs fordert schließlich zwei Jahre auf Bewährung. Jörg-Thomas Reinhard, Rechtsanwalt des Beschuldigten, ist von der Unschuld seines Mandanten überzeugt. „Hier werden Existenzen zerstört. Er ist das eigentliche Opfer. Sein Lebenslauf ist kerzengerade. Er hat sich noch nie etwas zu Schulden kommen lassen.“ Es gebe überhaupt keinen Anhaltspunkt, weshalb er mit einer solchen Tat, die zu einer Zeit passiert sein soll, als in der Praxis mehrere Mitarbeiter zugegen waren, seinen Job, die Beziehung zu seiner Freundin und eine Gefängnisstrafe riskieren sollte.

Das Schöffengericht hatte letztlich die schwere Aufgabe, beide Schilderungen abzuwägen. „Es bleiben Zweifel an der Aussage der 26-Jährigen. Wir tun uns schwer. Die Frau wird als extrovertierte, starke Persönlichkeit beschrieben. Da passt es nicht, dass sie kein ,Nein’ herausbringen konnte. Er ist auch kein Draufgängertyp und das Entdeckungsrisiko war hoch, er konnte ja nicht davon ausgehen, dass sie sich nicht wehrt.“ Daher habe das Gericht Zweifel an der Vergewaltigung.

„Unbefriedigendes Ende“

Richter Jahn: „Irgendwo bleibt immer etwas hängen. Das ist ein unbefriedigendes Ende für alle.“

Einen ausführlichen Bericht über die Verhandlung vor dem Amtsgericht lesen Sie in der Mittwochausgabe der Fuldaer Zeitung und im E-Paper.