Video aufgetaucht – Ermittler sehen Ergebnisse nach tödlichen Schüssen bestätigt

15. März 2019
FULDA

Die Staatsanwaltschaft Fulda prüft ein bisher unbekanntes Handy-Video. Es wurde wenige Minuten vor den tödlichen Schüssen vom April 2018 im Münsterfeld aufgenommen. Die Schüsse selbst sind nicht zu sehen. „Das Video bestätigt in vollem Umfang unsere Ermittlungsergebnisse“, sagt Harry Wilke, Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

Die Fuldaer Behörde hatte Anfang Februar die Ermittlungen gegen den Polizeibeamten eingestellt, der auf einen 19 Jahre alten afghanischen Flüchtling mehrere tödliche Schüsse abgegeben hatte. Die Staatsanwaltschaft begründete, dass der Beamte in Notwehr gehandelt habe. „Das neu aufgetauchte Video ist für uns kein Grund, die Ermittlungen neu aufzunehmen“, erklärt Wilke.

In dieser Woche hatte der Hessische Rundfunk der Staatsanwaltschaft Fulda ein 59 Sekunden langes Handyvideo übermittelt. Der Sender hatte das Video über Umwege erhalten. Die Aufnahmen wurden offenbar aus einem parkenden Auto heraus gemacht, in dem zwei Männer und zwei Frauen saßen. „Wir ermitteln jetzt, wer die Aufnahmen gemacht hat“, berichtet Wilke.

„Hemmungslos“ auf Polizisten eingeprügelt

Der Staatsanwalt hat das Video gesehen. „Die Aufnahmen sind von schlechter Qualität. Wenn man weiß, was gefilmt worden war, kann man verstehen, was es zeigt: Nämlich, wie ein Mann – offenbar der Afghane – mit voller Kraft und, wie es scheint, hemmungslos, auf einen anderen Menschen – wohl einen Polizisten – einschlägt.“ Sehr interessant seien auch die Äußerungen der Autoinsassen: „Sie wundern sich darüber, dass es dem Polizisten nicht gelingt, den Mann zu überwältigen.“

Die gefilmte Attacke richtete sich laut Wilke gegen einen Beamten der ersten alarmierten Streife. Ihm entriss der afghanische Mann den Schlagstock und brach ihm dann den Arm. Der Beamte, der später die tödlichen Schüsse abgab, gehörte zur zweiten Streife.

Die Staatsanwaltschaft Fulda will das Video technisch aufbereiten und weiter untersuchen.

Unabhängig von dem jetzt aufgetauchten Video hat die Familie des Afghanen Beschwerde gegen die Einstellung der Ermittlungen eingelegt (wir berichteten). Die Beschwerde ist aber noch nicht begründet, berichtet Wilke.

Erschossener Flüchtling: Ermittlungen gegen Polizisten eingestellt

Im April 2018 hatte ein Polizeibeamter bei einem Einsatz im Münsterfeld einen 19-jährigen Afghanen erschossen. Nach Informationen unserer Zeitung hat die Staatsanwaltschaft Fulda das Verfahren gegen den Polizisten eingestellt.