Video: Gedenktafel für den Fuldaer Erfinder Ferdinand Schneider enthüllt

15. Oktober 2019
Fulda

Er stellte die drahtlose Telegraphie vor, baute Windräder und entwickelte eine erste Funkuhr – und trotzdem ist der Name Ferdinand Schneider weitgehend unbekannt. Nun wird des Fuldaer Erfinders an einer alten Wirkungsstätte gedacht.

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Von unserem Redaktionsmitglied Sebastian Kircher

Ferdinand Schneider war ein Erfinder, wie ihn Fulda noch nie gesehen hatte. Und dennoch: „Viele können mit dem Namen nichts anfangen“, sagte Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU). „Denn das Wirken Schneiders hat zu seinen Lebzeiten nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die er verdient gehabt hätte.“ Erst seit wenigen Jahren wird an den kreativen Kopf erinnert. So haben Stephan Mollenhauer und Michael Mott über Schneider geforscht, und an seinem Geburtshaus in der Kanalstraße wurde eine Gedenktafel angebracht.

„Herausragender Sohn Fuldas“

Seit Dienstag, 15. Oktober, ist die Stadt um eine Würdigung des Erfinders reicher: An der ehemaligen Gaststätte Harmonie am Peterstor wurde eine weitere Gedenktafel installiert. „Das ist unser Geschenk an die Stadt im Jubiläumsjahr“, sagte Michael Schmitt, Verleger unserer Zeitung, bei der Enthüllung. Er nannte Schneider „einen herausragenden Sohn Fuldas“.

Dr. Thomas Schmitt, Herausgeber unserer Zeitung, erklärte, warum dieser Standort ausgewählt wurde: „In der Harmonie stellte Ferdinand Schneider am 24. März 1895 erstmals seine Erfindung der drahtlosen Telegraphie vor.“ Das Haus ist eng verbunden mit der Unternehmerfamilie Schmitt und dem Verlag Parzeller: Die Fuldaer Actiendruckerei, der Vorgänger des Verlags, erwarb 1892 das Gebäude. Die Gaststätte blieb zunächst erhalten.

16 Meter hohes Windrad im Schlossgarten

„Die Harmonie war 50 Jahre lang die erste Adresse für Kongresse und Veranstaltungen in Fulda – quasi das damalige Esperanto“, sagte Thomas Schmitt. In den 1930ern wurde der Betrieb eingestellt, um Platz für Druckerei und Redaktion zu machen. Als der Verlag 1998 in die Frankfurter Straße zog, war die Zukunft der denkmalgeschützten Harmonie zunächst offen. Erst seit einigen Jahren herrscht dort wieder Leben: Ab 2009 wurden die Räumlichkeiten umgebaut, damit das Bildungsunternehmen Dr. Jordan sie nutzen kann. „Die Harmonie ist heute eine Bereicherung des Stadtbildes“, ist der Herausgeber überzeugt.

OB Wingenfeld dankte dem Verlag und Franz Köhler, der die Anregung zu einem solchen Denkmal gegeben hatte. Wingenfeld lobte Schneider als „ein Genie“, der auf vielfältige Weise seiner Zeit voraus gewesen sei. Nicht nur in der Telegraphie, sondern auch als Astronom und Windkraft-Pionier: „Er hat ein 16 Meter hohes Windrad im Schlossgarten aufgestellt, später sogar auf dem Kreuzberg.“ Zudem habe er sich als Stadtverordneter für das Gemeinwohl engagiert.