Wenn der Schraubenzieher die Wirbelsäule richtet: So abenteuerlich operierte Fuldaer Neurochirug im Irak

10. August 2018
Fulda/Erbil

Neurochirurg Michael Eichler behandelt regelmäßig im Irak Patienten und bildet dort Ärzte weiter. Nun kehrte er von seinem insgesamt zehnten Einsatz zurück und berichtet von seiner Arbeit dort.

Sie lesen nachfolgend einen Bericht der Kommunikationsagentur Bensing & Reith im Wortlaut:

Der 44 Jahre alte Neurochirurg und Sportmediziner ist Mitgründer des Wirbelsäulenzentrums Fulda/Main-Kinzig. Im Nordosten des Iraks behandelt er Patienten und bildet die Ärzte vor Ort weiter. Der Kontakt kam über befreundete Ärzte der Asklepios-Klinikgruppe zustande.

„Ich bin stets in den Krankenhäusern der Region Erbil tätig“, sagt Eichler, der diese Einsätze in Krisengebieten als seine Pflicht ansieht: „Wir Ärzte in Deutschland haben großes Glück, dass wir eine hohe Qualität in der Ausbildung genießen können. Da sollte man den Kollegen, die es nicht so gut haben, etwas zurückgeben.“

„Hygiene ist ein großes Thema“

Denn neben der Behandlung von Patienten bildet Eichler vor Ort auch irakische Ärzte weiter. „Ich treffe die Kollegen immer wieder. Vier von ihnen haben mich auch schon in Deutschland besucht“, sagt Eichler. Die Ärzte seien sehr motiviert, die Zusammenarbeit mache großen Spaß. Auch für ihn selbst seien die Treffen und der damit verbundene interkulturelle Austausch ausgesprochen lehrreich.

Spezielle Implantation: Fuldaer Neurochirurg operiert Maori-Mädchen (4) in Neuseeland

Der Fuldaer Neurochirurg Professor Dr. Robert Behr hat in Neuseeland mehrere ertaubte Patienten operiert. Dabei setzte er auf ein sehr spezielles Implantationsverfahren, schulte Kollegen in Auckland. Zu seinen Patienten gehörte bei der Reise Anfang März auch das vierjährige Maori-Mädchen Maraia.

Wenn der Neurochirurg im Irak ist, dann wird tagsüber mit den Kollegen wissenschaftlich gearbeitet, Patienten untersucht und beraten. Nachts wird operiert. Die Umstände in den OP-Sälen sind dann schon manchmal abenteuerlich.

„Hygiene ist ein großes Thema“, sagt Eichler, „aber es fehlt natürlich auch an medizinischen Geräten.“ Deshalb muss ab und zu auch improvisiert werden. „Um während einer Operation eine Wirbelsäule aufzurichten, haben wir mal den Schraubenzieher des Hausmeisters verwendet“, berichtet Eichler. „Es hat prima geklappt.“ Selbstverständlich sei das Werkzeug vor Gebrauch sterilisiert worden.

Abenteuerlich sind nicht nur die Operationen an sich, sondern auch die Umstände in den Krankenhäusern. „Wenn wir Patienten haben, die hohes Ansehen und eine gewisse Macht besitzen, dann kann es sein, dass das ganze Krankenhaus voll mit Sicherheitskräften bewaffnet mit Maschinenpistolen ist.“

Wenn der Schraubenzieher die Wirbelsäule richtet: So abenteuerlich operierte Fuldaer Neurochirug im Irak

Doch generell hat Eichler im Irak keine Angst. Besonders der Nordosten, in dem er regelmäßig arbeite, sei ausgesprochen sicher. Es gebe jedenfalls noch viel zu tun in diesem kriegsgeplagten Land. „Es kommt aufgrund der politischen Ereignisse immer wieder zu Rückschlägen in der medizinischen Entwicklung. Viele schwere Operationen werden deshalb nicht im Irak ausgeführt, sondern die Patienten werden nach Indien oder in den Iran geflogen.“

Michael Eichler will seinen Teil dazu beitragen, dass es im Bereich der Medizin aufwärts geht im Irak. „Wir deutschen Ärzte und Deutschland allgemein genießen eine hohe Wertschätzung“, sagt der Arzt. Ein Beispiel: Wenn eine Sache besonders schön oder gelungen sei, dann werde sie von den Irakis gerne mit dem Attribut „deutsch“ versehen.

Operationsquote halb so hoch wie im Bundesdurchschnitt

Ein nächster Aufenthalt Eichlers im Irak ist gegenwärtig noch nicht geplant. Doch der Arzt ist sicher, dass noch viele weitere folgen werden: „Ich habe da viele gute Kontakte geknüpft und möchte meinen Teil dazu beitragen, dass es in diesem Land aufwärts geht.“

Hintergrund: Das Wirbelsäulenzentrum Fulda/Main-Kinzig behandelt jährlich insgesamt 14.000 Patienten an den Standorten Hanau, Frankfurt/Gelnhausen, Fulda, Schotten, Schlüchtern und Neu-Isenburg. Es ist die fünfgrößte Einrichtung dieser Art.

Insgesamt sind mehr als 50 Mitarbeiter beschäftigt, darunter sieben Ärzte. Das Wirbelsäulenzentrum wurde im Jahr 2006 von Dr. Michael Eichler und Dr. Bernd Hölper gegründet. Nur 15 Prozent der Patienten müssen operiert werden. Damit ist die Operationsquote nur halb so hoch wie im Bundesdurchschnitt. / FZ

Mit einem Implantat zum fünften Sinn: Mädchen lernt dank Fuldaer Arzt das Hören

Der Fuldaer Neurochirurg Professor Robert Behr ist einer der wenigen Ärzten, die das Auditory Brainstam Implantat transplantieren, ein Implantat, dass tauben Menschen das Gehör schenken kann. Professor Behr hat sehr viele junge Patienten. Tabea-Marleen Seidel aus Rügen ist eine davon. Mit drei Jahren lernt das taub geborene Mädchen nach und nach das Hören.