Zwei Tage ist die Biothan-Anlage offen

RhönEnergie weist Kritik des BBU zurück: "Sämtliche Auflagen eingehalten"

05. September 2013
Kleinlüder

Die Biothan-Anlage am Finkenberg, die aus Lebensmittelresten und Gülle Bio-Erdgas produziert, präsentiert sich morgen und übermorgen der Öffentlichkeit. Kritik von Umweltverbänden weist die RhönEnergie Fulda, Betreiber der Biothan-Anlage, zurück.

An der Anlage wird heute im kleinen Kreis die zweite Ausbaustufe eröffnet, die die Inhalte der Bio-Tonne aus Stadt und Kreis Fulda verarbeitet. Am Freitag findet ab 15 Uhr der öffentliche Ökumenische Schöpfungstag in der Anlage statt (16 Uhr Gottesdienst mit Propst Bernd Böttner und Domkapitular Prälat Rudolf Hofmann), am Samstag lädt Biothan von 10 bis 16 Uhr zum Tag der offenen Tür ein.

Bislang herrschte in der Region Konsens, dass das Pilotprojekt, in das die GWV (heute RhönEnergie) 23 Millionen Euro investierte, ökologisch ein Gewinn ist. Nun übt der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) Kritik. Bei der Auslegung der Pläne für die Bebauungsplanänderung hätten "aussagekräftige Angaben zur Immissionsbelastung im Normalbetrieb" gefehlt. Auch die "Betrachtung potenzieller Störfälle" vermisste der BBU. Deshalb sei die Bebauungsplanänderung nicht rechtmäßig, so der BBU.

Kerstin Desch-Wöhrl, BBU-Vorstandsmitglied und Vorsitzende der Bürgerinitiative Pro Lebensraum Großenlüder, warnt: "Die Gemeinde Großenlüder ist sich offensichtlich der Gefährlichkeit der Anlage nicht bewusst."

Die RhönEnergie Fulda hält die Kritik für unberechtigt. "Das gesamte Planungs- und Genehmigungsverfahren wurde nach den gesetzlichen Vorschriften durchgeführt – stets mit größtmöglicher Transparenz. Sämtliche Auflagen werden eingehalten, oft sogar übererfüllt", sagt Biothan-Geschäftsführer Andreas Bug.

Bei der Planung 2010 seien viele Gutachten zu entstehenden Emissionen und zum Naturschutz erstellt worden. In den Genehmigungsverfahren bei der Gemeinde und im Regierungspräsidium habe es keine Einwendungen gegen das Vorhaben gegeben. Somit bestehe ein rechtsgültiger Bebauungsplan, in den nun Änderungen aufgenommen werden sollten. So soll etwa der Annahmebereich für die Grünabfälle aus dem Wasserschutzgebiet herausgenommen werden. Die Kritik des BBU sei jedenfalls unbegründet, erklärt Bug.

In dieser Woche beschäftigen sich auch die politischen Gremien in Großenlüder mit der Biothan-Anlage. Die Gemeinde ist nun doch unter bestimmten Bedingungen bereit, ihr Einverständnis für die von Biothan beantragte Erweiterung zu erteilen. Im Frühjahr hatte sie dies verweigert. Nach längerer Diskussion stimmten am Dienstag der Bau- sowie der Umwelt- und Landwirtschaftsausschuss der entsprechenden Vorlage zu und empfahlen dies auch der Gemeindevertretung, die heute (20 Uhr, Lüderhaus Großenlüder) tagt.

Die Gemeinde fordert eine "verlässliche, wissenschaftlich gesicherte Aussage", dass das ausgebrachte Gärsubstrat in Bezug auf gefährliche Keime keine erhöhte Gefahr für Haustiere oder Wild bedeute. Laut Bürgermeister Werner Dietrich (UBL) hat Biothan zugesagt, der Gemeinde die Untersuchungsergebnisse unabhängiger Labore bereitzustellen.

Zudem soll die Belastung der Gärreste mit Kunststoff sinken. Dietrich sagte, Biothan habe zugesagt, ein kleineres Sieb zu verwenden: Das neue Raster hat drei statt fünf Millimeter Durchlass. Zudem sollen in einem neuen Verfahren die festen Bestandteile der Gülle geschreddert werden.