Bundespräsident spricht mit Lübckes Witwe und schreibt in Kondolenzbuch

23. Juni 2019
Kassel

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Witwe des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke zu einem Gespräch getroffen. Beim Festakt „100 Jahre Volksbund“ thematisierte er die mutmaßliche Ermordung ebenfalls.

Das Staatsoberhaupt kam dazu am Sonntagmittag in das Wohnhaus der Familie, um der Witwe zu kondolieren und mit ihr zu reden. Das bestätigte eine Sprecherin des Präsidialamts der Deutschen Presse-Agentur im Anschluss an den 45-minütigen Besuch. Lübcke war am 2. Juni vor seinem Haus im Landkreis Kassel erschossen worden.

Steinmeier hatte zuvor bei einer Veranstaltung in Kassel den „politischen Mord“ an Lübcke scharf verurteilt und zur Unterstützung von Repräsentanten der Demokratie aufgerufen. „Es muss uns beschämen und darf uns auch nicht ruhen lassen, dass wir Walter Lübcke nicht schützen konnten“, sagte der Bundespräsident bei einem Empfang des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Wegen des Mordfalls sitzt der 45-Jährige Stephan E. in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft geht von einem rechtsextremen Hintergrund der Tat aus.

Sieht Gefahr in rechtsextremen Netzwerken

Angesichts des Mordfalls Lübcke hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier außerdem in Kassel zur Unterstützung von Politikern und anderen Repräsentanten der deutschen Demokratie aufgerufen. „Eine Gefahr ist aber nicht nur der rechtsextreme Gewalttäter, der den Finger am Abzug hat, sondern eine Gefahr ist ein Klima oder sind Netzwerke, in denen sich Menschen zu solchen Taten legitimiert oder gar ermutigt fühlen“, sagte Steinmeier am Sonntag bei einem Empfang zum 100. Jubiläum des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. „Es muss uns beschämen und darf uns auch nicht ruhen lassen, dass wir Walter Lübcke nicht schützen konnten.“

Steinmeier rief angesichts des Mordes an Kassels Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) zum gesellschaftlichen Widerstand gegen Hass und Hetze auf. „Wenn heute die Repräsentanten unserer Demokratie, allen voran die Ehrenamtlichen, wenn Bürgermeister und Kommunalpolitiker beschimpft, bedroht und tätlich angegriffen werden – dann ist das ein Alarmzeichen für unsere Demokratie“, sagte er. Man müsse zusammenstehen und denen den Rücken stärken, die sich für das Land engagierten.

Lübcke war eigentlich auch zum Festakt geladen gewesen

Steinmeier ist Schirmherr des Volksbundes. Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) wäre am Sonntag eigentlich auch bei dem Festakt des Volksbundes eingeladen gewesen.

Beim multireligiösen Friedensgottesdienst „Frieden braucht Mut“ trug sich Steinmeier anlässlich des Empfangs „100 Jahre Volksbund“ in das Kondolenzbuch für den ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten ein. / dpa