Eklat bei Flüchtlingsveranstaltung – Regierungspräsident: Wer andere Werte vertritt, kann Deutschland verlassen (mit Video)

17. Oktober 2015
Kassel/Lohfelden

Mit einem Ausruf in einer Bürgerversammlung in Lohfelden hat Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) für eine Welle der Empörung gesorgt. Er sagte Kritikern der Asylpolitik, sie könnten das Land ja verlassen. Zugleich verteidigte er sich: Er habe damit auf Beleidigungen reagiert.

Am Mittwochabend schlagen die Wellen hoch: 800 Menschen informieren sich über die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes, die in einem früheren Baumarkt eingerichtet wurde. Der Regierungspräsident erklärt. Er wird unterbrochen. Es gibt Zwischenrufe. Lübcke spricht weiter. Und teilt kräftig aus. Ein Zuhörer schneidet die Äußerungen mit seinem Handy mit – und stellt sie später ins Internet.



In der Versammlung wendet sich Lübcke an seine Kritiker und sagt ihnen in ruhigem Ton, wenn diese andere Werte als er verträten, könnten sie Deutschland jederzeit verlassen. Und um sicher zu sein, dass die Botschaft beim Empfänger ankommt, fügt er an, das sei die Freiheit eines jeden Deutschen. Wüste Proteste im Internet sind die Folge. Auf der Facebookseite des RP wird Lübcke zum Rücktritt aufgefordert.

Lübcke bleibt dabei

Gestern reagiert Lübcke auf die Kritik. Er nimmt nichts zurück. Er entschuldigt sich nicht. Aber er rechtfertigt sich. Seiner Äußerung seien Unterbrechungen durch wütende Zwischenrufe, Schmähungen und hämische Zwischenrufe wie „Scheiß Staat!“ vorausgegangen, erklärt er unserer Zeitung. Der HNA sagt er, seine Aussage sei an jene gerichtet gewesen, „die durch Zwischenrufe ihre Verachtung unseres Staates artikuliert oder Schmähungen applaudiert haben“. Er halte an der Aussage fest. Ein Rücktritt sei kein Thema.

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