Trauer um Regierungspräsident Lübcke – Kondolenzlisten auch in der Region

03. Juni 2019
Kassel/Wolfhagen

Der Kasseler Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke (CDU) ist an einem Schuss in den Kopf gestorben, teilten das Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft Kassel am Montag auf einer Pressekonferenz mit. Die Ermittler gehen nicht von Suizid aus.

Der Schuss sei von einer Kurzwaffe aus der Nähe abgefeuert worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft haben sich keine Hinweise auf einen Suizid ergeben, sie geht daher von einem Tötungsdelikt aus und ermittelt gegen Unbekannt.

Ermittler suchen Zeugen

„Wir haben noch keine Hinweise auf Täter und vor allem noch nichts zum Motiv“, sagte LKA-Chefin Sabine Thurau. Das LKA habe die Ermittlungen übernommen, weil eine Person des öffentlichen Lebens Opfer eines Tötungsdelikts wurde. Eine Sonderkommission mit 20 Mitarbeitern ermittelt in alle Richtungen. Das BKA unterstützt bei kriminaltechnischen Untersuchungen.

Hinweise erbitten die Ermittler unter Telefon (0561) 9104444 oder per Mail wolfhagen@polizei-hinwiese.de.

Angehörige fanden Leiche

Der 65-jährige Lübcke wurde der Staatsanwaltschaft zufolge in der Nacht zum Sonntag gegen 0.30 Uhr auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha im Landkreis Kassel von einem Angehörigen gefunden. Reanimationsversuche seien erfolglos geblieben. Sein Tod sei dann gegen 2.30 Uhr in einem Krankenhaus festgestellt worden.

Das Wohnhaus des Regierungspräsidenten war auch am Montag weiter von Einsatzkräften der Polizei bewacht und komplett abgesperrt. Es steht am Ortsrand des Dorfes, in dem nur knapp 900 Menschen leben. Am Dienstag gehen die Ermittlungen der 20-köpfigen Sonderkommission Soko „Liemecke“ weiter.

Kein Zusammenhang mit früheren Morddrohungen erkennbar

Oberstaatsanwalt Horst Streiff sagte bei einer Pressekonferenz am Montagabend auf die Frage, ob die Tat in Zusammenhang mit früheren Morddrohungen gegen Lübcke wegen dessen Haltung zu Flüchtlingen stehen könnte, dass es dazu bislang keine Erkenntnisse gebe. Mögliche Zeugen wurden gebeten, sich mit Hinweisen per Mail oder Telefon bei der Polizei zu melden.

2015 hatte sich der Regierungspräsident gegen Schmährufe zur Aufnahme von Flüchtlingen gewehrt und gesagt, wer gewisse Werte des Zusammenlebens nicht teile, könne das Land verlassen.

Mitmenschen trauern

Lübcke hatte zehn Jahre lang das Regierungspräsidium Kassel geleitet, das eine Verwaltungsbehörde auf mittlerer Ebene zwischen dem Land Hessen und seinen Gemeinden ist. Sein Tod hatte am Sonntag Bestürzung ausgelöst: „Er war ein Brückenbauer, wie er besser nicht sein könnte“, hatten unter anderem Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Michael Boddenberg, Fraktionsvorsitzender der CDU im Landtag, erklärt.

„Der plötzliche Tod von Walter Lübcke hat in uns allen tiefe Bestürzung ausgelöst“, teilen Landrat Bernd Woide und der Erste Kreisbeigeordnete Frederik Schmitt (CDU) in einer Pressenotiz mit. Weiter heißt es: „Osthessen besuchte er besonders gern – und er war dem Landkreis Fulda ein wichtiger und verlässlicher Fürsprecher. Walter Lübcke war ein guter Mensch. Er wird uns und der Region fehlen“.

Bürger können ihre Trauer um Lübcke seit Montag in Form von Kondolenzbriefen in allen Dienststellen des Regierungspräsidiums zum Ausdruck bringen. In Fulda ist das im Behördenhaus, Heinrich-von-Bibra-Platz 5, möglich. In Hünfeld liegt ein Kondolenzbuch im Dezernat Beihilfe am Niedertor 13 aus. / dpa, lio

LKA ermittelt: Regierungspräsident Lübcke erschossen aufgefunden

Der nordhessische Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke ist in der Nacht zu Sonntag plötzlich gestorben. Nach Informationen unserer Zeitung wurde er in seinem Haus in Wolfhagen-Istha durch mindestens einen Schuss in den Kopf getötet. Das Landeskriminalamt (LKA) meldete sich am Sonntag um 15.53 Uhr.