Todesschuss auf Lübcke: Gutachten zur Tatwaffe belastet Stephan E.

17. Juli 2019
Kassel

Nach dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke haben Kriminaltechniker die Tatwaffe zweifelsfrei identifiziert. Ihr Gutachten belaste den Tatverdächtigen Stephan E. schwer, berichtete der „Spiegel“ am Dienstagabend online. Demnach wurde der tödliche Schuss auf Lübcke mit einer Waffe des Kalibers .38 Spezial abgegeben, die E. mit anderen Waffen auf dem Gelände seines Arbeitgebers vergraben hatte. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe wollte den Bericht am Mittwoch nicht kommentieren.

Laut „Spiegel Online“ handelt es sich um einen kurzläufigen Revolver des brasilianischen Herstellers Rossi. Stephan E. hatte den Ermittlern nach seiner Festnahme selbst von dem Versteck berichtet und die Namen zweier Männer genannt, über die er an die Tatwaffe gekommen sei. Aufgrund dieser Aussage sitzen Elmar J. und Markus H. ebenfalls in Untersuchungshaft, ihnen wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen. Inzwischen hat E. sein ausführliches Geständnis widerrufen.

Der CDU-Politiker Lübcke war Anfang Juni auf seiner Terrasse mit einem Kopfschuss getötet worden. DNA-Spuren am Tatort führten zu E., der seit Mitte Juni in U-Haft sitzt. Weil vieles auf einen rechtsextremen Hintergrund der Tat hindeutet, führt inzwischen der Generalbundesanwalt die Ermittlungen. E. hatte ursprünglich ausgesagt, er habe seine Familie durch kriminelle Ausländer bedroht gesehen, dazu hätten ihn islamistische Anschläge stark aufgewühlt. Lübcke, der 2015 die Einrichtung einer Flüchtlingsunterkunft bei Kassel verteidigt hatte, habe er daran eine Mitschuld gegeben. / dpa

Ermittler im Fall Lübcke finden gesuchtes Auto

Im Mordfall Lübcke haben die Ermittler weitere Fortschritte gemacht. Sie fanden nach dpa-Informationen in Kassel ein gesuchtes Auto mit thüringischem Kennzeichen, das mit dem Tatverdächtigen Stephan E. in Verbindung gebracht wird.

„Leck bei den Ermittlern": Anwalt von Stephan E. erstattet Strafanzeige

Nach Berichten über das widerrufene Geständnis im Mordfall Lübcke hat der Anwalt des Hauptverdächtigen Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Geheimnisverrats erstattet.

Mord an Lübcke seit Jahren erwogen? Details zum zurückgezogenem Geständnis von Stephan E.

Erst hat er den Mord an Regierungspräsident Lübcke gestanden, dann widerrufen: Nun werden Einzelheiten der ursprünglichen Aussage von Stephan E. bekannt. So habe er angeblich mehrere Anläufe unternommen, die Tat durchzuführen, wie NDR, WDR und die „Süddeutsche Zeitung" berichten.

Stephan E. widerruft Geständnis im Mordfall Lübcke

Stephan E. hat nach dpa-Informationen am Dienstag sein Geständnis im Mordfall Walter Lübcke widerrufen. Zuerst hatte das der SWR berichtet. Die Bundesanwaltschaft kommentierte dies nicht. Am Dienstagmorgen war der 45-jährige E. mit einem Hubschrauber nach Karlsruhe geflogen worden.