Über 300 000 Euro für Missbrauchsopfer in katholischer Kirche gezahlt

29. Dezember 2013

Mainz/Limburg/Fulda (dpa/lhe) - Die Bistümer Limburg, Fulda und Mainz haben weit mehr als 300 000 Euro an Entschädigungen für die Opfer von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche gezahlt. In den drei Kirchenbezirken in Hessen sind Dutzende Anträge auf Entschädigungen gestellt worden, wie die Bistümer mitteilten.

Vor knapp vier Jahren hatte ein Missbrauchsskandal die katholische Kirche in Deutschland erschüttert. Die sexuellen Übergriffe von Priestern und Geistlichen lagen teils mehr als 60 Jahre zurück - wurden dann aber erst aufgedeckt. Seitdem haben sich 1300 Opfer bei der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gemeldet. Sie wurden mittlerweile mit insgesamt mehreren Millionen Euro von deutschen Bistümern entschädigt. Die Antragsflut ist aber vorbei, sagte der Missbrauchsbeauftragte der DBK, Triers Bischof Stephan Ackermann.

Seit März 2011 können Anträge auf Entschädigungszahlungen bei der katholischen Kirche gestellt werden. In den meisten Fällen hat die Expertenstelle der DBK eine Geldzahlung empfohlen, die über die jeweiligen Bistümer oder Orden erfolgt, hieß es. Im Durchschnitt flossen pro Fall rund 5000 Euro, in Härtefällen aber auch mehr.

Strafrechtlich hatte der Missbrauchsskandal in Hessen bislang nur wenige Folgen. In vielen Fällen gingen die Verdächtigen straffrei aus, weil die vorgeworfenen Taten verjährt waren.

Im Bistum Mainz wurden 201 000 Euro an die Missbrauchsopfer ausgeschüttet. Die Beträge lagen zwischen 1000 und 13 000 Euro, wie Sprecher Tobias Blum sagte. 38 Anträge wurden von Opfern gestellt. Eine Expertenkommission bewilligte 33 und lehnte 3 ab. Zwei Anträge werden noch bei der Bischofskonferenz geprüft.

Eine Auswertung der Personalakten seit dem Zweiten Weltkrieg habe im Bistum Mainz 60 Verdachtsfälle des sexuellen Missbrauchs ergeben. Von diesen 60 seien 40 dokumentierbar. «Die übrigen sind nicht mehr verifizierbar, weil die Beschuldigten verstorben sind. In einigen Fällen hat das Bistum nur Hinweise durch die Mitteilung eines Opfers», sagte Blum. Zu einer Bewährungsstrafe von fünfeinhalb Monaten verurteilt worden war zuletzt ein Pfarrer im vergangenen Jahr. «Er ist nach wie vor seinem Amt suspendiert», sagte Blum.

Das Bistum arbeite an der Missbrauchsaufklärung mit. «Nach wie vor wird jeder Verdachtsfall, der im Bistum Mainz bekannt wird, unverzüglich der zuständigen Staatsanwaltschaft mitgeteilt und zwar unabhängig davon, ob der Fall verjährt ist oder nicht.» Der Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann betonte: «Wir wollen weiter Aufklärung. Wir haben nichts zu verbergen.»

Im Bistum Mainz gebe es ein umfassendes Präventionskonzept, sagte Blum. Inzwischen seien mehr als 1400 hauptamtliche Mitarbeiter aus dem pastoralen Dienst bei eintägigen Präventionskursen geschult worden. Weitere Personen mit besonderer Schulung erhielten vertiefte Schulungen. «Die Erfahrungen mit der Umsetzung des Präventionskonzepts sind sehr gut», befand Blum.

Das Bistum Limburg hat nach früheren Angaben mindestens 91 000 Euro an Entschädigungen bezahlt. Die einzelnen Beträge lagen zwischen 3000 und 15 000 Euro, wie Bistumssprecher Stephan Schnelle sagte. 28 Anträge wurden gestellt. In 24 Fällen davon seien Zahlungen geleistet worden. Das Bistum Limburg machte keine Angaben zur Zahl der Verdachtsfälle von sexuellem Missbrauch.

Im Bistum ist ein diözesanes Netzwerk mit mehr als 120 geschulten Fachkräften aufgebaut worden. Es garantiere, dass in allen relevanten Einrichtungen der Diözese eine oder mehrere geschulte Kontaktpersonen zur Verfügung stehen. Diese sollen als Anwälte für die Anliegen der Prävention stehen und das Thema in die Fläche des Bistums tragen, erklärte Schnelle. Seit 2010 hätten insgesamt auch mehrere Hundert Schulungen zum Themenfeld Prävention im Bistum stattgefunden.

Das Bistum Fulda hat bislang mindestens 37 500 Euro an alle ihm bekannten Opfer gezahlt, wie Sprecher Christof Ohnesorge vor längerem angegeben hatte. Beträge zwischen 1000 und 8000 Euro seien geleistet worden. Die Anträge seien eingegangen, mit dem Ziel «eine materielle Leistung in Anerkennung des Leids» zu bekommen - so lautet die offizielle Formulierung der Kirche. Eine Entschädigung könne nämlich nur vom eigentlichen Täter gezahlt werden.