Wie Hessens Promis mit der Corona-Krise leben

27. März 2020
Frankfurt

Die Corona-Pandemie diktiert auch für Prominente aus Hessen den Alltag. Doch beschäftigungslos sind selbst Künstler nicht – trotz abgesagter Auftritte. Produziert wird weiter. In der Freizeit wird Aufgeschobenes angegangen. Aufräumen, Wände streichen...

Die Corona-Krise wirkt sich auch auf das Berufs- und Privatleben von Prominenten aus Hessen aus. In einer Umfrage verraten Kirchen-Leute, Künstler und andere bekannte Berufsvertreter, wie es ihnen geht, was ihnen nun besonders schwer fällt und was die Einschränkungen im öffentlichen Leben für sie ganz persönlich bedeuten.

Clemens Rehbein

Sänger Clemens Rehbein (27) von der Kasseler Elektropop-Gruppe Milky Chance sagt: „Das ist auf jeden Fall ein harter Einschnitt.“ Alle Konzerte sind bis auf Weiteres abgesagt. „Wir versuchen die Zeit so gut es geht zu nutzen und schreiben Songs und produzieren.“ Wegen der Kontaktbeschränkungen ist er viel zu Hause im Garten. „Mit Kindern wird es nie langweilig und man muss einfach ein wenig kreativ werden.“ Die größte Umstellung bedeuten für ihn fehlende soziale Kontakte. Die pflegt er nun über Telefon oder Video-Telefonie, „anstatt sich abends nochmal zum Tee oder Wein zu treffen.“ Rehbein nimmt nun auch Projekte in Angriff, die daheim länger unerledigt blieben, „wie zum Beispiel das langersehnte Baumhaus zu bauen.“

Bärbel Schäfer

Moderatorin und Autorin Bärbel Schäfer (56) sagt: „Der Alltag ist eine kreative Vollbremsung.“ Die Kommunikation in Beruf und Alltag könne nur zu einem Teil über digitale Medien abgewickelt werden. Auftritte und Moderationen und Auftritte sind abgesagt oder verschoben. Welche Umstellung ihr am schwersten fällt? „Das Treffen und konzentrierte gemeinsame Arbeiten mit den Kollegen.“ Wegen der Termin-Ausfälle hat Schäfer nun wenigstens mehr Zeit zum Lesen.

Joern Hinkel

Der Intendant der Bad Hersfelder Festspiele, Joern Hinkel (49) hält den Kontakt zur Familie in Berlin und Bayern über Telefon. „Wir können unsere Liebe im Augenblick vor allem dadurch beweisen, dass wir uns zurückhalten. Ein bisschen ist es wie bei Orpheus in der Unterwelt: Wir dürfen uns nicht nach dem geliebten Menschen umdrehen, wenn wir unbeschadet davonkommen wollen.“ Am Schwersten fällt ihm: „Den Menschen, die ich liebe, würde ich gerne so nah wie möglich sein, gerade in einer so mit Angst behafteten Zeit. Es ist ein Gefühl der Ohnmacht, nichts tun zu können, außer Abstand zu halten.“

Volker Jung

Dem Präsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung (60), bleibt sein tägliches Sitzungsprogramm auch während der Corona-Krise erhalten. „Aber das führen wir in veränderter Form.“ Derzeit stehen deutlich mehr Telefon- und Videokonferenzen täglich als sonst auf dem Programm. Die größte Umstellung für ihn ist, „dass wir momentan nicht Gottesdienste in gewohnter Weise feiern können“. Am Sonntag allerdings predigt Jung beim Fernseh-Gottesdienst (ZDF), den er zusammen mit einer Kollegin in Ingelheim hält. „Das wird ungewohnt, vor leeren Kirchenbänken zu stehen.“ Auch privat hat sich für Jung einiges verändert: „Es gibt derzeit keinen persönlichen Kontakt zu unserem Enkelkind, das wir schmerzlich vermissen. Es wohnt in Frankfurt, wir bleiben aber natürlich auf Distanz. Und meine Frau und ich machen uns Gedanken um unsere Eltern, um die wir uns nur aus der Ferne kümmern können.“

Beate Hofmann

Für die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), Beate Hofmann (56), kam die Corona-Krise denkbar ungünstig. „Ich bin direkt vor der Einschränkung des öffentlichen Lebens in meinen Dienstsitz umgezogen und sitze jetzt zwischen teilweise noch nicht ausgepackten Umzugskisten, Fenstern ohne Vorhängen und moderiere vom Laptop aus Sitzungen des landeskirchlichen Krisenstabs, schreibe Briefe, Mails, Zeitungsartikel und gebe telefonisch Interviews.“ Alle üblichen Termine, Besuche, Gottesdienste und Begegnungen seien storniert. „Es ist mir ein Anliegen deutlich zu machen, dass Kirche ihren Dienst nicht einstellt, auch wenn keine Gottesdienste und andere Veranstaltungen mehr stattfinden können.“

Michael Gerber

Der Fuldaer Bischof Michael Gerber (50) betont: „Wir erleben, dass unsere Streaming-Angebote für Gottesdienste gut angenommen werden. In den vergangenen Tagen hatte ich viele Telefonate mit unseren Pfarrern, um zu überlegen, wie Seelsorge unter den Bedingungen möglich ist.“ Im caritativ-diakonischen Bereich seien zusammen mit weiteren Trägern Initiativen geplant. „Denn es ist zu befürchten, dass uns eine länger anhaltende Krise eine Situation beschert, die viele Menschen noch stärker an den Rand der Armut drängt.“

Georg Bätzing

Der Limburger Bischof und neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing (58), vermisst derzeit besonders die persönlichen Kontakte und Begegnungen, die der schönste Teil seines alltäglichen Dienstes sind, wie er sagt. Aber: „Ich weiß mich den Menschen mit ihren Familien und Angehörigen gerade auch in dieser Krisenzeit verbunden und versuche mit vielen per Mail, Telefon oder den Kommunikationskanälen des Bistums in Kontakt zu bleiben.“ Aber alle Einschränkungen seien nichts gegenüber denjenigen, „die nun in Kurzarbeit sind oder um ihre wirtschaftliche Existenz fürchten müssen“, relativiert der Oberhirte mitfühlend.

Franziska Reichenbacher

Auch Lotto-Fee, Moderatorin und Autorin Franziska Reichenbacher (52) ist von der Krise betroffen. „Im öffentlich-kulturellen Bereich ist ja alles abgesagt, da habe ich in meinem Terminkalender auch viele Striche gemacht, berufliche Termine, Reisen, Veranstaltungen, eine Reihe von Lesungen.“ Sie arbeitet derzeit viel im Homeoffice. „Wenn ich die verzweifelten Menschen in Italien oder Frankreich sehe, wenn man sieht, welche Tragödien sich gerade in den Krankenhäusern abspielen und was die Pflegefachkräfte und Ärzteteams dort leisten, dann muss man sehr dankbar sein, wenn man gesund ist und noch im Homeoffice sitzen kann. Diese Tragödie ist geradezu unfassbar.“ Froh ist sie darüber, dass ihre Tochter dank verstärkter Sicherheitsvorkehrungen die Abiprüfungen absolvieren konnte.

Henni Nachtsheim

Unterhaltungskünstler und Autor Henni Nachtsheim (62) kann derzeit keine Auftritte absolvieren. Es ist für ihn ungewöhnlich so viel zu Hause. „Normalerweise führe ich beruflich ein gemischtes Leben, nämlich als Autor und auf der Bühne. Da die Bühne jetzt erstmal wegfällt, nutze ich die Zeit verstärkt zum Schreiben. Und wenn ich mal keine Lust habe, räume ich Schubladen auf, an die ich mich seit Jahren nicht rangetraut habe.“

Bodo Kirchhoff

Für den Frankfurter Schriftsteller Bodo Kirchhoff (71) und Träger des Deutschen Buchpreises (2016) gibt es hingegen weniger Auswirkungen: „Meine Arbeit entsteht seit jeher in Isolation. Es bleibt sozusagen alles beim Alten.“ Doch fernab der Arbeit ist er beunruhigt: „Natürlich habe auch ich Sorge um die Gesundheit meiner Familie und um die eigene, und diese tägliche Sorge ist etwas Neues und auch sehr Belastendes für mich.“

Die Amigos

Das Schlager-Duo „Die Amigos“ hat derzeit wegen fehlender Auftritte mehr Zeit für die Musik-Produktion: „Unser neues Album ist fertig, ,Tausend Träume‘ heißt es und soll im Juli präsentiert werden“, sagte Bernd Ulrich (69). „Dann schreibe ich Titel für meine Tochter Daniela Alfinito. Ein Duett wird dabei sein, ein Duett mit Papa. Ich bin schon gespannt darauf, wir werden irgendwann damit ins Studio gehen.“

Holger Weinert

TV-Moderator Holger Weinert (68) nerven die „starken Ausgangsbeschränkungen und zu autoritäre Haltungen“. Das sei eine drastische Einschränkung von Grundrechten. Weinert bewundert in der Krise alle Kassiererinnen, Marktfrauen und Pflegekräfte, „die so standhaft durchhalten“. Ihn ärgert auch, dass „das Gesundheitssystem 25 Jahre lang kaputt gespart» wurde. „Das dürfen wir jetzt ausbaden.“ Zum Zeitvertreib streicht er zu Hause die Wände. „Aber sehr lange habe ich dazu keine Lust mehr. An diesen Frühling werden wir leider alle noch lange zurückdenken.“ / dpa

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