Wölfe in Hessen – Herdenschutzprämie für Nutztierhalter

13. Juni 2019
Schlüchtern/Hessen

In den vergangenen 10 Jahren konnte in Hessen rund ein Dutzend Wölfe nachgewiesen werden, in den vergangenen Monaten nahmen die Nachweise zu. Jetzt sollen Nutztierhalter mit einer Herdenschutzprämie unterstützt werden.

„Der Wolf ist in Hessen keine Besonderheit mehr, er gehört dazu“, erklärte Umweltministerin Priska Hinz am Mittwoch in Wiesbaden zu den vermehrten Wolfnachweisen. „Mit der neuen Herdenschutzprämie Plus zahlen wir landesweit einen Zuschuss für den Arbeitsmehraufwand und Investitionskosten beim Herdenschutz.“

500.000 Euro Landesmittel für Prämie

Gleichzeitig wollen die Verantwortlichen mit der Prämie für das Thema sichere Weidezäune sensibilisieren: „Die meisten Nutztiere werden gerissen, wenn eine Weide nicht fachgerecht gesichert ist. Oftmals sind die Zäune nicht ausreichend elektrifiziert oder die Weide an einer Seite nur durch einen flachen Bach abgegrenzt. Das reicht nicht aus“, so Hinz.

Für die neue Flächenprämie von 31 Euro pro Hektar stellt das Umweltministerium jährlich 500.000 Euro Landesmittel bereit. Antragsteller verpflichten sich zu einem Herdenschutz nach guter fachlicher Praxis mit täglichen Zaunkontrollen, Festzäunen in einer Höhe von 120 Zentimeter und zusätzlicher Elektroleitung oder einen rundum Elektrozaun in Höhe von mindestens 90 Zentimetern. Abgegolten werde der Mehraufwand und nicht nur die einmalige Investition für einen Zaun. Die Antragsformulare wurden am Mittwoch an die landwirtschaftlichen Förderstellen versendet. Antragsfrist ist der 31. Juli.

Eine zusätzliche Förderrichtlinie für Investitionen in den Herdenschutz, die bundesweit ab 2020 gelten soll, befindet sich aktuell in Arbeit. Diese Richtlinie soll auch die Entschädigung bei Rissen regeln. Allerdings erhalten auch jetzt schon Weidetierhalter eine unbürokratische Entschädigungszahlung im Einzelfall. Voraussetzung ist, dass die Tierhalter ihrer Verpflichtung zum Schutz ihrer Tiere nachgekommen sind, heißt es in der Pressemitteilung des hessischen Umweltministeriums.

„Die Weidetierhalterinnen und -halter leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Offenlandschaft und damit zum Naturschutz, zur Artenvielfalt und zur Erhaltung unserer Landschaftsbilder (...). Wir nehmen ihre Sorgen ernst und setzten uns auf Bundesebene für eine Weidetierprämie zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation ein.“, so Hinz.

Selten Wölfe in Ortslagen

Überall in Hessen muss besonders in den Abend- und Morgenstunden sowie nachts mit streifenden Wölfen gerechnet werden. In Ortslagen

verirren sie sich jedoch äußerst selten, heißt es in einer Information des Ministeriums. In Hessen selbst haben sich bisher noch keine

Wölfe fest niedergelassen und Reviere gegründet. Wölfe gelten als niedergelassen, wenn es über einen Zeitraum von mehr als einem halben

Jahr in einem Gebiet bestätigte Nachweise, wie Fotos, genetische Spuren oder Kothaufen, gibt. / tim, erz