Howa-Insolvenzverwalter spricht von Chaos und Hunderttausenden Euro Verlust

13. September 2019
Region

Das insolvente Gastronomie-Unternehmen Howa, das mit Gasthaus-Übernahmen in der Rhön, in Unterfranken, im Vogelsberg sowie in Neu-Anspach und Bad Homburg extrem schnell expandiert war, sorgt für viel Ärger. Die Verluste für an die 100 Gläubiger gehen in den Bereich von Hunderttausenden Euro. Jetzt ermittelt außerdem die Staatsanwaltschaft.

Von unserem Redaktionsmitglied Jessica Vey

„Diese Insolvenz hinterlässt einen gewaltigen Schaden für alle Beteiligten“, das erklärt Insolvenzverwalter Dr. Martin Moderegger aus Fulda unserer Zeitung. Ein Dreivierteljahr nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens zeichnen sich laut Moderegger große Verluste bei den Gläubigern ab – also bei Verpächtern, Lieferanten, Sozialversicherungsträgern und bei den Arbeitnehmern.

„Buchführung nicht im Griff gehabt“

Moderegger ist zuständig für das Insolvenzverfahren der Howa Management GmbH, die ihren Sitz in Gersfeld hatte. Circa 40 Mitarbeiter waren dort angestellt – und haben mit der Insolvenz ihren Job verloren. „Manche haben auch schon vorher die Reißleine gezogen, als sie bereits vor der Insolvenz keinen Lohn mehr bekommen haben“, weiß er. Doch nicht nur gegen diese, sondern gegen vier weitere Gesellschaften der Howa-Gruppe laufen Insolvenzverfahren.

Martin Moderegger hat jetzt mit unvollständigen Unterlagen zu kämpfen. Er erklärt, die Geschäftsführer Mario-Sebastian Fertig und Stephan Krause hätten die komplette Buchführung nicht im Griff gehabt. „Die wurde völlig chaotisch geführt, und in den letzten Monaten vor der Insolvenz hat es gar keine Buchführung mehr gegeben. Es ist außerdem nicht eine einzige Bilanz gemacht worden. So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt er.

Auch die Lohnbuchhaltung sei dementsprechend unzureichend geführt worden, was wiederum schlecht für die Beschäftigten sei. Auch der Zeitpunkt der Insolvenz sei schwierig für die Betroffenen gewesen – ausgerechnet kurz vor Weihnachten blieb das Geld aus. „Die ganze Geschichte ist ein ziemlicher Skandal.“

Vier Verfahren laufen gegen die Howa-Chefs

Die Mitarbeiter seien immerhin die, die noch am besten wegkämen, meint Moderegger. „Sie bekommen Insolvenzgeld.“ Andere Gläubiger hätten weitaus weniger Aussicht darauf, ihr Geld je wiederzusehen. Die Howa-Geschäftsführer hätten allein „riesige Schulden bei den Sozialkassen“. Im November 2018 war es letztlich eine Krankenkasse, die Antrag auf ein Insolvenzverfahren gestellt und „den Ball ins Rollen gebracht hat“, wie Harry Wilke, Sprecher der Staatsanwaltschaft Fulda, erklärt.

Die ermittelt gegen die Howa-Chefs. Es gebe vier Verfahren – zwei wegen Insolvenzverschleppung und zwei wegen des Verstoßes gegen die Abgabenordnung. „Das heißt, für die Arbeitnehmer sind keine Sozialabgaben gezahlt worden“, erläutert Wilke. Für die Vergehen reicht das Strafmaß von einer Geldstrafe bis zu einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

Weitere Insolvenz: Howa-Chef Fertig zieht sich aus mehreren Gastronomie-Betrieben zurück

Das Gastronomieunternehmen Howa war durch sein rasantes Wachstum bekanntgeworden. Dann kam im vergangenen Jahr die Insolvenz. Einer der beiden damaligen Geschäftsführer, Mario-Sebastian Fertig (31), führte einige Betriebe in einer anderen Gesellschaft weiter. Doch auch diese - die GHC Service OHG - steht nun vor dem Aus.