70. Todestags von Abtbischof Bonifaz Sauer: Sein Wirken lebt in Menschen weiter

11. Februar 2020
Ufhausen

Der Benediktiner Abtbischof Bonifaz Sauer ist der Dorfheilige im Eiterfelder Ortsteil Ufhausen. Seit dem Jahr 2007 läuft für ihn und seine Mitbrüder und Mitschwestern der Seligsprechungsprozess. Am Wochenende gedachten die Ufhausener des vor 70 Jahren verstorbenen Märtyrers.

Von Winfried Möller

Der Tod des Missionsbenediktiners der Abtei St. Ottilien vor 70 Jahren in Staatsgefängnis in Pjöngjang in Nordkorea war Anlass für die Gedenkfeier, die am Freitag in der Bonifatiusgruft in Fulda begonnen hatte (wir berichteten). Die Kirchengemeinde St. Laurentius Ufhausen gedachte auch an den folgenden Tagen mit einer Wortgottesfeier und anschließender Lichterprozession sowie einem Festgottesdienst des Abtbischofs Bonifaz Sauer.

Auf Einladung von Dechant Markus Blümel war Abtprimas Dr. Notker Wolf OSB (79) zur Gedenkfeier gekommen: Er hat die Wirkungsstätten seines Mitbruders in Korea selbst besucht. In welchem Maße der Oberufhäuser Sohn einer Bauernfamilie – geboren als Josef Sauer – in der Gemeinde verehrt wird, zeigte die ausgesprochen große Beteiligung der Bevölkerung. Viele kamen auch aus dem Umland bis nach Fulda hin.

Nichte lebt noch heute am Gedenkort

Dicht standen die Kerzen auf dem Prozessionsweg zum im Jahr 2011 errichteten „örtlichen Wahrzeichen und der Gebetsstätte um die Seligsprechung“, so Markus Blümel. Musikalisch begleitet wurde die Prozession von der Bläsergruppe St. Laurentius (Leitung Armin Wolf). Im Jahre 1970 war bereits die Straße „Am Gänsemarkt“ in „Abt-Sauer-Straße“ umbenannt wurde. Der ehemalige Ortspfarrer Klaus-Peter Jung hatte zudem 1988 in der St. Laurentiuskirche eine Gedenktafel anbringen lassen.

Am Gedenkort stand das Elternhaus des Abtbischofs, das durch einen Neubau ersetzt wurde. Hier lebt Franziska Hohmann (87), die letzte lebende Nichte von Bonifaz Sauer. Sie kann sich noch lebhaft und mit einem Strahlen im Gesicht an ihren Onkel erinnern: Im Jahre 1938 hatte sie ihn bei seinem Besuch in der Heimat letztmalig gesehen. Die damals Fünfjährige durfte ihm ein Gedicht aufsagen, das die Kindergartenschwester Cordula mit ihr gelernt hatte, berichtete sie.

Koreas und Chinas Christen Beispiel an Glaubenstreue

Nach der Lichterprozession trafen sich alle im Bürgerhaus Ufhausen. Hermann-Josef Hohmann und Ortsvorsteher Leonhard Hohmann richteten Gruß- und Dankesworte im Namen der Kirchengemeinde und der politischen Gemeinde an Abtprimas Notker Wolf. Dieser sprach in seinem Vortrag über die Missionstätigkeit der Benediktiner und Abtbischof Bonifaz Sauer.

Das Krankenhaus, das dieser in Tokwon gebaut habe, stehe heute noch. Zudem habe er bei einem Besuch im Jahr 1985 in Korea und China noch Christen gefunden, zu denen seit dem Tod von Bonifaz Sauer 1950 kein Kontakt mehr bestanden habe. Sie seien ein Beispiel von Glaubenstreue, die er in Deutschland ebenso vermisse, wie den missionarischen Elan. Dass die Seligsprechung der „Märtyrer von Korea“ so lange dauere, liege daran, dass die Römer „halt schwer von Begriff“ seien, so Notker Wolf ironisch.

Dokumentation über Sauer

Anschließend war das Gespräch und die persönliche Begegnung möglich. Außerdem konnten sich die Besucher anhand einer umfassende Dokumentation, die Familie Hohmann erstellt hatte, über die Lebensgeschichte des bekannten Ufhäusers informieren. Den Festgottesdienst am Sonntag zelebrierte der Abtprimas gemeinsam mit den Pfarrern Bittner, Blümel, Breidbach, Jung, Kircher, Kostov (Mazedonien) und Pater Binesh (Indien). In seiner Predigt stellte er die Frage, wie Menschen erkennen könnten, was uns Glaube bedeute und ob wir das Salz der Erde und Licht der Welt seien.

Unser Tun müsse glaubwürdig, den Menschen respektvoll zugewandt und von Freude geprägt und ein Lobpreis des Vaters im Himmel sein, sagte der Abtprimas. Bonifaz Sauer habe in seiner Schwachheit sein Leben für Christus gegeben und damit die Einheit mit dem leidenden und für die Menschen am Kreuz gestorbenen Jesus gefunden. So sei er ein Beispiel, dass auch wir alles in die Hände Gottes legen könnten, weil wir über den Tod hinaus die Hoffnung auf das ewige Leben hätten.

Hildegard Sondergeld und Martina Wolf überreichten dem Abtprimas ein Bild zur Erinnerung an Sauer.

Musikalisch hatten die Soisbergchöre Im Takt (Dirigent Winfried Rohm), die Schola Ufhausen (Leitung Sonja Kimpel, Theresa Ritz) und Markus Richter (Orgel) den Festgottesdienst mitgestaltet.

Vor 70 Jahren starb Abtbischof Bonifaz Sauer in koreanischer Haft

Januar 1877: In einer Bauernfamilie in Oberufhausen kommt Josef Sauer zur Welt. Bei den Missionsbenediktinern bekommt er den Ordensnamen Bonifaz. Der Mann vom Dorf im Hünfelder Land macht in Ostasien eine steile Ordenskarriere. Vor 70 Jahren starb er als Märtyrer in Korea. Am Wochenende gedenken die Menschen in Ufhausen und der Region seiner.

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