Abgeordnete für einen Tag: Schüler debattieren im Landtag

17. Mai 2019
Rasdorf/Steinbach/Wiesbaden

Rasdorfer Hrabanus- und Steinbacher Matthäus-Grundschüler sind für einen Tag in die Rolle von Politikern geschlüpft: Im Hessischen Landtag in Wiesbaden bildeten sie Fraktionen und debattierten über Schulkleidung – und lernten so parlamentarische und demokratische Prozesse kennen.

Die Schüler steckten die Köpfe zusammen, schrieben fleißig Anträge, überlegten sich dafür Begründungen, taten im Plenum ihre Ansichten kund – und ärgerten sich vielleicht über die Meinung anderer. Alles so wie im Alltag der richtigen Politiker also. „Bei dem Planspiel konnten die Kinder Demokratie dort spielen und erleben, wo sie auch sonst gemacht wird“, erklärt Ina Müller, Leiterin der Hrabanus-Schule in Rasdorf.

Genau das ist es, was der Hessische Landtag erreichen will: Die Grundschüler und der dritten und vierten Klassen sollen, wenn auch in vereinfachter Form, die politischen Prozesse spielerisch kennenlernen, indem sie einen Antrag zu einem bestimmten Thema erarbeiten. Schon seit einigen Jahren bietet der Landtag das Planspiel „Der Kinder-Landtag” an; viele Schulen aus ganz Hessen haben bereits teilgenommen. Für Schulleiterin Ina Müller ist der Besuch in Wiesbaden nicht der erste: Schon mit ihrer früheren Schule in Michelsrombach hatte sie an dem Angebot teilgenommen.

Schon im Vorfeld war im Unterricht das Planspiel vorbereitet worden, berichtet sie. Der Landtag hatte dafür eigens Materialien zur Verfügung gestellt: „Wir haben zum Beispiel besprochen, wie sich der Landtag zusammensetzt und was ein Ministerpräsident und was Parteien sind.“ Die Kinder gründeten bereits Parteien, darunter die „Partei für gute Gesetze“. Was es mit Parteien auf sich hat, erfuhren sie schließlich in Wiesbaden: Dort setzten sie sich in Fraktionen zusammen, um Anträge zu formulieren, um später vorne ans Mikro zu treten und für das eigene Anliegen zu werben. „Schulkleidung – ja oder nein“, lautete das Thema. Es entwickelte sich eine lebendige Debatte, berichtet Müller.

Der Ablauf sei durchaus realistisch und professionell gewesen, sagt sie. Nicht nur wurden ein Parlamentspräsident und Fraktionsvorsitzende gewählt, jeder Schüler bekam auch ein Schild mit seinem Namen und der Parteizugehörigkeit. Und wer sprechen wollte, musste erst das Knöpfchen drücken, bevor das Mirko anging.

Mithilfe von Stimmkarten stimmten die Schüler schließlich ab – und lernten so, dass die Fraktion mit den meisten Mitgliedern die größte Chance hat, ihren Antrag durchzubringen, erklärt die Schulleiterin. Und auch das sei eine wichtige Erkenntnis gewesen: dass der Unterlegene akzeptieren muss, was die Mehrheit beschließt. Für die Grundschulen in Steinbach und Rasdorf wird sich damit erst einmal nichts ändern: Die Abstimmung fiel gegen Schulkleidung aus, berichtet Müller augenzwinkernd.