Bett, Dusche, Handy adé: Fünf Wochen auf dem Keltenhof

09. Mai 2014
Mackenzell

Das Lagerfeuer lodert vor sich hin, Werkzeug und Baumaterial liegen auf dem Gelände verteilt: Auf dem Keltenhof in Mackenzell ist in den vergangenen Wochen Leben eingekehrt. Der neu gegründete Verein Buchonia Celtica hat den historischen Fundort wieder auf Vordermann gebracht. Drei Mitglieder wohnten deshalb sogar im Keltenhof.

Kein richtiges Bett, kein Fernseher, keine Dusche – und das Handy wird nur für Notfälle rausgeholt. Sergej (24) und Albert Schlag (18) aus Hünfeld sowie Johannes Schmidt (25) aus Bermbach haben in den vergangenen fünf Wochen im Mackenzeller Keltenhof gelebt. Ihre eigentlichen Namen haben sie in der Zeit genauso abgelegt wie ihre Alltagskleidung. Wenn sich Sergej und Johannes umziehen, also "gewanden", heißen die beiden Siggi und Aswin – Namen, die schon eher nach Kelten klingen.

"Alles was die Kelten zur Verfügung hatten, haben wir hier auch gehabt – mehr nicht", sagt Johannes. Und obwohl es bei Wind und Wetter nicht immer gemütlich war, beschreiben die drei Jungs die Zeit in Mackenzell als Urlaub. Dabei stand hauptsächlich Arbeit auf dem Programm: Der Zaun und das Tor zum Keltenhof mussten erneuert werden.

Eigentlich gehört das Gelände der Stadt und wird vom Konrad-Zuse-Museum verwaltet. Doch das Museum hat einen Teil der Verantwortung an den Verein Buchonia Celtica abgegeben. Die 17 Mitglieder im Alter von 5 bis 70 Jahren dürfen den Hof nutzen und kümmern sich um die Instandhaltung. "Wir sind stolz, dass das Museum uns vertraut", sagt Vorsitzender Andreas Heid aus Großenbach. Wie alle Mitglieder verkörpert auch er einen Kelten, wenn der Verein zusammenkommt. "Im Landkreis gibt es schon Gemeinschaften, die Ritter darstellen. Doch wir sind die einzigen Kelten", erklärt der 45-Jährige. Offiziell als Verein bezeichnen kann sich Buchonia Celtica erst seit der vergangenen Woche. Doch der Vorsitzende verrät: "Wir haben schon sehr lange über eine Vereinsgründung nachgedacht."

Alle Mitglieder haben fleißig bei den Arbeiten, die in Mackenzell anstanden, geholfen. Ein Stück des Zauns wurde neu gebaut, ein anderes mit Weide aufgesetzt. Zudem mussten Torschwelle und -flügel aufgebessert werden. All das hat Buchonia Celtica fertiggestellt. "Weide und Spaltholz im Wert von rund 1500 Euro sind für die Arbeiten angeschafft worden", berichtet der Geschäftsführer des Konrad-Zuse-Museums, Karl Sauerbier.

Für dieses Jahr haben Verein und Museum aber noch mehr geplant. Mitte Mai soll eine Trockenmauer hinter dem Weidezaun errichtet werden. In dieser Zeit werden Johannes, Sergej und Albert ihr zweites Zuhause wieder beziehen. Neben der Mauer soll auch ein Pflanzbeet entstehen – mit Kräutern, die die Kelten verwendet haben. Jedes Vereinsmitglied hat nämlich als Kelte auch eine Aufgabe: Es gibt Nadelbinder und eben auch Wollfärber, die im Beet Pflanzen zum Färben anbauen werden.

Bis es mit den Arbeiten weitergeht, müssen Johannes, Sergej und Albert aber erst mal wieder zurück in den Alltag und das Handwerker-Berufsleben. Am Donnerstag haben sie den Hof verlassen. "Es wird ungewohnt sein, wieder zurück in die andere, hektische Welt zu kommen", sagt Johannes.

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