Drohne bewahrt Kitze vor dem Mähtod

25. April 2019
Oberweisenborn

Jahr für Jahr verenden zahllose Rehkitze, weil die Geburt des Reh-Nachwuchses mit der Zeit des ersten Grasschnitts zusammenfällt. Weil die Jungtiere auf Tarnung und Deckung setzen, werden viele von ihnen Opfer der Mähmaschinen der Landwirte. In Ufhausen setzen jetzt Jäger Drohnen mit Wärmebildkameras ein, um die Tiere zu schützen.

Von unserem Redaktionsmitglied Hartmut Zimmermann

Ortstermin auf Einladung des Kreisbauernverbands Fulda-Hünfeld. Am Rande einer Wiese bei Oberweisenborn steht Michael Schwalbach. Der Jäger aus Ufhausen hat ein Steuergerät umgehängt, mit dem er eine Drohne über die zu mähende Fläche fliegen lässt und das Areal Streifen für Streifen absucht. „Wenn dort ein Kitz liegt, dann finden wir es – mit fast 100-prozentiger Sicherheit“, sagt Schwalbach, einer der Jagdpächter im Revier Wölf-Oberweisenborn. Diese Quote ist überzeugend – denn selbst wenn sich die Landwirte die Mühe machen, vor dem Mähen die Wiesen mit Menschen und Hunden abzugehen, finden sie längst nicht jedes Rehkitz. „Die Natur setzt bei den Kitzen auf Tarnung und Stillhalten“, erläutert Dr. Hubert Beier, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands. Die Flecken am Rückenfell der Jungtiere lassen sie fast mit dem Boden verschmelzen, so dass man sie im Vorübergehen kaum wahrnimmt. Selbst Hunde nehmen die „Bambis“ nicht wahr: Sie verbreiten noch keinen eigenen Geruch. „Wenn die Mäher anrollen, dann ist diese Taktik tödlich“, erläutert Beier. Und Landwirt Richard Breitung, dessen Wiese an diesem Vormittag Testgelände ist, ergänzt: „Wenn man so ein Tier anmäht, sind die Kitze oft nur schwer verletzt und noch nicht tot. Das ist furchtbar“, erinnert sich der 61-Jährige.

Daher sind Breitung und Beier froh, dass hier mithilfe der Jäger hochmoderne Technik weiter hilft. Die Idee ist vergleichsweise einfach: Beim Überfliegen – am besten in den noch kühlen Morgenstunden – zeichnet die Wärmebildkamera unbestechlich auf, wenn sich Tiere auf der zu mähenden Fläche aufhalten. Zu diesen Stellen werden dann Helfer dirigiert, die das Kitz suchen und – ohne es mit bloßen Händen anzufassen – an den Wiesenrand bringen. Ist die Aktion abgeschlossen, kann gemäht werden. Beim Pressetermin muss Gundel, ein gut abgerichteter Jagdhund, im noch niedrigen Gras liegen bleiben, bis er von der Drohne als „Kitz“ aufgespürt wird.

„Es kommt immer auf ein gutes Miteinander von Landwirten und Jägern an“, betont Beier. Wenn sich der Mähtermin abzeichnet, dann muss man ein paar Tage zuvor die Jagdpächter verständigen und dann aktiv werden. Gerade in den Wochen um Mitte Mai sei das unverzichtbar, weil das eben die Setzzeit des Rehwilds sei, also jene Phase, in der die Kitze geboren werden. „Der Einsatz der Drohnen bietet uns viel mehr Sicherheit als das Ablaufen der Flächen oder das vorbeugende Umzäunen mit Flatterband“, betont der Geschäftsführer.

Die Idee für den Einsatz der neuen Technik ging von der Jägerschaft in Ufhausen aus. Dort hatte man, angeregt durch Kontakte zu Kollegen mit entsprechenden Erfahrungen, schon länger erwogen, eine Drohne für die Suche nach Wild anzuschaffen. Weil die Kosten dafür einen ordentlichen vierstelligen Euro-Betrag ausmachen, waren die Jäger froh, dass die Jagdgenossenschaft bereit war, 30 Prozent der Investition zu tragen.

Der Einsatz zum Schutz der Rehkitze ist dabei nur ein Teil der Möglichkeiten, die die Drohne bietet. Die Anschaffung soll sich vor allem im Herbst im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt machen, wenn mithilfe der „Luftüberwachung“ Wildschweinrotten aufgespürt werden, bevor sie sich über Tage und Wochen in großen Mais-Schlägen ansiedeln und dort Schaden anrichten, aber kaum zu bejagen sind. Der Einsatz der Drohnen sei daher für die Jäger wie auch für die Landwirte ein Gewinn, denn er trage dazu bei, Wildschäden gering zu halten, so Schwalbach.

Aus Sicht des Kreisbauernverbands ist die Initiative der Ufhausener Jäger und Jagdgenossen vorbildlich. Er fände es gut, wenn sie in den Jägerschaften anderer Orte Nachahmer fände, sagt Geschäftsführer Dr. Beier.