Der Beginn von Eitrahafeldonmarcha: Eiterfeld feiert sein 1175-jähriges Bestehen

13. Januar 2020
EITERFELD

1175 Jahre: So weit können wir die Vergangenheit Eiterfelds zurückverfolgen. In diesem Jahr feiert der sympathische und hübsch zwischen Licht-, Sois- und Stoppelsberg gelegene Ort Jubiläum. Die wechselvolle Geschichte begann im Jahr 845.

Von unserem Redaktionsmitglied Sabrina Mehler

„Eitrahafeldonmarcha“ heißt das Gebiet im Norden des heutigen Landkreises in einer Urkunde vom 18. Juli 845. Mit dieser wurde damals das Tauschgeschäft bestätigt, mit dem Ludwig der Deutsche das Land an den Fuldaer Abt Hatto vermachte und dafür drei Dörfer in Württemberg erhielt. Das Gebiet hatte einst ein gewisser Hartwig als Lehen besessen, es wurde mitsamt Wald, bestellten und unbestellten Ländereien sowie Hörigen beiderlei Geschlechts und jeglichen Alters überlassen. Im Original ist das Schriftstück nicht mehr erhalten, es liegt aber als Abschrift im Codex Eberhardi aus dem 12. Jahrhundert vor. Auch eine Tauschurkunde des Abtes Hatto gibt es; in dieser wird Eiterfeld als „Eitrungfeldonumarchu“ bezeichnet.

Der Name des Ortes am Fluss Eitra veränderte sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder: Aus Eitrahafeldonmarcha wurde unter anderem Eitrungesfeld, Ethirveld, Eytervelt, Eyderfeld und ab 1800 fast ausschließlich Eiterfeld. Der Name setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen: „Eitr-“ bezeichnet wohl ein Gewässer aus sumpfigem Grund, „aha-“ bedeutet fließendes Wasser und „feld“ ist ganz typisch für Ortsnamen aus fränkisch-karolingischer Zeit.

Kein ungerodetes Waldgebiet getauscht

Ob es im Jahr 845 tatsächlich schon eine Siedlung oder ein Dorf in der Mark gab, ist nicht ganz geklärt. Historiker Erwin Sturm geht allerdings davon aus. Zumindest wurde hier wohl kein ungerodetes Waldgebiet getauscht. Die folgende Geschichte des Ortes war durchaus wechselvoll. Im 13. Jahrhunderts gab es eine nach dem Ort benannte Adelsfamlie, später traten an deren Stelle mehrere Grundherren, vor allem die von Buchenau, von Wiesenfeld und von Baumbach. Während die Fürstenecker Burg zum ersten Mal 1290 in den Schriftstücken auftaucht, wird eine Eiterfelder Burg 1494 erwähnt. Sie stand vermutlich an der Stelle des heutigen ehemaligen Amtsgerichts.

Bis zum Jahr 1802 war Eiterfeld der Hauptort des Oberamtes Fürsteneck, zu dem die Dörfer Arzell, Betzenrod, Dittlofrod, Körnbach, Leiboolz, Leimbach, Malges, Mengers, Ober- und Unterufhausen, Oberweisenborn, Reckrod und Wölf gehörten. Später, nach der Säkularisation, kam das Amt Eiterfeld an den Prinzen von Oranien; dann wurde es französisch, österreichisch, preußisch, kurhessisch, wieder preußisch und ab 1945 hessisch.

Überwiegend evangelisch

Kirchlich gehörte die Pfarrei im Mittelalter zunächst zum würzburgischen Landkapitel Geisa im Archidiakonat Coburg-Mellrichstadt. Im 17. Jahrhundert kam sie ans fuldische Dekanat Geisa, bis 1803 ein eigenes Dekanat Eiterfeld errichtet wurde. In der Reformationszeit wurde die Pfarrei überwiegend evangelisch, kehrte in der Gegenreformation 1603 aber wieder zum alten Glauben zurück. Seit 1693 gilt St. Georg als Patron der katholischen Kirche. Eine evangelische Pfarrei wurde 1952 gegründet. Lange Zeit gab es in Eiterfeld jüdische Bürger; bereits im 16. Jahrhundert sind Juden im Ort belegt. Ihre Zahl stieg stetig an, 1895 gab es 84 jüdische Einwohner – bei einer Gesamtbevölkerungszahl von 544. 1936 lebten 44 Juden in Eiterfeld, danach wurden sie von den Nationalsozialisten vertrieben oder deportiert. Die Synagoge in der Fürstenecker Straße wurde in der Reichspogromnacht zerstört.

Heute sind die beeindruckendsten Gebäude die Kirche St. Georg und das frühere Amtsgerichtsgebäude. Das historische Dorfbild, vor allem in der Ortsmitte, ist der Optimierung des Verkehrs zum Opfer gefallen; anstelle alter Hofreiten wurde das riesige Bürgerhaus errichtet. Heute leben in der Gemeinde Eiterfeld, auch bekannt als „Perle des Kegelspiels“, mehr als 7000 Einwohner.

Von Lesung bis Musical: Verein „1175 Jahre Eiterfeld" lädt das ganze Jahr über ein

Heiko Mähler ist noch entspannt, aber dennoch voller Vorfreude auf das kommende Jahr: Der Eiterfelder ist nicht nur Ortsvorsteher, sondern auch Vorsitzender des Jubiläumsvereins, der schon im Jahr 2017 gegründet worden war. Mittlerweile gehören ihm rund 120 Mitglieder an, darunter auch zahlreiche Vereine, die sich für das Jubiläumsjahr allerlei Besonderes überlegt haben.

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