Foodsharing-Initiative will Essen vor der Mülltonne bewahren

13. Dezember 2019
Hünfeld

Jährlich werden in Deutschland 12 Millionen Tonnen an Lebensmitteln weggeworfen, mehr als die Hälfte davon in Privathaushalten. Jan Kircher (30) möchte etwas dagegen tun. Er bereitet die Gründung einer Foodsharing-Initiative vor.

Von unserem Redaktionsmitglied Hartmut Zimmermann

Denn aus Sicht des aus Dammersbach stammenden Grundschullehrers ist das Wegwerfen und Vernichten von Lebensmitteln die wohl ärgste Form der Energieverschwendung. Und es ist kein Phänomen, das nur die großen Städte betrifft. „Auch im ländlichen Raum gibt es da viel an Informationsbedarf – und Möglichkeiten, etwas besser zu machen“, ist er sich sicher.

Die Foodsharing-Idee hat er während seines Referendariats in Heilbronn kennen und schätzen gelernt. „Im Kern geht es darum, Lebensmittel zu retten: sie für das Essen zu verwenden anstatt sie in die Biotonne zu werfen“, erläutert er. Dabei geht es vor allem um jene Produkte, die wegen ihres überschrittenen Mindesthaltbarkeitsdatums in den Geschäften aus dem Sortiment müssen, aber auch um Obst und Gemüse, das wegen Druckstellen oder optischer Mängel nicht mehr für den Verkauf taugt.

Ziel: Lebensmittel sollen verzehrt werden

Hier kommen die Leute von Foodsharing ins Spiel: Sie knüpfen Kontakte zu den Inhabern von Lebensmittelgeschäften und Bäckereien, die kein eigenes Vortagsware-System betreiben. Und mit deren Einwilligung und Unterstützung holen sie die andernfalls in der Tonne landenden Lebensmittel heraus und verteilen sie weiter – und zwar gratis: Das erste Ziel sei, dass die Lebensmittel auch verzehrt würden, erläutert Kircher. Das kann durch Weitergeben im Netzwerk der Foodsharing-Aktiven geschehen.

Eine andere Variante sind sogenannte „Fair-Teiler“: Anlaufstellen, an denen – gegebenenfalls auch im Geschäft – die aussortierten Lebensmittel in einem Regal oder Schrank liegen und „einfach so“ mitgenommen werden können. „Hier kann jeder gratis einpacken, was er nutzen kann – ob er nun bedürftig ist oder nicht.“

Große Bereitschaft

Und ein schlechtes Gewissen solle niemand haben: „Jeder, der etwas nimmt, um es zu essen oder zu verarbeiten, tut ja etwas Gutes: Er rettet Lebensmittel vor dem Ende in der Biotonne“, betont Kircher. Die Bereitschaft von Unternehmen, mit den Foodsharing-Aktiven zusammenzuarbeiten, sei in der Regel groß, berichtet Kircher: „Jedes weggeworfene Produkt ist nicht nur ökologisch, sondern auch für die Firmen ein Verlust.

Die Zusammenarbeit mit uns schärft den Blick auf das Problem und zeigt mitunter auch Verbesserungsmöglichkeiten im Betriebsablauf auf“, weiß er. Zudem stärke die Zusammenarbeit mit Foodsharing auch das „Nachhaltigkeits-Image“ der Unternehmen. Das sei auch nicht unbedeutend.

Kein Schaden für „Tafeln“

Die kritische Frage, ob man damit nicht den „Tafeln“ und damit bedürftigen Menschen schade, kennt Kircher – und verneint: Man werde gezielt auf jene Unternehmen zugehen, die nichts an die Tafel abgeben. Mit Blick auf sein Hünfelder Engagement hat er sich bereits mit Tafel-Koordinator Rudolf Köhl abgestimmt.

Jetzt bietet er am kommenden Mittwoch einen Info-Abend an, um Gleichgesinnte zu finden. „Anders als in Fulda, wo die Foodsharing-Gruppe nur aus Studierenden besteht, könnte ich mir vorstellen, dass wir hier eine ganz andere Mischung zusammenbekommen“, ist er zuversichtlich.

„Wir können deutlich mehr machen“

Wenn genügend Interessierte zusammenkommen, die sich eine Mitarbeit vorstellen können, dann werde man Kontakt mit Lebensmittelgeschäften und Bäckereien aufnehmen. „Es macht nichts, wenn wir klein anfangen und nur an zwei Terminen in der Woche abholen können – es geht darum, auch in Hünfeld einen Anfang zu machen. Wir können deutlich machen, dass auch bei uns vor der Haustüre Lebensmittel vernichtet werden – und dass wir etwas dagegen tun können.“

Fakten
Die Initiative wurde 2012 in Berlin gegründet.
Mitmachen können alle Menschen, unabhängig von Alter oder wirtschaftlicher Situation. Auch Betriebe aus der Lebensmittelbranche sind angesprochen.
Einen Infoabend gibt es am Mittwoch, 18. Dezember. 18.30 Uhr, im Pfarrzentrum von St. Jakobus in Hünfeld.
Ansprechpartner ist Jan Kircher, Telefon (01 51) 27 09 69 71.

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