Große Investitionen in Milupa-Molkerei

26. September 2013
Hünfeld

Als Milupa verkündete, in sein Werk in Fulda 140 Millionen zu investieren, da jubelten Politik und Wirtschaft gleichermaßen über die seit Jahren größte Investition in dem Oberzentrum. Aber die 90 Millionen Euro, die die Hochwald-Molkerei in diesem und nächsten Jahr in Hünfeld investieren will, sind auch nicht von schlechten Eltern.

Die Genossenschaft mit Sitz in Thalfang in Rheinland-Pfalz betreibt in Hünfeld eine Molkerei, die Milch von mehr als 400 Landwirten aus dem Landkreis Fulda sowie darüber hinaus zu Käse verarbeitet. Pasta Filata heißt der Bestseller aus Hünfeld und wird als Pizzakäse ausgerechnet hauptsächlich nach Italien exportiert. Die Italiener lieben Pizzakäse aus Hünfeld. Nun fällt bei der Käseproduktion flüssige Molke in rauen Mengen an, die künftig gewinnbringend weiterverarbeitet werden soll. Im Hünfelder Industriegebiet Nord direkt neben der B27 baut Hochwald im nächsten Jahr eine Molkepulveranlage, in der die Molke aus der Käseproduktion zu wertvollem Pulver getrocknet und von einigen unerwünschten Bestandteilen befreit wird. Kostenpunkt: 60 Millionen Euro. Dieses Pulver ist ziemlich begehrt. Zum Beispiel für die Produktion von Babymilch, wie sie - und da schließt sich der Kreis zu Milupa - in Fulda betrieben wird. Das dortige Werk soll einen Großteil des Pulvers aus Hünfeld abnehmen. Aus einem Entsorgungsproblem wird auf diese Weise ein Gewinnbringer, der nicht nur den Landwirten zusätzliche Absatzmärkte beschert, sondern auch die Existenz der Molkerei langfristig sichert. Denn ohne Käseproduktion gibt es keine Flüssigmolke und damit keinen Rohstoff für die Babynahrung. Wie wertvoll dieses Pulver ist, wurde vor einiger Zeit deutlich, als Hersteller von Babynahrung Lieferengpässe hatten, weil die Chinesen ihnen die Produkte förmlich aus den Händen rissen. Kein Wunder: Die Chinesen hatten mit gepanschten Milchprodukten ziemlich böse Erfahrungen gemacht. Mehrere Kinder waren sogar gestorben.

Nun also Hünfeld. Aber bei den 60 Millionen Euro Invest in das neue Werk bleibt es nicht. Zum einen wird auch die vorhandene Molkerei auf Vordermann gebracht, zum anderen muss Hochwald eine eigene Industriekläranlage errichten. Kostenpunkt: 16 bis 17 Millionen Euro. Denn was nach der Pulvergewinnung übrig bleibt, ist auch nicht ohne und enthält viele Salze. Man spricht von sieben Tonnen pro Tag. Und die dürfen zusammen mit dem Abwasser auf keinen Fall in die Haune gelangen. Die führt in der Regel weitaus weniger Wasser als die Fulda und wäre damit heillos überfordert.

Für die Kläranlage plant die Stadt Hünfeld ein ziemliches kompliziertes Konstrukt. Demnach baut Hochwald die Anlage, übereignet sie dem Eigenbetrieb Abwasseranlagen, der sie wiederum an Hochwald verpachtet. Die Arbeit, also das Reinigen der Abwässer, übernimmt die städtische Tochter als Dienstleister für Hochwald. Sinn der Übung ist es, das Risiko etwa wegen eventueller Störfälle von der Stadt fernzuhalten. Außerdem will die Stadt auch finanziell von der Ansiedlung profitieren und rechnet mit "einer dauerhaften Verbesserung des städtischen Haushalts", wie Bürgermeister Dr. Eberhard Fennel (CDU) in einer Vorlage des Magistrats erläutert. Er hat sich zusammen mit Stefan Schubert, dem ersten Beamten im Hünfelder Rathaus, diese Konstruktion ausgedacht, die Risiken minimieren, aber auch für ein "bisschen Spaß" (Fennel) sorgen soll.

Seit Anfang der Woche wird auf dem Gelände der geplanten Kläranlage der Baugrund auf seine Tragfähigkeit untersucht. Baubeginn könnte schon ab dem 21. Oktober sein. Eile tut not: Denn ab Januar 2015 soll Hochwald mit der Lieferung von Molkepulver nach Fulda beginnen.