Journalist und Zeitzeuge Siegbert Schefke zu Gast an der Wigbertschule

10. November 2015
Hünfeld

Montagsdemos, Mauerfall und Wiedervereinigung: Die Abiturienten der Wigbertschule kennen diese Ereignisse nur aus ihren Geschichtsbüchern. Umso spannender war es für sie, den Bericht eines echten Zeitzeugen zu hören.

Von unserem Redaktionsmitglied Linda Hopius

Keinen geringeren als Siegbert Schefke hatte die Wigbertschule in ihrem Musikraum zu Gast – eben jener Journalist, der im Jahr 1989 immer wieder verbotene Filmaufnahmen aus der DDR an die West-Fernsehsender weitergab. Berühmt wurde er durch seine Aufnahmen von den Montagsdemonstrationen in Leipzig, bei denen keine Fernsehjournalisten zugelassen waren.

„Wir haben gespürt, dass etwas passiert. Und wir wussten, dass wir das dokumentieren mussten“, so Schefke über seine Aufnahmen. Schwieriger, als es sich anhört: Schefke wurde zu dieser Zeit bereits vom Staatsschutz überwacht, die vor seiner Haustür im Auto warteten. „Wir sind also auf die Dächer, 500 Meter die Straße runter gelaufen und dort durch ein anderes Wohnhaus raus“, berichtet der Journalist. „Man musste sich halt was einfallen lassen.“

Erzählungen wie aus einem Agentenfilm

Neben seinen Erzählungen und Schilderungen, die stellenweise wie die Szenen eines Agentenfilms anmuten, konnten die Schülerinnen und Schüler Fragen stellen – und diese Möglichkeit wurde ausgenutzt bis zur letzten Minute des Vortrags. Details zum Transport der Filmkassetten, was in seiner Stasi-Akte stand, die er später lesen konnte und wie er sich während der Zeit der Arbeitslosigkeit über Wasser hielt: Das und vieles mehr interessierte die Abiturienten.

Länger zögern musste Schefke beim antworten auf die Frage, was er an der DDR vermisse. „Die Leute sagen immer, dass ja nicht alles schlecht gewesen sei“, erklärt er, „und dem stimme ich zu: Die Jugend kann auch in einer Diktatur schön sein.“ Eine Sache vermisst er aber doch: „Den grünen Abbiegepfeil an allen Ampeln. Der war schon praktisch.“ Im Westen gibt es den immer noch nur selten – wie zum Beispiel in Fulda.

Kultusministerium hat vermittelt

Ermöglicht wurde der Besuch des Journalisten und Zeitzeugen durch ein Programm zum Jahrestag der Maueröffnung. Insgesamt sind 35 Personen der Zeitgeschichte an dem Projekt mit dem Titel „Grenzen überwinden“ beteiligt. „Das hessische Kultusministerium hat bei uns angefragt, ob wir ihn nicht als Zeitzeugen für unsere Schüler begrüßen möchten. Da hab ich keine Sekunde überlegt und sofort zugesagt“, schildert Schulleiter Markus Bente, und ergänzt: „Es ist gut zu sehen, wie spannend Geschichte erzählt werden kann von jemandem, der sie selbst erlebt hat. Aus solchen Vorträgen nehmen die Schüler viel mit.“