Konrad-Zuse-Schule bietet neue Schulform für angehende Erzieher an

13. Februar 2020
Hünfeld

Überall haben Kindergärten das gleiche Problem: Es fehlt ihnen an Personal. Damit sich mehr Menschen für den Beruf des Erziehers oder der Erzieherin entscheiden, hat der Bund eine Fachkräfteoffensive gestartet. Das führt dazu, dass die Konrad-Zuse-Schule nun eine neue Form der Ausbildung anbietet.

Von unserem Redaktionsmitglied Sabrina Mehler

Die Träger der Kinderbetreuungseinrichtungen – ob Kommunen, Kirchen oder freie Träger – suchen händeringend nach Erziehern und Erzieherinnen. Laut einer Prognos-Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums wird die Personallücke in der frühkindlichen Bildung, also bei Kita- und Grundschulkindern, bis zum Jahr 2025 bis zu 191 000 Erzieher und Erzieherinnen betragen. Das treibt auch in der Region so mancher Kita-Leitung Sorgenfalten auf die Stirn. Und wenn die Vorgaben aus dem Gute-Kita-Gesetz demnächst umgesetzt werden müssen, die noch mehr Personalkraft als bisher in den Einrichtungen verlangen, werden sich die Probleme weiter verschärfen.

Vergütete Ausbildung „brandneu“

Eine Entlastung ist jedoch immerhin in Sicht: Ab dem kommenden Schuljahr bietet die Konrad-Zuse-Schule in Hünfeld neben der vollschulischen Ausbildung auch eine praxisintegrierte vergütete Ausbildung (PivA) an und kooperiert dabei mit unterschiedlichen Trägern sozialpädagogischer Einrichtungen. Die dreijährige Ausbildung endet mit dem Abschluss Staatlich anerkannte Erzieherin beziehungsweise Staatlich anerkannter Erzieher. Diese Möglichkeit sei „brandneu und sehr attraktiv“, sagt Susanne Diegelmann, die Leiterin der Konrad-Zuse-Schule.

Grundlage dafür sei die Fachkräfteoffensive des Bundes, durch die die Bedingungen für die angehenden Fachkräfte verbessert werden sollen. Denn während der bisherigen vollschulischen Ausbildung, in der die jungen Leute erst im dritten Jahr ein Berufspraktikum absolvieren, gibt es kein Geld – was viele von der Ausbildung abschreckt. Das soll jetzt anders werden.

Bund und Land ermöglichen Vergütung

Die Träger der Betreuungseinrichtungen werden in den drei Ausbildungsjahren eine Vergütung zahlen – dank finanzieller Zuschüsse. Zwar hat der Bund mittlerweile angekündigt, diese Förderung nach dem ersten Jahrgang auslaufen zu lassen; in Hessen springt dafür aber das Land ein. Damit werden die angehenden Erzieher im ersten Jahr mindestens 1140 Euro brutto erhalten, im zweiten Jahr sind es mindestens 1202 Euro und im dritten mindestens 1303 Euro. Die Vergütung orientiert sich am Tarifvertrag für Auszubildende des öffentlichen Dienstes.

Die Kinderbetreuungseinrichtungen müssen, um Zuschüsse zu erhalten, Anträge ans Land stellen, erklärt Diegelmann. Zu den Trägern, mit denen die Konrad-Zuse-Schule kooperiert, gehört unter anderem die Stadt Fulda, die in ihren offiziellen Ausschreibungen bereits auf die besondere Ausbildungsform an der Hünfelder Schule hinweist.

Ein weiterer Unterschied zur bisherigen Ausbildung: Das letzte Anerkennungsjahr wird auf drei Jahre aufgeteilt. Das heißt, anfangs sind in der Woche drei Tage Schule und zwei Tage Arbeit, später zwei Tage Schule und drei Tage Arbeit vorgesehen.

Alle Bewerber müssen Eignungsprüfung ablegen

Bewerber und Bewerberinnen, die sich für die Ausbildungsform interessieren, benötigen den Mittleren Bildungsabschluss sowie entweder einen Berufsabschluss als Staatlich geprüfte Sozialassistentin beziehungsweise geprüfter Sozialassistent oder aber sie haben bereits einen Abschluss einer Berufsausbildung mit einem dreimonatigen Praktikum in einer sozialpädagogischen Einrichtung. Auch die Fachhochschulreife und das Abitur sind ein Zugang zur Ausbildung; auch hier ist ein Praktikum erforderlich. Außerdem müssen sich die Bewerber einer Eignungsprüfung an der Zuse-Schule stellen.

Gleichzeitig wird die vollschulische Ausbildung in Hünfeld weiter bestehen, und auch hier gibt es Erleichterungen, erklärt Susanne Diegelmann: Denn im Zuge der Bemühungen, mehr Fachkräfte zu gewinnen, wurde das BAföG aufgestockt. Auch so könnte die Ausbildung zum Erzieher und zur Erzieherinnen attraktiver werden.

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