Marcel Glübert siegt mit seinem autarken Haus bei Jugend forscht

07. März 2014
Arzell

Während die meisten 18-Jährigen mit Brennstoffzellen und Schaltsystemen wenig anfangen können, hat Marcel Glübert aus Arzell gleich ein ganzes Modell voller Technik entwickelt. Der Jury von Jugend forscht hat sein autarkes Haus gefallen – und ihn zum Regionalsieger des Wettbewerbs im Bereich "Technik" erklärt, der in Hanau stattfand.

Es scheint ein ganz normales Playmobil-Haus zu sein, das auf der grünen Holzplatte steht, eingerichtet mit Küche, Schlaf- und Wohnzimmer. Dass es sich allerdings nicht um Kinderspielzeug handelt, lässt die Fotovoltaikanlage auf dem Dach vermuten – sowie die Brennstoffzelle und das Windrad im Garten.

"Die Idee für ein solches Haus hatte ich lange im Hinterkopf", sagt der 18-Jährige aus Arzell. Bereits im vergangenen Jahr hat er am Wettbewerb Jugend forscht teilgenommen. Damals hat Marcel ein Ampelsystem entwickelt, das sich dem Verkehr anpasst. Mit diesem Projekt hatte er jedoch nicht ganz so viel Glück. Doch aufgeben kam nicht in Frage – schließlich war da noch der Einfall mit dem autarken Haus.

Hinter diesem Begriff steckt ein Haushalt, der sich komplett selbst mit Energie versorgen kann. Weht Wind, beziehen die Elektrogeräte ihren Strom aus der Windenergie, genauso funktioniert es, wenn die Sonne scheint. Ist mehr Strom da als benötigt wird, wird die Energie in der Brennstoffzelle gespeichert – und dient als Reserve für regnerische und windstille Tage.

Allein diese Idee klingt schon komplex. Doch sie ist nichts gegen das System aus Reihen- und Parallelschaltungen, das hinter dem Modell steckt. Immerhin ist von den 55 Metern elektrischer Kabel im Haus und den 120 Metern im elektrischen Schaltschrank nicht ein einziges zu sehen. Sie führen unter anderem zu den kleinen Lichtern über dem Plastikfernseher im Wohnzimmer des Modells. Leuchten diese, symbolisiert das den Stromverbrauch.

"Die Programmierung ganz am Ende war nervenraubend", erinnert sich Marcel und meint damit, dass sein Modell automatisch erkennt, ob es Strom aus Wind-, Sonnenenergie oder der Brennstoffzelle beziehen muss. "Zwei Tage vor dem Wettbewerb habe ich noch nicht daran geglaubt, dass das Haus funktionstüchtig sein wird", gibt der Arzeller zu.

Doch die Arbeit hat sich gelohnt. Mehr als ein halbes Jahr lang hat der Schüler an seinem Projekt getüftelt. Im Keller hat er sich eine richtige kleine Werkstatt eingerichtet. Verschiedene Firmen haben ihn bei der Umsetzung seiner Idee unterstützt.

"Ich habe erst einmal überlegt, was ich für den Bau benötige und was ich davon selbst besorgen kann. Dann habe ich einige Unternehmen angeschrieben", berichtet Marcel. Von diesen gab es Fotovoltaikanlage und Brennstoffzelle als Leihgabe. Auch mit der Hochschule Fulda hat er zusammengearbeitet und im Labor verschiedene Messungen für sein Projekt durchgeführt.

Dass er beim Regionalentscheid im Bereich "Technik" den ersten Platz holt, damit hat der 18-Jährige aber nicht gerechnet. "Ich hoffte nur, unter die ersten drei zu kommen", sagt er. Nun geht es für Marcel weiter zum Landesentscheid. Am 27. März muss er sich in Darmstadt gegen junge Forscher und Erfinder aus ganz Hessen durchsetzen. Für seine Idee hat der Arzeller auch eine Patentmeldung eingereicht. Schließlich gibt es sein autarkes Haus in dieser Form nicht noch einmal auf der Welt.