Rasdorf vor riesiger Zukunftsinvestition: Nahwärme aus Holz und Sonne

17. Januar 2020
RASDORF

Rasdorf steht vor einer riesigen Investition in seine Zukunft: Noch in diesem Jahr soll eine Genossenschaft gegründet werden, die ein Holz und Sonnenwärme nutzendes Nahwärmenetz samt Heizhaus für das ganze Dorf baut. Ganz nebenbei können auch noch die Lücken in der Internetversorgung geschlossen werden. Die Kosten: rund 9,4 Millionen Euro.

Von Winfried Möller

Das Interesse der Rasdorfer war enorm: Bei der Bürgerversammlung, zu der Klaus-Peter Sauerbier als Vorsitzender der Gemeindevertretung in den Gasthof „Zum Adler“ eingeladen hatte, war der Saal überfüllt. Nach einer ersten Info-Veranstaltung zum Thema Nahwärmenetz im Juni 2018 war eine Arbeitsgruppe (AG) bestehend aus Vitali Agapow, Bürgermeister Jürgen Hahn, Michael Hahn, Wolfhart Herber, Andreas Martin, Christoph Priller, Peter Radecker, Karl Hermann Schreiber, Hans Jürgen Stark, Hendrik Wiegand und Martin Zentgraf gebildet worden. Die Mitglieder hatten die Besitzer aller 428 zu beheizenden Häuser besucht, um sie für das Zukunftsprojekt zu gewinnen. Ziel sei ein CO2 -neutrales Rasdorf in Verbindung mit regionaler Wertschöpfung, betonten sie: Der Umstieg kann laut Bürgermeister Hahn jährlich eine Million Liter Heizöl einsparen.

In der Bürgerversammlung wurde über Wege zur Umsetzung, die Finanzierung, die Gründung einer Genossenschaft und den Betrieb des Nahwärmenetzes informiert.

Ein Heizhaus in Rasdorf

Auf Grundlage der Studie des Fachingenieurs Arno Nüßlein hat die Nahwärme-AG entschieden, in der Straße In der Vockenbach ein Heizhaus zu bauen. Würden alle Gebäude Rasdorfs angeschlossen, wären 3800 kW Kesselleistung, 150.000 Liter Pufferspeicher Mindestvolumen und ein Leitungsnetz von 15.222 Meter Länge notwendig. Würden weniger als 80 Prozent aller Gebäude angeschlossen, müssten die einzelnen Straßenabschnitte hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit überprüft werden.

Darlehen für die Differenz

Die AG habe sich nach ausführlicher Prüfung unterschiedlicher Heizsysteme für Hackgutkessel mit ergänzender Solaranlage entschieden, so Ingenieur Nüßlein. Die Nettogesamtkosten würden sich auf rund 9,4 Millionen Euro belaufen. Sie würden durch Zuschüsse von Bund und Land und den Genossenschaftsanteilen mitfinanziert, erläuterte AG-Mitglied Andreas Martin. Für die Differenz sind Darlehen vorgesehen. Christoph Priller stellte die gesetzlichen Regeln der zu gründenden Genossenschaft vor.

In den Kosten ist die Leitungsverlegung bis zur Übergabestation in den Gebäuden mit Wärmetauscher sowie notwendigen Armaturen und dem Regler enthalten. Die Kosten für den Verbraucher lägen bei jährlich 600 Euro Grundgebühr und 7,5 Cent pro Kilowattstunde Heizenergie. Sie lägen damit niedriger als beim Betrieb einer eigenen Heizungsanlage.

Keine „weißen Flecken“ mehr

Ergänzend informierte Christof Erb, Kreiskoordinator Breitband beim Landkreis Fulda, über die Breitbandversorgung in Rasdorf. Wenn der Hartmannsweg komplett angeschlossen sei, gebe es keinen „weißen Flecken“ mehr im Ort. Die „grauen Flecken“ könnten durch das Verlegen von Leerrohren oder Glasfasern beseitigt werden.

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