Schulleiter Alfred Helgert bald im Ruhestand – Stolz auf Leistungsniveau der Schule

18. Januar 2015
Hünfeld

Die meisten Kisten im Büro sind gepackt, die Pläne für den kommenden Lebensabschnitt geschmiedet: Schulleiter Alfred Helgert (65) wird Ende Januar in den Ruhestand verabschiedet. Elf Jahre war er der Kopf der Hünfelder Wigbertschule. Bewegt hat er in dieser Zeit vieles. Einen Nachfolger gibt es noch nicht.

Nach vier Jahrzehnten im Schuldienst freut sich Alfred Helgert auf seinen Ruhestand. Zufrieden sitzt er in seinem Büro und blickt auf die vergangenen Jahre zurück. Vieles hat er angestoßen und mitgestaltet. Ruhigen Gewissens gibt der Marbacher Ende des Monats seinen Schlüssel ab. „Ich freue mich auf die Zeit nach der Schule. Es gibt viele Dinge, die noch erledigt werden müssen."

Ein großer Traum von ihm ist es zum Beispiel, den Jakobsweg zu gehen. „Meine Frau und ich sind vor einigen Jahren in Marbach gestartet und laufen jedes Jahr ein paar Tage in Richtung Santiago de Compostela. Dieses Jahr soll es eine längere Zeit am Stück werden." Außerdem möchte er mehr für seine Gesundheit tun, mehr Sport treiben. Aktiv spielt er beispielsweise bei der SG Marbach Tischtennis. Im Ruhestand möchte er die Trainerlaufbahn wieder einschlagen.

Wigbertgymnasium eine der leistungsfähigsten Schulen

Zu tun hat er somit einiges, aber auch in den vergangenen Jahren war Helgert sehr aktiv. „Elf Jahre bin ich an der Wigbertschule, zehn Jahre davon wurde gebaut", berichtet er augenzwinkernd. Das Schulgebäude wurde in der Zeit komplett saniert, das Gymnasium verfügt heute über eine moderne Naturwissenschaft mit doppelt so großen Räumen wie vorher. Außerdem wurde die Mensa gebaut sowie die neue Schulturnhalle eingeweiht. Weiterhin wurde ein bilingualer Zweig eingeführt, seit vergangenem Schuljahr gibt es sogar ein Chinesisch-Projekt als Pflichtkurs für die Oberstufe. Vieles wurde auch im Präventionsbereich getan – etwa Streitschlichter und Schulbuslotsen im Schulalltag integriert.

Auf das Niveau des Wigbertgymnasiums ist der Naturwissenschaftler stolz. „Die Schule ist sehr erfolgreich bei externen Leistungsmessungen. Sie ist eine der leistungsfähigsten Schulen in Hessen", betont der Rektor, der für knapp 900 Schüler, 80 Lehrer und 15 Referendare zuständig ist. Sowohl bei PISA als auch bei der länderübergreifenden Studie zum Zentralabitur sei das Hünfelder Gymnasium erheblich über dem Schnitt der Vergleichschulen.

"Wir brauchen wieder G9"

Helgert erklärt aber auch, dass sich das Lernverhalten der Schüler stark verändert hat. Vor allem in den vergangenen fünf, sechs Jahren habe die Fähigkeit nachgelassen, Informationen im Langzeitgedächtnis zu „speichern". Das Lernen sei falsch. Die Jugendlichen packten in kurzer Zeit viel Wissen in ihre Köpfe, vergessen dieses aber auch schnell wieder. „Die Festigungsphasen im Unterricht kommen zu kurz", bemängelt Helgert. Eigentlich Essentielles werde nicht mehr genug vertieft. „Es gibt immer mehr Projekte, immer mehr außerunterrichtliche Dinge, die alle belasten", kritisiert der 65-Jährige. „Deshalb brauchen wir auch wieder G9. Wir waren die letzte Schule, die G 9 abgeschafft hat, und die erste, die es wieder eingeführt hat. Dafür gab es viel Kritik von oben."

Am 30. Januar wird Alfred Helgert offiziell verabschiedet. Einen Nachfolger gibt es noch nicht. „Das Verfahren ist noch am Laufen. Wir gehen aber davon aus, dass wir zeitnah einen Nachfolger finden", erklärt Stephan Schmitt vom Schulamt Fulda. Er rechnet im kommenden Halbjahr mit einer Entscheidung. Kommissarisch übernimmt ab Februar der stellvertretende Schulleiter Rainer Gerhard den Posten.