Werke der Konkreten Kunst im Museum Modern Art

13. Juni 2019
Hünfeld

Volles Haus bei der Vernissage im Museum Modern Art: Gleich drei große Vertreter der Konkreten Kunst präsentieren ihre Arbeiten derzeit in Hünfeld und stellten sich Pfingstmontag den Fragen von Anke Zimmer, Leiterin der Kulturredaktion der Fuldaer Zeitung.

„Wir sind stolz, diese drei großen Vertreter der Konkreten Kunst und Konkreten Poesie zum ersten Mal in drei Sonderausstellungen präsentieren zu können“, sagte Kurator Günter Liebau. Sie alle seien im Offenen Buch der Stadt Hünfeld vertreten, von Gomringer steht sogar eine Skulptur am Kreisel vor der Hünfelder JVA, heißt es in der Pressemitteilung der Stadt Hünfeld. Und sie alle verbindet die Freundschaft zum Hünfelder Künstler Jürgen Blum, der 2015 verstarb.

Künstler stellen jeweils ein Werk vor

Den Besuchern gaben die drei Künstler einen Einblick in die Entstehung eines ihrer Kunstwerke. Eugen Gomringer wählte sein Kunstwerk „Wind“. Wind sei erstmal ein Wort, Wind blase in verschiedene Richtungen, so auch die Buchstaben auf seinem Kunstwerk. „Es ist der Versuch, eine Windrose zu zeigen“, unterstrich Gomringer. Man könne es von links nach rechts und umgekehrt lesen. „Kunst müsste fähig sein, ihre Gedanken übertragen zu können“, betonte der 94-Jährige.

Diet Sayler verdeutlichte, dass Bilder auf weißen Wänden fast immer schön seien. Ein gutes Bild müsse sich aber auch in der realen Umwelt behaupten – beispielsweise auf Ruinen wie dem Nürnberger Colosseum. „Ich möchte meine Kunst herausnehmen aus dem Akademischen“, sagte er. Das macht er mittels digitaler Installationen. Josef Linschinger übersetzte die drei Zeilen eines seiner Barcode-Werke. Sie bedeuten: „Gemeinsam mit Gomringer.“

Thematisiert wurde auch Gomringers Gedicht „Avenidas“ aus dem Jahr 1951. Vor einem Jahr entbrannte eine Sexismus-Debatte aufgrund des Gedichtes, das in Berlin auf der Fassade eines Hochschulgebäudes angebracht war. Aufgrund einer fragwürdigen Initiative des AStA der Salomon-Hochschule wurde der spanische Text von der Hauswand entfernt, bei dem es übersetzt um Straßen, Blumen, Frauen – und einen Bewunderer geht. Das Gedicht sei ein schönes Bild, das man bei einem Spaziergang sehe, sagte Gomringer. Das habe er auch in Hünfeld gesehen, als er das Hotel verlassen habe: Frauen, Straßen, Blumen – und er selbst als Bewunderer.

Geöffnet bis 29. September

Zu Beginn betonte Stiftungsvorsitzender Bürgermeister Stefan Schwenk, Gomringer, Sayler und Linschinger seien dem Hünfelder Museum seit Jahrzehnten in besonderer Weise verbunden und er bezeichnete die Ausstellung als eine der ganz besonderen Art. Musikalisch untermalt wurde die Vernissage vom Duo „Sunny vibes“ mit Pia-Maria Sauer und Wolfgang Harling. „Gomringer, Linschinger, Sayler“ ist eine Ausstellung der Stiftung Museum Modern Art Hünfeld – Sammlung Jürgen Blum und noch bis Sonntag, 29. September, zu sehen. / erz