Wigbertschule setzt verstärkt auf Sprachen

Wigbertschule setzt verstärkt auf Sprachen / Großes Interesse an Chinesisch

20. Mai 2014
Hünfeld

Das Hünfelder Wigbertgymnasium stärkt sein Profil im Bereich Sprachen weiter. Nachdem es seit dem Jahr 2005 zweisprachige (bilinguale) Klassen gibt und einige Schüler der Einführungsphase auch Chinesisch auf dem Stundenplan stehen haben, bietet die Schule ab dem kommenden Schuljahr das Internationale Abitur an.

Bereits seit 2005 setzt das Hünfelder Gymnasium offensiv auf die Stärkung der Sprachausbildung. So können Schüler der siebten Klasse ein bilinguales Angebot entweder in Englisch oder Französisch annehmen. Damit wird nicht nur die Stundenzahl in der entsprechenden Fremdsprache deutlich erhöht, ein Sachfach wird außerdem zweisprachig unterrichtet. „Dabei geht es in erster Linie darum, die Kommunikationsfähigkeit zu erhöhen“, erklärt Alfred Helgert, Leiter der Wigbertschule.

„Je mehr unsere Schüler lernen, je besser sie in Sprachen sind, desto größer sind später ihre Chancen“, glaubt er. „Wir gehen davon aus, dass 80 Prozent unserer Schüler studieren. Und Vorlesungen an der Universität werden heutzutage häufig in Englisch gehalten.“ Zudem verzeichne das Gymnasium immer häufiger Anfragen von Unternehmen, darunter Banken, die international tätig sind. „Die wollen Abiturienten mit guten Sprachkenntnissen.“

Aus diesem Grund ist das Interesse von Eltern und Schülern an den sprachlichen Angeboten hoch. Probleme, die bilinguale Klasse zu füllen, gab es noch nie. Jetzt geht die Wigbertschule noch einen großen Schritt weiter, denn gerade ist in Hessen eine Verordnung erlassen worden, nach der das Internationale Abitur möglich ist. Dieses können Schüler aus den bilingualen Klassen ablegen, zudem gibt es weitere Bedingungen.

Denn zum einen muss in der Sekundarstufe 2 Englisch als Leistungskurs gewählt werden – und eine Naturwissenschaft als Prüfungsfach im Abitur. Doch weil es dem Gymnasium an Chemie- und Physiklehrern mangelt, die gleichzeitig Englisch unterrichten, sind die Schüler eingeschränkt. „Für das Internationale Abitur muss deshalb zwingend ein Biologie-Grundkurs absolviert werden“, erklärt Helgert. Möglich wird damit das Internationale Abi erst mit der jetzigen zweisprachigen Klasse der neunten Jahrgangsstufe. „Diese ist sehr leistungsstark“, unterstreicht der Schulleiter, der davon ausgeht, dass mehrere Schüler das neue Angebot annehmen wollen. Immerhin erhalten die Schüler so eine Zusatzqualifikation. Mit dem sogenannten Cambridge Certificate dürfen die Teilnehmer auch ohne Aufnahmeprüfung an jeder englischsprachigen Hochschule studieren.

Die Wigbertschule ragt außerdem mit einem weiteren Angebot heraus: Seit dem laufenden Schuljahr können Schüler der Einführungsphase Chinesisch lernen. „Das Unterrichtsfach war ursprünglich als Versuchsballon für ein Jahr gestartet“, sagt Helgert. Doch auch im kommenden Jahr läuft der Kurs mit stabilen Schülerzahlen weiter, zudem gibt es bereits 20 Anmeldungen für einen neuen.

Ein Problem sieht der Schulleiter allerdings: „In Hessen gibt es für Chinesisch keinen offiziellen Lehrplan.“ Deshalb könne das Angebot nur als Grundkurs laufen, als Abiturfach kann es hingegen nicht gewählt werden. Ein entsprechender Antrag der Wigbertschule liegt bereits seit einem halben Jahr beim hessischen Kultusministerium – eine Antwort steht noch aus. „Wir warten schon lange auf eine Entscheidung“, betont Helgert. Immer öfter gebe es an Universitäten beispielsweise für BWL-Studenten Crash-Kurse in Chinesisch: „Deswegen verstehe ich nicht, dass sich das Land dagegen so sperrt.“