Zuse-Schule zeigt die Ausstellung „400 Jahre Juden in der Rhön“

09. Februar 2020
Hünfeld

400 Jahre Juden in der Rhön – so lautet der Titel des Buches, das Dr. Michael Imhof im Jahr 2017 veröffentlichte. Zu diesem Inhalt hat Imhof gemeinsam mit Joachim Schulz unzählige Rollup-Banner anfertigen lassen, die als Wanderausstellung über die Vergangenheit berichten.

Von Alisa Kim Göbel

Für die Schüler der Schulformen Fachoberschule, Berufliches Gymnasium und der Sozialassistenz an der Konrad-Zuse-Schule war es ein Erlebnis der besonderen Art, als Dr. Michael Imhof die Präsentation eröffnete. Deren Ursprung ist eine Ausstellung im Museum in Tann.

Von der Vergangenheit bis in die Gegenwart

Die Rollup-Banner zeigen Texte und Bilder von der Vergangenheit bis in die Gegenwart. Vier Wochen wird die Ausstellung an der Konrad-Zuse-Schule stehen, während die Schüler mit ihren Lehrern und Michael Imhof Workshops zu diesen Themen besuchen. Für Schulleiterin Susanne Diegelmann gibt es zu diesem Thema nur eine Botschaft: „Antisemitismus hat an unserer Schule keinen Platz“, ein Motto des Hessischen Kultusministeriums.

Neben den Schülern und Lehrern waren auch Harald Persch vom Schulamt Fulda, Stadträtin Martina Sauerbier und die Leiterin des Konrad-Zuse-Museums, Ute Schneider unter den Gästen.

„Ich gehe ganz kurz 1000 Jahre zurück“

Während zur Eröffnung der Ausstellung noch viel geredet und getuschelt wurde, verstummten die Hintergrundgeräusche, als Imhof zu sprechen begann. „Ich gehe ganz kurz 1000 Jahre zurück“, stieg Imhof ein, der eigentlich über die letzten 400 Jahre sprechen wollte. Warum dieser Exkurs so wichtig war, wurde schnell deutlich, als er erklärte, wie sich Juden in Europa angesiedelt haben. Denn schon damals wurden diese Menschen vertrieben. „Juden waren in einer immobilen Zeit sehr mobil, da sie zum Handeln umherzogen, dabei Deutsch und Jiddisch sprachen, und ein angesehener Part der vormittelalterlichen Welt. Erst mit den Kreuzzügen sei es zu Verfolgungswellen gekommen. Daraufhin seien Juden in ländliche Räume geflohen.

Ein Dokument von 1235 belegt, dass zu dieser Zeit Juden in Fulda gelebt haben. Den Pestepidemien im 14. Jahrhundert folgten zahlreiche Verfolgungen von Juden (sogenannte Pogrome) in den Städten: Man warf den Juden oft vor, die Brunnen vergiftet zu haben.

Durch ihre Schule sehr bekannt

Vor 550 Jahren waren die Fuldaer Juden durch ihre Schule sehr bekannt. Zu dieser Zeit lebten zwischen 300 und 400 Juden in Fulda, ehe diese in noch ländlichere Gegenden vertrieben wurden“, lenkte Imhof den Blick in die Region. Man warf den 43 Familien in Fulda wirtschaftliche Konkurrenz vor, und so flohen diese in die Herrschaftsbereiche der kleinen Reichsritter im Umland. So kam es, dass sich von der Rhön über Hünfeld bis nach Burghaun, Wehrda und Buchenau jüdische Familien eine neue Bleibe suchten.

1801 zählte Eiterfeld 10 jüdische Familien, in Buchenau waren es 2, in Burghaun 12, in Steinbach und Hünfeld jeweils 7 Familien. Hoffnung kam auf, als man von Napoleons Einsatz für die juristische Gleichberechtigung hörte. Doch da die Gleichheit der Bürger unter Napoleons Gesetzen nicht lange währte, gab es eine regelrechte Auswander-Welle nach Amerika.

Bildungshunger der jüdischen Minderheit

Wer blieb, suchte andere Überlebensstrategien – zum Beispiel durch Bildung: In den 1880er Jahren seien, obwohl Fulda nur sechs Prozent jüdische Bevölkerung hatte, 30 Prozent der Schüler an der Oberrealschule Fulda (dem Vorläufer der Freiherr-vom-Stein-Schule) Juden gewesen. Das, so Imhof, zeige den Bildungshunger der jüdischen Minderheit.

„Was diese Menschen ab dem 20. Jahrhundert, besonders ab 1938, durchmachen mussten, brauche ich nicht nochmal wiederholen“, betonte Imhof. Ohne Namen politischer Pateien zu nennen, erinnerte er an die Verfolgungen und Ausgrenzung der Juden erinnerte an den Holocaust. Und er mahnte, wachsam zu bleiben: Mit Blick auf die jüngsten Wahlen – auch in Hessen – gelte es, sich zu erinnern und gemeinsam die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass solche Verbrechen nie mehr geschehen.

Öffentliche Führung

Interessierte Bürger können die Ausstellung am Montag, den 17. Februar, um 18 Uhr in der Konrad-Zuse-Schule (Gebäude in der Hindenburgallee 32) besuchen.

Michael Imhof wird gemeinsam mit Elisabeth Sternberg-Siebert vor Ort sein und die Ausstellung begleiten. / akg

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