Zwischenbilanz einer Weltreise: Leonie Melzer und John Clements berichten

16. Juli 2019
Hünfeld/Afrika

Die Hünfelderin Leonie Melzer (26) und ihr Freund John Clements (23) haben ihren gut gefüllten Schrank gegen ein paar T-Shirts und Badelatschen getauscht, das weiche Bett gegen den Schlafsack im Zelt: Die Weltenbummler waren seit Januar im südlichen Afrika unterwegs und ziehen nun Zwischenbilanz.

Von unserem Redaktionsmitglied Sabrina Mehler

Für viele ist eine Weltreise ein Traum, für manche wird er wahr: „Es war eine großartige Zeit und eine großartige Erfahrung, ein bisschen verrückt, mit einer atemberaubenden Natur und tollen Menschen“, sagt Leonie Melzer. Kürzlich haben die beiden jedoch eine kurze Pause eingelegt, weil John Clements mit seinem Vater in Alaska Urlaub gemacht hat, und seine Freundin nicht alleine in Afrika bleiben wollte, sondern stattdessen die Gelegenheit für einen Heimatbesuch nutzte.

In den vergangenen Monaten haben die beiden viel erlebt; leuchtende Augen bekommen sie zum Beispiel, wenn sie von ihrem Roadtrip durch Botswana berichten. Im dortigen Chobe Nationalpark übernachteten sie auf einem Campingplatz, der trotz wilder Tiere nicht eingezäunt war. „Ich konnte kaum schlafen“, berichtet Melzer. „Ich habe die ganze Zeit nach oben durch das Fenster unseres Zeltes geblickt und den Wahnsinns-Sternenhimmel angeguckt. Ich habe die Affen schreien gehört und die Elefanten, die sich nur ein paar Meter entfernt gurrend miteinander unterhalten und die Bäume abgefressen haben.“ All diese unbekannten Geräusche und Gerüche seien faszinierend.

Sehr viele Begegnungen mit Tieren

Immer wieder machten die zwei Bekanntschaft mit den Wildtieren Afrikas, mit Löwen in Botswana, Meeresschildkröten auf Sansibar, Nashörnern in Simbabwe und Zebras in Tansania. „Einmal kam uns eine Hyäne besuchen“, berichtet Clements. „Es machte ,krk‘, als ein Ast brach und plötzlich dieses Tier vor mir stand und mich anblickte.“ Hyänen könnten gefährlich werden, diese sei glücklicherweise friedlich geblieben. Zu den vielen Tierbegegnungen sagt Melzer: „Man darf Tiere nicht bedrängen, sondern muss sich an die Regeln halten.“ Und Clements ergänzt: „Man braucht Respekt.“

Immer wieder zelebrierte das Paar, dass sich seit 2016 kennt, das einfache Leben. Im Okavango-Delta zum Beispiel gab es kein warmes Wasser, keinen Strom, keine Handy-Verbindung. „Wir hatten Feuerholz dabei, einen kleinen Grill und eine Gasflasche.“ Die Wäsche hängten die beiden draußen auf, Waschpulver hatten sie dabei. „In dieser Zeit lernt man vieles schätzen, das wir in Deutschland haben. Aber es hat uns auch zeigt, dass man mit nur wenigen Dingen leben kann“, sagt die Hünfelderin.

Besuch bei Pater Kapp

Viele neue Erfahrungen machten die zwei: Auf Sansibar machte Melzer ihren Tauchschein, um eine „unglaublich schöne Unterwasserwelt“ kennenzulernen, und in Tansania lernte sie das Motorradfahren. Ab und zu hatten die beiden Besuch: So schipperten sie im Februar mit Melzers Bruder und dessen Freundin mit dem Hausboot über den Kariba-See, den größten Stausee der Welt, und bestaunten die Victoria-Fälle, den längsten Wasservorhang der Welt. In Südafrika und Namibia waren sie zeitweise mit Clements Mutter unterwegs.

Aber auch die Weltenbummler selbst unternahmen Besuche: in Namibia waren sie nicht nur bei einem alten Schulfreund von Melzers Vater zu Gast, der jetzt ein Safari-Unternehmen führt, sondern auch bei Oblatenpater Aloys Kapp, der in der Region Caprivi ein Projekt in der St. Anna Missionsstation Omega leitet.

Reise durch Europa mit dem Rucksack

Dass eine Weltreise nicht immer nur aufregend ist, musste das Paar auch feststellen: Anfangs arbeitete John Clements in der Firma seines Vaters in Simbabwe, die Trinkwasser produziert. „Das war für mich nicht einfach“, sagt Melzer. „Wir lebten in einem Haus, das wie die meisten Häuser dort von Mauern und Elektrozäunen umgeben ist.“ Nach draußen sei sie daher kaum gelangt. „Daher hatten wir häufig Streit“, berichtet sie. „Aber wir haben uns immer vertragen. An solchen Dingen wächst man selbst und wächst die Beziehung.“

Nun planen die beide ihre nächsten Schritte. Zunächst wollen sie mit dem Rucksack durch Europa reisen. Dann steht Asien auf dem Programm, später Australien und Neuseeland, wo sie arbeiten wollen. Eigentlich hatte das Paar für ihre Weltreise ein Jahr angedacht, doch es zeichnet sich längst ab: Das Abenteuer wird wohl sehr viel länger dauern.