19-jähriger Sinntaler verursacht betrunken und ohne Führerschein Unfall und beleidigt Polizisten

13. Juli 2018
Schlüchtern

Um den „Kopf freizubekommen“, kam ein 19-Jähriger mitten in der Nacht auf die Idee, mit einem Auto in Schlüchtern eine Spritztour zu unternehmen.

Doch dabei hatte der Sinntaler einige wichtige Punkte außer Acht gelassen: Der Wagen gehörte nicht ihm, sondern einem Freund, der zu diesem Zeitpunkt schon friedlich schlummerte. Das Fahrzeug hatte keine Kennzeichen, war also weder versichert noch versteuert. Er selbst besitzt keinen Führerschein. Dafür hatte er rund 1,66 Promille Alkohol im Blut.

Das konnte nicht lange gut gehen: Auf der Landesstraße von Herolz nach Sannerz kam er von der Fahrbahn ab und touchierte die Leitplanke. Ohne sich um den Schaden von rund 500 Euro zu kümmern, wendete er und fuhr zurück nach Schlüchtern. Dort stöberte ihn bald eine Streife der Polizeistation Schlüchtern auf, die er wenig freundlich begrüßte. „Er hat herumgepöbelt und sich unmöglich verhalten“, erinnerte sich eine 46-jährige Beamtin als Zeugin vor Gericht. Nachdem er zur Polizeistation in der Lotichiusstraße gebracht worden war, schlief er dort während der Anzeigenaufnahme immer wieder ein. Als dann ein Arzt zur Blutentnahme kam, war der 19-Jährige allerdings hellwach – so wach, dass er den Arzt eifrig beleidigte.

Sein Verteidiger entschuldigte sich vor Gericht stellvertretend für das unflätige Verhalten des Mannes und gab eine umfangreiche Erklärung ab: Zunächst habe sein Mandant am 8. Dezember vergangenen Jahres als Praktikant in einem gastronomischen Betrieb in der Bergwinkelstadt gearbeitet. Nach Feierabend habe er mit einem Kumpel ein anderes Lokal aufgesucht, wo eifrig dem Alkohol zugesprochen wurde: Gin und Whiskey – und davon „eine ganze Menge“. Dann gingen sie zur Wohnung des Freundes, der sich irgendwann schlafen legte. Der Angeklagte hingegen ging nochmal vor die Haustür, um eine Zigarette zu rauchen.

In der Hand den Haustürschlüssel, an dem auch der Autoschlüssel hing. Draußen überkam ihn wieder einmal eine posttraumatische Belastungsstörung, die ihn als Folge der Kriegswirren in seinem Heimatland immer wieder quälten. Um den Kopf freizukriegen, kam er auf die Idee, eine Runde durch die Gegend zu touren. Das Autofahren habe er in seiner Heimat gelernt. Von dort stamme die Erkenntnis, als Lenker eines Fahrzeugs sei keine Fahrerlaubnis nötig. Wenn man von Ordnungshütern angehalten werde, reiche es, einen Geldschein dem Polizisten zuzustecken – und schon gehe die Fahrt weiter.

Weil das in Deutschland anders läuft, landete der 19-Jährige auf der Anklagebank. Dort gab er sich wortkarg, ließ lieber seinen Anwalt reden. Der beteuerte, der junge Mann sei von der gesamten Situation überfordert gewesen. Der Sinntaler ist bei den Behörden nicht unbekannt. 2017 wurde er gleich dreimal aktenkundig: Körperverletzung, Beleidigung und Betrug.

Richterin Anna Schad ermahnte den 19-Jährigen wegen Gefährdung des Straßenverkehrs, Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Unfallflucht und Fahren eines Fahrzeugs ohne Versicherungsschutz. Sie verpflichtete ihn, 120 Sozialstunden abzuleisten und drei Termine bei der Suchtberatung wahrzunehmen. Außerdem kann er vor Ablauf einer Sperre von zwölf Monaten keine Fahrerlaubnis erwerben. Sie berücksichtigte dabei eine verminderte Schuldfähigkeit und sprach von einem hohen Gefährdungspotenzial bei der Alkoholfahrt. Zum Glück seien der Heranwachsende und andere Verkehrsteilnehmer nicht zu Schaden gekommen. / KN