55-Jähriger pflastert Hakenkreuz in Hofeinfahrt – „buddhistisches Symbol“

24. Mai 2019
Gründau

Allen Unschuldsbeteuerungen zum Trotz: Richter Wolfgang Ott verurteilte einen 55-Jährigen wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen zu einer Geldstrafe von 1000 Euro (50 Tagessätze zu 20 Euro).

Stein des Anstoßes im wahrsten Sinne des Wortes war die Hofeinfahrt zum Haus und der Garage der Mutter des Gründauers, wo er auch wohnt. In diese hatte er bei der Befestigung mit einem Kumpel ein überdimensionales Hakenkreuz gepflastert. Auf das rund ein Quadratmeter große Zeichen wurde Anfang dieses Jahres die Polizei aufmerksam und erteilte ihm die Weisung, das Pflaster anders zu verlegen. Gleichzeitig wurde der Mann angezeigt und musste sich nun vor dem Amtsgericht Gelnhausen verantworten.

Dort beteuerte der Gründauer, der wegen Erkrankungen berufsunfähig ist, seine Unschuld. In Verbindung mit der freien Religionsausübung und Kunst sei das Hakenkreuz nicht verboten, behauptete er. Zudem sei das Zeichen nur in der waagrechten Richtung vollständig, senkrecht immer wieder eine Steinreihe ausgelassen. Das habe er extra so gemacht, damit keine Verbindung zur Nazizeit hergestellt werden könne.

Hakenkreuz sei Glückssymbol

Seit einem dreiviertel Jahr fühle er sich dem Buddhismus zugehörig. Und dort gelte dieses Kreuz als ein Glückssymbol, was er zum Ausüben seines Glaubens benötige. Konkret wolle er dort im Hof meditieren. An der Ausführung haperte es bislang allerdings noch, weil das Wetter nicht passend war, erklärte er. Neben der Garageneinfahrt sollte eigentlich noch eine große Buddha-Figur Platz finden.

Als der Vorsitzende das Wissen des Angeklagten zum Thema Buddhismus genauer abklopfen wollte, haperte es. Er habe sich alle Kirchen angeschaut und sei schließlich bei dieser Weltreligion wegen ihrer Friedfertigkeit hängengeblieben. Buddha gelte zudem als der Erleuchtete. „Mehr fällt mir derzeit dazu nicht ein“, beteuerte der Gründauer. Als Gründe nannte er seine Aufgeregtheit vor Gericht. Außerdem befinde sich sein Glaubenswissen derzeit noch „im Aufbau“.

Noch nicht vorbestraft

Auch wenn die Bedeutung des Hakenkreuzes vom Angeklagten möglicherweise so gesehen werde, sei die allgemeine Wahrnehmung zu dem Symbol eine andere, betonte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Und eben diese Verwendung als Nazi-Zeichen sei in Deutschland verboten und stehe unter Strafe. Deswegen forderte sie eine Geldstrafe von 1250 Euro. Richter Ott blieb mit 1000 Euro etwas darunter. Auch in der leicht abgewandelten Form sei die Darstellung des Hakenkreuzes nicht zu dulden. Positiv wertete er, dass der Gründauer bislang noch nicht vorbestraft ist. Allerdings ist sein Name im Computersystem der Justiz bereits erfasst. Warum, ließ er offen. / ls