„Ich mache dich kaputt“: 27-Jähriger zu Bewährungsstrafe verurteilt – Opfer in Angst

04. September 2019
Bad Soden-Salmünster

Nach 15 Jahren in Deutschland sei es der erste Fall von Körperverletzung, mit dem er in Verbindung gebracht werde, lobte sich ein 27-Jähriger vor dem Amtsgericht Gelnhausen. Seine „weiße Weste“ hat nun Flecken bekommen.

Richter Thomas Russell verurteilte den Somalier wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Außerdem muss er 250 Euro Schmerzensgeld an das Opfer zahlen.

Der Angeklagte bestritt bis zuletzt seine Schuld, quittierte die Beschuldigungen mit einem ungläubigen Kopfschütteln. Nach Erkenntnis des Gerichts hatten sich die Taten am 18. Juli 2018 in Bad Soden zugetragen.

Gepackt und zu Boden geschubst

Aus einer vorangegangenen Verurteilung musste der Kurstädter Arbeitsstunden in einer örtlichen Einrichtung ableisten. Am dritten Arbeitstag hatte er schon zehn Minuten vor Feierabend seine Tätigkeit beendet. Ein Hausmeister bat ihn, wenigstens sein Arbeitsgerät wegzuräumen. Der jetzt Angeklagte lehnte dies ab.

Als der 28-jährige Angestellte darauf beharrte, wurde er laut Anklage vom 27-Jährigen körperlich attackiert, an der Schulter gepackt, auf den Boden geschubst. Mehrmals schlug der Mitarbeiter mit dem Kopf auf dem harten Boden auf. Gleichzeitig habe der nun Angeklagte ihn auf das Übelste beschimpft und beleidigt – mit Sätzen wie „Ich mache dich kaputt“ und „Ich erschieße dich und verscharre dich unter dem Rindenmulch“.

Opfer ist nach Schleudertrauma in Therapie

Bei dem Opfer stellten Ärzte später ein Schleudertrauma sowie Prellungen am Brustbein und Schädel fest, an denen er heute noch teilweise herumlaboriert. Viel schlimmer sind jedoch die psychischen Folgen: Der 28-Jährige leidet unter Angstzuständen und ist in therapeutischer Behandlung. Wie seine Mutter bestätigte, schreckt er regelmäßig nachts aus Alpträumen hoch, traut sich nicht alleine aus dem Haus und trägt ständig Pfefferspray bei sich. „Ich bin nicht mehr der, der ich mal war“, sagt der 28-Jährige.

Das hatte auch Auswirkungen auf die Gerichtsverhandlung. Ein Arzt hatte im Vorfeld eindringlich davor gewarnt, ein direktes Zusammentreffen zwischen Täter und Opfer zuzulassen. Das sei aus medizinischer Sicht nicht zu verantworten. Deswegen führte Richter Russell den Beschuldigten nach seiner Aussage aus dem Saal in einen entfernten Bereich des Gerichtsgebäudes und anschließend durch andere Gänge das Opfer in den Verhandlungsraum zu seiner Zeugenaussage.

Lebensqualität „extremst eingeschränkt“

Der Angeklagte sprach lediglich von einem „leichten“ Anfassen an der Schulter. Der Hausmeister habe sich anschließend aus Protest auf den Boden gesetzt. Der Verteidiger sah beim Opfer „keine schwerwiegenden Verletzungen“. Wenn man heute zum Arzt gehe, bekomme man für alles ein Attest.

Der Verteidiger sah eine „gewisse Übertreibung“. Anders sahen dies Staatsanwaltschaft und Gericht. Die Anklägerin sprach nach der Aussage der Mutter von einer „massiven Schädigung“ beim jungen Mann, der von der Lebensqualität her „extremst eingeschränkt“ sei. Richter Russell wertete die Schilderungen als absolut glaubhaft.

Als Sanktion war zunächst eine Geldstrafe angedacht. Davon wollte der Angeklagte nichts wissen, weil er als Auszubildender über zu wenig Geld verfüge. Er forderte eine Bewährungsstrafe. Das Gericht wertete dies als gerechtfertigt, weil er schon wegen Beleidigung und Bedrohung zweifach vorbestraft ist. / ls