Tötungsdelikt in Salmünster: 38-Jährige stirbt an Messerstichen (mit O-Ton vom Oberstaatsanwalt)

19. Februar 2020
Bad Soden-Salmünster

Ein 42-jähriger Mann hat offenbar am frühen Dienstagmorgen in Salmünster seine 38-jährige Ehefrau erstochen. Ein Polizeihubschrauber drehte über Bad Soden-Salmünster etliche Runden, um nach dem anfangs flüchtigen Tatverdächtigen zu suchen. Dieser stellte sich etwa anderthalb Stunden später bei der Bundespolizei in Aschaffenburg.

Die Fenster an dem Haus „Im Hopfengarten“ sind Dienstagvormittag abgedunkelt, einige Autos parken vor dem großen Gebäude unweit der Autobahnzufahrt Richtung Hanau. Die amtlichen Kennzeichen an einigen der Zivilfahrzeuge deuten darauf hin, dass hier Kriminalbeamte ihrer Arbeit nachgehen. Es gibt aber kein Absperrband, kein sofort erkennbares Polizeifahrzeug. Nichts deutet darauf hin, was sich hier am frühen Morgen wohl abgespielt hat.

38-Jährige starb noch am Tatort

Nach bisherigen Ermittlungen der Polizei gab es in der Nacht einen offenkundig lautstarken Streit in der Wohnung der Familie. Nachbarn alarmierten kurz nach 5 Uhr die Polizei, die laut Polizeiprotokoll um 5.22 Uhr ausrückte. Zunächst waren Streifenwagen aus Bad Orb, Schlüchtern, Gelnhausen und der Autobahnpolizei im Einsatz, wenig später auch die Kripo Gelnhausen und Beamte vom Kriminaldauerdienst in Hanau sowie vom zentralen Tatort-Kommissariat.

Doch die Polizeikräfte konnten der mit einem Messer attackierten Frau nicht mehr helfen. Sie starb noch am Tatort. Als die Helfer eintrafen, lag die 38 Jahre alte Frau den Angaben zufolge leblos in der Küche. Jede ärztliche Hilfe sei für die Frau nach dieser Bluttat zu spät gekommen.

Jugendliche seien traumatisiert

Die 13 und 15 Jahre alten Kinder des Ehepaares, die den Streit ihrer Eltern wohl mitbekommen haben oder durch diesen wachgeworden sind, werden seit den frühen Morgenstunden von einem Kriseninterventionsteam betreut.

Das Polizeipräsidium Südosthessen in Offenbach erklärte auf Anfrage, die beiden Jugendlichen seien schwer traumatisiert an Vertreter von Fachbehörden wie dem Kreisjugendamt übergeben worden, die sich um deren psychologische Betreuung und deren weitere Unterbringung kümmern. Auch das Schulamt ist involviert. In vergleichbaren Fällen werden von den Behörden nach Möglichkeit nächste Angehörige der Betroffenen einbezogen.

Verdächtiger stellte sich in Aschaffenburg

Mit einem Polizeihubschrauber wurde nach dem Flüchtigen gesucht. Ebenso wurden Bahnstrecken und Bahnhöfe in die Fahndung einbezogen. Die Einsatzkräfte wussten aber recht bald, dass der 42-Jährige wohl in einem VW Passat unterwegs sein musste und erweiterten den Fahndungsraum dementsprechend.

Gegen 7 Uhr wurde klar, dass der 42-Jährige über Landstraßen durch den Spessart gefahren war, denn er stellte sich gegen 6.40 Uhr auf einer Polizeiwache in Aschaffenburg, berichten Polizei und Staatsanwaltschaft.

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Die Hintergründe der tödlichen Auseinandersetzung waren zunächst noch unklar. Die Staatsanwaltschaft Hanau gab gestern Nachmittag einen ersten Überblick über die bisherigen Erkenntnisse der Kriminalpolizei. Auf Anfrage sagte Oberstaatsanwalt Dominik Mies, dass der Tatverdächtige von Aschaffenburg in den Polizeigewahrsam nach Gelnhausen überstellt worden sei und voraussichtlich heute dem Haftrichter vorgeführt wird.

Mindestens zwei Stichverletzungen

Zum Tatgeschehen an sich habe sich der 42-jährige Beschuldigte am Dienstag nicht geäußert, ebenso nicht zum Anlass des Streits in der Wohnung. Laut Dominik Mies gibt es aufgrund der Ermittlungen vor Ort aber Anhaltspunkte dafür, dass sich die 38-Jährige von ihrem Ehemann womöglich habe trennen wollen, dieser aber nicht bereit gewesen sei, dies zu akzeptieren.

Als Tatwaffe ist laut dem Oberstaatsanwalt ein Küchenmesser mit einer etwa 20 Zentimeter langen Klinge benutzt worden. Die Frau habe bei dem tödlichen Angriff mindestens zwei Stichverletzungen erlitten.

Vor drei Jahren nach Salmünster gezogen

Die beiden Kinder des Ehepaars, ein Junge und ein Mädchen, waren bislang Schüler der Henry-Harnischfeger-Schule in Salmünster. Ihre Mutter arbeitete als Reinigungskraft bei einer Dienstleistungsfirma, die auch in der Spessart-Therme Bad Soden unter Vertrag ist. Die Familie war dem Vernehmen nach vor etwa drei Jahren aus dem Raum Offenbach nach Salmünster umgezogen.

Bad Soden-Salmünsters Bürgermeister Dominik Brasch (parteilos) erklärte zu dem Geschehen auf Anfrage: „Wir sind alle schockiert, sprachlos und in tiefer Trauer um die getötete Frau. Eine solche Tat ist nicht nachzuvollziehen. Der Täter hat nicht nur das Leben seiner Frau ausgelöscht, sondern den gemeinsamen Kindern die Mutter genommen und auch deren Leben ein Stück weit zerstört. Ich wünsche allen voran den Kindern viel Kraft in dieser schweren Stunde und hoffe, sie bekommen alle Hilfe, die sie benötigen.“ / hgs, tim

Frau mit Messer tödlich verletzt - Ehemann festgenommen

Nach den ersten Erkenntnissen hat ein 55 Jahre alter Mann aus Künzell seine drei Jahre jüngere Ehefrau auf einem Parkplatz in der Peter-Henlein-Straße mit mehreren Messerstichen lebensgefährlich verletzt, teilte die Polizei mit. Die von Zeugen alarmierten Polizeistreifen trafen den Mann im Auto neben seiner schwer verletzten Frau sitzend an.

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