Bericht: Mahnmale für NSU-Opfer immer wieder beschädigt

13. Oktober 2019
Berlin/Schlüchtern/Zwickau

Die Gedenkorte für die Opfer der rechtsextremen Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) werden immer wieder beschädigt. Das hat die „Welt am Sonntag“ recherchiert.

So wurden in den vergangenen Jahren in fünf der acht Städte mit solchen Mahnmalen Angriffe registriert – zum Teil mehrfach. Erst Anfang Oktober war im sächsischen Zwickau eine Eiche abgesägt worden, die Enver Şimşek erinnern sollte. Die Rechtsterroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatten den Schlüchterner Blumenhändler im Jahr 2000 in Nürnberg erschossen.

Nach einer Umfrage der „Welt am Sonntag“ in allen acht Städten wurde in Kassel 2014 der Gedenkstein für das NSU-Opfer Halit Yozgat mit einer Bitumenmasse übergossen. In Rostock wurde der Gedenkort für das NSU-Opfer Mehmet Turgut seit 2014 dreimal beschädigt. In Nürnberg entfernten Unbekannte 2015 eine Gedenktafel, eine Stele wurde im November 2017 mit einem Hakenkreuz beschmiert.

In Heilbronn, wo die NSU-Terroristen die Polizistin Michèle Kiesewetter ermordet hatten, gruben Unbekannte 2008 eine Gedenkstele aus und warfen sie in den Neckar. 2014 wurde eine Gedenktafel besprüht. Den Städten Dortmund, Hamburg und München sind dem Bericht zufolge keine Attacken bekannt. „Die Schändungen der NSU-Mahnmale sind ein Schlag ins Gesicht der Hinterbliebenen, den unsere Gesellschaft nicht hinnehmen darf“, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) dem Blatt.

„Menschenverachtend": Schlüchterns Bürgermeister reagiert bestürzt auf Zerstörung des Gedenkbaums für NSU-Mordopfer Şimşek

Ein gepflanzter Baum, der des ersten Mordopfers der Terrorzelle NSU Enver Şimşek gedenken sollte, ist in Zwickau nach Angaben der Stadt abgesägt worden. Şimşek war Inhaber eines Blumenhandels in Schlüchtern und wurde am 9. September 2000 an seinem Blumenstand in Nürnberg niedergeschossen. Schlüchterns Bürgermeister Matthias Möller reagiert bestürzt auf die Zerstörung des Gedenkbaumes.