Bewährungsstrafe für 19-Jährigen – Fahrdienst vergisst, Angeklagten abzuholen

12. Januar 2020
Steinau

Der Prozess gegen einen 19-Jährigen fand komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt – zum Schutz der minderjährigen Opfer.

Von unserem Redaktionsmitglied Sabine Simon

Wegen schweren Missbrauchs von Kindern in drei Fällen ist ein 19-Jähriger aus Steinau am Donnerstag vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Gelnhausen zu einer Strafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt worden. Die Strafe wurde laut Oberstaatsanwalt Dominik Mies auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Der Angeklagte hatte bis zur Urteilsverkündung nach nur zwei Verhandlungstagen für drei Monate in Untersuchungshaft gesessen und befindet sich nun wieder auf freiem Fuß.

Sexualtherapie, Alkohol- und Suchttherapie

Wie unsere Zeitung berichtete, fand der Prozess komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, in erster Linie um die drei Opfer zu schützen: zwei 12 Jahre alte und ein 13-jähriges Mädchen.

Richter Christian Scheuermann hat an die Bewährung einige Auflagen geknüpft: So muss sich der 19-Jährige in Verantwortung der hessischen Fachambulanz einer Sexualtherapie unterziehen und Angebote der Alkohol- und Suchttherapie in Anspruch nehmen. Bis er sich in einem sozialversicherungspflichtigen Angestelltenverhältnis befindet, so Mies weiter, muss der Steinauer zudem 80 Sozialstunden pro Monat ableisten. Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung entsprachen ohne Gegenantrag der Empfehlung des Gerichts.

Fahrdienst hat „geschlafen“

Kuriose Randnotiz vom letzten Prozesstag: Erst kurz vor Verhandlungsbeginn wurde im Amtsgericht Gelnhausen festgestellt, dass der Angeklagte noch nicht eingetroffen war – allerdings nur, weil die Ordnungshüter aus der Stadt Hanau angerufen hatten, um darauf hinzuweisen, dass der 19-Jährige dort noch immer in einer Zelle sitze und warte. Offenbar hatte der für diesen Tag zuständige Fahrdienst „geschlafen“ oder einen Auftrag übersehen. Jedenfalls wurde aus unbekannten Gründen versäumt, den Mann in Hanau abzuholen.

19-Jähriger wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs vor Gericht

Noch vor der Verlesung der Anklageschrift stimmten sowohl Richter Christian Scheuermann als auch die Rechtsanwältin der Nebenklage, die Staatsanwaltschaft sowie der Verteidiger einem Ausschluss der Öffentlichkeit für die gesamte Hauptverhandlung zu. Dies geschehe, so Scheuermann, zum Schutz der Geschädigten und des Angeklagten.

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