„Da geht was, ich spür’s“: Dresen und Scheer begeisterten mit Konzert vor Filmpremiere

15. August 2018
Steinau

Zur Premiere seines Films „Gundermann“ in der Steinauer Katharinenkirche ist Regisseur Andreas Dresen am gestrigen Dienstagabend in den Bergwinkel gekommen. Zuvor gab er mit seiner Band ein fantastisches Konzert.

Von Hanswerner Kruse

„Da geht’s was, ich spür’s“, ruft Sänger und Schauspieler Alexander Scheer ins begeisterte Publikum auf dem Steinauer Kumpen, noch bevor die Band überhaupt einen Ton gespielt hat. Dann beginnt die sechsköpfige Gruppe mit der sanften Ballade Gerhard „Gundi“ Gundermanns „Alle Filme sind schon gedreht...“, fetzt danach aber mit dessen Song „Gras“ so richtig wild drauflos. Im Laufe des Abends werden fast ausschließlich Stücke des im Westen kaum bekannten ostdeutschen Musikers dargeboten. „Gundi“ war eher ein Folk-Sänger, aber sowohl die Rockgruppe um den Regisseur als auch die Musiker im Film spielen die Lieder des früh verstorbenen Singer-Songwriters wesentlich rockiger als er damals. „Wir haben sie für den Film behutsam modernisiert“, sagte Dresen.

„Da geht was, ich spür’s“: Dresen und Scheer begeisterten mit Konzert vor Filmpremiere

Scheer, der den Gundermann im Film unglaublich authentisch und überzeugend spielt, kommt ohne „Gundi“-Verkleidung auf die Bühne und ist ganz er selbst. Man spürt, dass er schon in vielen Bands mitgewirkt und gesungen hat – der Mann ist eine echte „Rampensau.“ Auf seiner abgeschrappten Gitarre begleitet er die meisten Songs selbst, seine Stimme klingt häufig wie beim frühen Rio Reiser, als der noch bei „Ton Steine Scherben“ sang. Für einige Stücke kommt zum Schluss des gut einstündigen Konzerts noch Anna Unterberger auf die Bühne, die im Film Conny, die Lebensgefährtin des Sängers darstellt. Einerseits fährt die Musik in die Beine, am Rand des Konzerts tanzen auch einige Leute. Andererseits kann man die Qualität der gut zu verstehenden Texte erspüren: Songs wie „Du bist in mein Herz gefallen“ oder „Alle die gehen wollen, sollen gehen können“, sind zeitlos und es wert, (wieder) gehört zu werden.

Es ist eine kleine Sensation, dass das Kuki an diesem wunderbaren Abend nicht nur die zweite Premiere des Films vorbereiten konnte, sondern die Band auch eines ihrer ganz wenigen Konzerte gibt. Der musikalische Filmemacher Dresen freut sich sehr, wieder einmal im Bergwinkel zu sein und lobt die „zauberhafte Kulisse“ in Steinau. Er erinnert daran, dass er hier im Bergwinkel schon häufiger mit seiner Gruppe – in der oft Axel Prahl mitspielt – auftrat. Ausdrücklich bedankt er sich beim KUKI für dessen „wundervolle Arbeit und die Gastfreundschaft.“

„Da geht was, ich spür’s“: Dresen und Scheer begeisterten mit Konzert vor Filmpremiere

Zwischen den Stücken erzählt Dresen viel über die Dreharbeiten und das Leben Gundermanns, so dass das Publikum gut auf den Film eingestimmt wird, der übrigens in der Kirche auf zwei Leinwänden gezeigt wird. Während der Musiker in der DDR recht bekannt war, kannten ihn im Westen nur wenige Leute. Das hat die Realisierung des Films schwer gemacht, von Produzenten und Geldgebern wurde der Regisseur immer wieder gefragt: „Wer ist denn Gundermann?“ Gut zehn Jahre lang hat er mit seiner Drehbuchschreiberin an dem Projekt gearbeitet. Nun mag er es kaum glauben, dass der Film, der am Vorabend zum ersten Mal in Essen gezeigt wurde, wirklich fertig geworden ist.

Man spürt, dass alle Musiker sehr viel Spielfreude an ihrem Auftritt haben. Dresen sagte, dass er so gerne mit der Band spielt, weil er selber mitmachen darf und Teil des Organismus ist. Es war zu spüren, wie lustvoll er mit den anderen Musikern und dem Publikum im gemeinsamen Flow abhob.

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