Das Ende eines prächtigen Wahrzeichens: König-Ludwig-Eiche im Staatsbad stirbt ab

07. Dezember 2019
Bad Brückenau

Einst war die König-Ludwig-Eiche prächtiges Wahrzeichen des Staatsbades Brückenau. Heute scheint eine Rettung ausgeschlossen. Trotzdem könnte sie weiterleben.

Von Steffen Standke

Einmal pro Jahr besucht Rainer Gerber die König-Ludwig-Eiche im Staatsbad Brückenau. „Aus privatem Interesse“, sagt der Baumgutachter aus Haßfurt. Vor sieben Jahren untersuchte der Experte das rund 550 Jahre alte Naturdenkmal eingehend. „Es geht immer mehr dem Ende entgegen“, sagt er heute. Doch es besteht Hoffnung: Die alte Eiche könnte weiterleben, wenn auch anders, als man denkt.

Wirkt wie tot

Dass es der Königseiche schlecht geht, erkennt selbst der Laie. Trug sie noch 2012, zur Zeit des Gutachtens, eine halbwegs dichte Krone, bildete der Baum dieses Jahr nur noch hangseitig Blätter aus. Der Rest, inklusive des Stammes und der mächtigen Äste zum Parkplatz hin, wirkt wie tot. Und ist es laut Gerber weitgehend auch.

Als Hauptauslöser für das langsame Sterben nennt der Experte den Jahrhundertsommer 2003. Der Baum habe sehr unter großer Hitze und Trockenheit gelitten, viel zu wenig Wasser zur Verfügung gehabt. Im Gutachten schrieb Gerber vom „Grundwasser des nahen Sinntals oder unterirdischem Hangzugwasser“, das versiegt sei.

Zu wenig tiefe Wurzeln

Zwar würden Eichen lange Wurzeln ausbilden, die bis in tiefliegende, wasserführende Schichten reichen – aber eben nur in der Jugend. Das Wurzelsystem der Königseiche greift laut Gerber „nur zwei bis drei Meter tief“. Dazu stehe der Baum erhöht auf einer Art Plateau – was die Situation verschärfe. Normalerweise zieht ein Baum sich mit Unterdruck über die Wurzeln Wasser aus dem Boden. Mit den immer weniger werdenden Blättern verringere sich dieser kapilare Sog immer mehr. Was dazu führt, dass noch weniger Bereiche des Baumes versorgt werden können.

Sommer 2018 und 2019 verschärfen die Krise

Die beiden heißen Sommer 2018 und 2019 verschärften die Krise, sagt Gerber. Dazu kommen Pilze, wie Schwefelporling und Ochsenzunge, die dem Gewächs zusetzen. Beobachtungen, die Robert Hildmann, gärtnerischer Leiter der Staatlichen Kurverwaltung, bestätigt. 2003 habe der Verfall der Königseiche begonnen, gleichwohl sie 2007 noch komplett grün gewesen sei. In den vergangenen Jahren wurden die schweren Äste des Baumes abgestützt. An seinem Zustand änderte das so wenig wie die großzügige Belüftung und Düngung des Bodens vor zwei Jahren.

Dennoch: Keine Fällung

Muss die Eiche also gefällt werden? Gerber verneint das noch. Zum einen steht der Baum nicht direkt an der Straße. Sollte ein maroder Ast herunterfallen, richte er keinen Schaden an. Auch, weil das Naturdenkmal eingehegt ist. „Durch den Zaun kommen keine Besucher darunter.“ Zum anderen bezeichnet Gerber den abgestorbenen Teil des Baumes als „ökologisch wertvoll“. Ein idealer Lebensraum für Spechte und Käfer. „Die Spechte fressen Larven und die Käfer tun sich an den Pilzen gütlich, die die Eiche befallen haben. „Solche alten Bäume gibt es ja kaum mehr.“

Hoffnung auf Sprösslinge der Eiche

Als Naturdenkmal untersteht die Eiche der Unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt. Von dort heißt es: „Naturschutzbehörde und Gartenbaufachberatung haben die Eiche im Blick.“ Und: „Wird ein Baum zum Naturdenkmal ernannt, geht die Versicherungspflicht an den Landkreis über. Fortan werden die Naturdenkmäler zweimal im Jahr kontrolliert.“ Eine Fällung des Naturdenkmals sei momentan nicht beabsichtigt. „Es wird aber überprüft, ob eventuell Maßnahmen zur Sicherung des Baumes unternommen werden müssen.“ Egal, wann die König-Ludwig-Eiche ihr Leben aushaucht: Hildmann und Gerber berichten von Sprösslingen aus Eicheln, die in der Nähe ausgeschlagen haben. „Sie weisen die gleiche Genetik auf wie ihr Vorgänger“, sagt Gerber, „man könnte zu ihnen auch König-Ludwig-I.-Eiche sagen.“

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