„Das islamische Konzept der Ehe“ – Tabinda Ghaffar klärt auf

09. Dezember 2018
Schlüchtern

Von Frauen für Frauen: Die Lajna Imaillah, die rein weiblich verwaltete Unterorganisation der Ahmadiyya-Gemeinde in Schlüchtern, hatte am Sonntag zu einer Infoveranstaltung in die Gebetsräume in der Hanauer Straße eingeladen. Das Thema des Nachmittags lautete „Das islamische Konzept der Ehe“.

Von Kathrin Noll

Etliche Interessierte kamen, um den Ausführungen von Tabinda Ghaffar zu lauschen und über das Gehörte zu diskutieren. Den Termin der Veranstaltung am „Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ habe die Lajna Imaillah sehr bewusst gewählt, sagte Ghaffar, die in der Frauenorganisation für den interreligiösen Dialog zuständig ist. Denn noch viel zu oft gebe es Gewalt gegen Frauen im Islam. Dass dies in keiner Weise mit dem Islam, den der Prophet Mohammed vorgelebt hat, in Einklang zu bringen sei, legte sie in ihrem mit zahlreichen Zitaten aus dem Koran und überlieferten Aussprüchen Mohammeds gespickten Vortrag dar. Darin offenbarte sich eine in Sachen Familie zwar wertkonservative, aber insgesamt durchaus liberal und offen anmutende Glaubensauslegung der in den 1880er-Jahren in Indien gegründeten und sich selbst als Reformgemeinschaft verstehenden Ahmadiyya Muslim Jamaat.

Zunächst ging Ghaffar auf die Ehe im Islam ein, die im Idealfall auf Gottvertrauen, Liebe und Zärtlichkeit fußen solle. Mann und Frau sollten in einer harmonischen, freundschaftlichen Beziehung zueinander leben, geprägt von gegenseitiger Achtung und Respekt. Neben der arrangierten Ehe, die ähnlich einer Partnervermittlung durch Familie, Verwandte und Freunde funktioniere und bei der Mann und Frau eigene Wünsche äußern könnten, ließ sie auch die bis heute praktizierte Zwangsehe nicht unerwähnt. Diese sei aber nicht auf den Islam zurückzuführen, sondern auf soziokulturelle Hintergründe und Probleme. Grundsätzlich seien beide Geschlechter als gleichwertig anzusehen, mit entsprechenden Pflichten und Rechten. So sei der Mann etwa als Familienoberhaupt für die finanzielle Absicherung zuständig, der Mutter hingegen komme ein ganz besonderer Rang zu.

Neben dem Gebot der Keuschheit und der Wahrung einer gewissen Form der Distanz zwischen den Geschlechtern erläuterte die Referentin auch die Möglichkeit der Scheidung und den Umgang mit Konflikten in der Ehe. „Gewalt ist in der islamischen Ehe verboten“, betonte die 32-Jährige. Durch kulturelle Einflüsse und falsche Vorstellungen vom Islam sei Gewalt aber bei etlichen Muslimen verbreitet und werde gar propagiert. Bei der Ahmadiyya könne Gewalt zwischen Ehepartnern zur Exkommunikation führen.

„Wieso ist die Gewalt so verbreitet in den muslimischen Ländern? Warum werden Frauenrechte in Teilen der islamischen Welt mit Füßen getreten?“ – diese Fragen stellte im Anschluss eine türkische Zuhörerin in den Raum. Ein großes Problem sei die Analphabetenquote in den betreffenden Ländern, so Ghaffar. Viele Menschen dort könnten den Koran gar nicht lesen, sondern seien auf die Vermittlung durch Prediger angewiesen, die selbst nur unzureichend gebildet seien, um den Koran überhaupt verstehen und auslegen zu können. Die ursprünglichen Lehren des Islams seien zudem im Laufe der Zeit durch falsche Interpretationen, vorislamische Bräuche und von anderen Religionen eingeschleppten Traditionen überlagert worden. Analphabetismus, Unwissenheit und Propaganda sorgten dafür, dass die Machthaber ihre Stellung halten und festigen könnten.

Bildung – gerade auch die Bildung von Frauen, damit diese ihre Rechte kennen und einfordern könnten – nehme bei der Ahmadiyya einen hohen Stellenwert ein. Der Prophet Mohammed habe immer wieder darauf hingewiesen, dass ein Muslim nach Bildung streben solle, so Ghaffar. Sie selbst kam mit drei Jahren aus Pakistan nach Deutschland. Inzwischen hat sie ihr Jurastudium erfolgreich beendet, die Zulassung als Anwältin beantragt und promoviert zum pakistanischen Gesellschaftsrecht. Dennoch ist sie sich bewusst, dass der Zugang zu Bildung in anderen Ländern der Welt nicht selten an den finanziellen Status und die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Schicht gekoppelt ist, dass Sprachbarrieren bestehen können und dass muslimische Frauen, die für ihre Rechte kämpfen, sich mitunter in Lebensgefahr begeben.

Im Anschluss tauschten sich die Gäste in ungezwungener Atmosphäre am Büfett über das Gehörte aus und konnten eine kleine Ausstellung zum Islam besichtigen, die im Nebenraum aufgebaut war.

#keinerbleibtallein - Social Spot ruft zu mehr Gemeinschaft an Weihnachten auf

In der Vorweihnachtszeit rufen GEP, EKD, TelefonSeelsorge und #keinerbleibtallein zu mehr Gemeinschaft an den Feiertagen auf. Ziel der Aktion ist es, Menschen an den Feiertagen zusammenzubringen und ungewollte Einsamkeit zu verhindern. Dafür wurde ein Video auf Social Media veröffentlicht, das Mut machen soll, auch auf fremde Menschen zuzugehen.