Ehepaar angeklagt: Messerattacke als „Racheakt“ für Vergewaltigung?

13. Februar 2020
Wächtersbach

Ein Ehepaar aus Wächtersbach muss sich vor dem Amtsgericht Gelnhausen wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung verantworten. Die Eheleute sollen am 28. September 2018 einen Brachttaler geschlagen und auch mit einem Messer verletzt haben.

Der damals sechsjährige Sohn des Opfers habe die Tat miterlebt. Ein Verfahren wegen einer vermeintlichen Vergewaltigung der Wächtersbacherin durch den Brachttaler ist inzwischen eingestellt worden.

In Wohnung gelockt und schwer misshandelt

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 46-jährigen Angeklagten und seiner 36-jährigen Ehefrau vor, den 44 Jahre alten Brachttaler am Tattag in ihre Wohnung gelockt und dort schwer misshandelt zu haben. Warum dem 44-Jährigen erhebliche Verletzungen zugefügt wurden und was sich an besagtem Tag in der Wohnung abgespielt hat, ist an weiteren Verhandlungstagen zu klären.

Bislang geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der Masseur kurzfristig mit einer Sprachnachricht zur Wohnung des Ehepaars bestellt wurde. Weil er an diesem Freitag bereits seinen Sohn bei sich hatte, nahm er den Jungen mit zum Massagetermin. Das Ehepaar habe den Mann dann in die Wohnung gezogen und dort mit Schlägen und einem Messer traktiert. Der Mann habe sich losreißen können, sei ins Treppenhaus geflüchtet, dort gestürzt und schließlich blutend und ohne Schuhe aus dem Haus gerannt, wo er um Hilfe gerufen habe.

Sohn in Panik zurückgelassen

In seiner Panik habe er seinen Sohn im Treppenhaus zurückgelassen. Ein Nachbar habe sich dann um das verstörte Kind gekümmert. Der Brachttaler erlitt eine Stich- und Schnittwunde am Oberschenkel, die genäht werden musste, Platzwunden am Kopf, eine Gehirnerschütterung und multiple Prellungen.

Vorwurf der Vergewaltigung

Er schilderte nun, dass er die Frau zufällig kennengelernt habe. Weil sie über Kopfschmerzen und Verspannungen klagte, habe er ihr Massagen angeboten. Sie sei darauf eingegangen, und er habe ihr im Laufe des Septembers dreimal massiert, was er mit Quittungen belegen könne. Am Tag vor der Tat habe sie die letzte der drei Massagen erhalten. Allerdings stand von diesem Tag auch der Vorwurf der Vergewaltigung im Raum, die der Zeuge vehement bestritt. Es sei einzig um eine Massage gegangen, sexuelle Handlungen habe es nicht gegeben. Allerdings sei er nicht zu ihr nach Hause bestellt worden, weil der Ehemann eifersüchtig gewesen sei.

Den Tathergang schilderte der Zeuge so, dass er nach der Wohnung gesucht und an der falschen Tür geklingelt habe. Ein freundlicher Nachbar habe ihm dann den richtigen Weg gezeigt. Dort habe er geklopft, bis geöffnet worden sei. Der Zeuge sei dann ohne seinen Sohn in die Wohnung gegangen. Als er sich umgesehen habe, sei er bereits mit einem metallischen Gegenstand auf den Kopf geschlagen worden. Die Frau habe ihn in die Wohnung geschoben und ihm den Mund zugehalten, damit er nicht habe schreien können, denn er habe versucht, Hilfe zu rufen.

Nachbarin ruft Rettungsdienst und Polizei

Der Ehemann habe auf ihn eingeschlagen, während seine Frau versucht habe, die Tür zu schließen und zu verriegeln. Das sei aber misslungen. Gestenreich schilderte er, wie er sich losgerissen und am Türrahmen festgeklammert habe, während die Frau an seinen Beinen gezogen habe. Deshalb habe er auch die Schuhe verloren. Er habe einen sehr schmerzhaften Schlag auf den Oberschenkel verspürt, dann aber gemerkt, das er mit einem Messer verletzt worden war. Der Ehemann habe das blutige Messer noch in der Hand gehalten, während er mit der Faust weiter auf ihn eingeschlagen habe. Weiter berichtete er, dass er sich losgerissen habe und ins Treppenhaus geflüchtet, aber gestürzt und kopfüber die Treppen hinab zur Haustür gefallen sei. Dann habe er sich ins Freie gerettet, wo eine Nachbarin die Polizei und den Rettungsdienst gerufen habe.

Knast-Vergangenheit in Russland?

In der weiteren Befragung kam zur Sprache, dass er in Russland bereits drei Jahre und acht Monate im Gefängnis gesessen habe, bevor er im Jahr 2013 nach Deutschland gekommen sei. Damals sei er wegen eines gemeinschaftlichen Einbruchdiebstahls verurteilt worden, obwohl er diesen nicht begangen habe. Zuerst verweigerte er hierzu die Auskunft und warf ein, dass er wie ein Beschuldigter verhört werde. Deshalb wollte er seinen Anwalt dabei haben. Richter Dr. Wolfgang Ott brach daraufhin die Vernehmung ab, um den Brachttaler mit seinem Verfahrensbeistand am Dienstag erneut zu vernehmen.

Als zweiten Zeugen hörte das Gericht den Nachbarn, der den Brachttaler mit seinem Sohn zur Tür gebracht hatte. Dieser habe Kampfgeräusche ohne Geschrei gehört. Er habe sich um den verstörten Jungen gekümmert. Dieser habe den Ehemann gefragt: „Was hast Du mit Papa gemacht?“ Der Nachbar schilderte weiter, dass er später mit dem Ehemann gesprochen habe. Dieser habe erklärt, dass seine Frau von dem Zeugen vergewaltigt worden sei, weshalb er sich nicht mehr habe beherrschen können. / erd

Schlüchterner wegen Betrugs angeklagt: Geld kassiert, Konsole nicht geliefert

Dieses löbliche Verhalten wurde zwar vom Gericht positiv gewertet. Allerdings schützte ihn das nicht vor einer Strafe. 700 Euro (70 Tagessätze zu jeweils zehn Euro) muss er wegen Betruges an die Staatskasse zahlen. Den Sachverhalt hatte der Arbeitslose schnell eingeräumt. Im Mai dieses Jahres hatte er eine Spielkonsole in einem Internet-Verkaufsportal angeboten.

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