Erfolgreiche Nachwuchshandwerker erhalten Auszeichnung

04. Dezember 2019
Schlüchtern/Vogelsbergkreis/Wiesbaden

So viel vorneweg: Marlon Kaufmann (20) kann ohne Probleme „zehn Bier für die Männer vom Sägewerk“ bestellen. Der gelernte Schreiner hat alle Finger zur Verfügung. Und er weiß mit ihnen umzugehen, wie er schon mehrfach bei Wettbewerben stellte, so unlängst erst bei der Deutschen Tischlermeisterschaft in Schlüchtern. Nun wurde der junge Mann zum Kammersieger gekürt.

Sein Weg ins Handwerk verlief gradlinig: „Mein Vater hat auch Schreiner gelernt. Ich bin also mit Holz aufgewachsen“, sagt der junge Schlüchterner und lächelt.

In seiner Kindheit habe er selten Handwerker im Elternhaus an der Lieserhöhe gesehen. „Wir haben alles selbst gemacht.“ Seine Leidenschaft für den Werkstoff Holz hat Kaufmann früh entdeckt: „Mit meinem Bruder habe ich schon als Kind gern Gartenhütten gebaut“, sagt er.

„Das war und ist super.“

Nach seinem guten Realschulabschluss (Note 1,6) standen ihm alle Türen offen. „Ich habe kurz darüber nachgedacht, mein Abitur zu machen. Aber das Lernen ist nicht so mein Ding. Entweder ich verstehe etwas sofort, dann macht es mir Spaß, oder ich verliere die Geduld“, sagt er und lacht. Er entschied sich gegen das Abitur und für das Handwerk, schrieb einige Bewerbungen und fand in der Schreinerei Stephan Lang in Schlüchtern einen Ausbildungsbetrieb. „Ich hatte Glück. Das war und ist super. So konnte ich als 16-Jähriger mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, ohne auf jemanden angewiesen zu sein.“

Innungsbester, Landesbester – und jetzt Kammersieger

So ging die Gesellenzeit ins Land, und Kaufmann legte ein 1,0-er Abschlusszeugnis vor, dazu ein gutes Gesellenstück, ansprechende Theorieergebnisse, und auch die zweite Praxisnote und die Handarbeitsnote (jeweils Note 2) waren „ganz okay“, wie er bescheiden formuliert. „Es gab in den Einzelbereichen durchaus Bessere“, meint der 20-Jährige. Aber insgesamt hat er sich als Innungsbester durchgesetzt. Und als Landesbester. Und nun als Kammersieger im Leistungswettbewerb des deutschen Handwerks.

Am liebsten arbeitet er mit Massivholz

Da kam es nicht von ungefähr, dass er auch an den Deutschen Tischlermeisterschaften in Schlüchtern als Lokalmatador an den Start gehen konnte. Dort machte er das, was ihm am meisten Spaß macht: Mit Massivholz arbeiten. „Allerdings ist das im Wettbewerb unter Zeitdruck etwas ganz anderes“, bekennt er rückblickend.

Zur Belohnung einen Hobel

Unterstützung findet Marlon Kaufmann bei seiner Familie. Die hat ihm zur Anerkennung seiner Leistungen ein besonderes Geschenk gemacht: einen mechanisch einstellbaren gusseisernen Hobel. „Der ist sehr wertvoll“, sagt Kaufmann und ergänzt: „Damit kann man einen fünf Zentimeter breiten Holzspan ziehen, der so dünn ist, dass ich die Zeitung dadurch lesen kann.“ Seine Faszination ist ihm anzusehen, wenn er so über seine Arbeit spricht.

Aber es macht nicht immer alles Spaß, bekennt er. „Rohbau“, so die kurze Antwort, auf die Frage, was er denn nicht mag. „Ich hasse Zementstaub“, schiebt er nach.

Fortbildung zum Restaurator

Nun hat er einen hervorragenden Gesellenbrief in der Tasche, mehrere Auszeichnungen erhalten und natürlich auch den „Meister“ vor Augen. „Ich möchte aber noch ein, zwei Jahre arbeiten, bevor ich das angehe.“ Zuvor will er sein Begabtenförderungs-Stipendium nutzen, um im Sommer in der Propstei Johannesberg die Fortbildung zum Restaurator zu absolvieren. „Ich mag Altes. Restauration und Denkmalschutz interessieren mich“, erklärt Kaufmann.

Unterstützt wird er auch von seiner Freundin, mit der er schon seit der Schulzeit zusammen ist: „Die erste Liebe“, sagt der sympathische junge Mann und lacht.

Übrigens: Aus dem Leistungswettbewerb des deutschen Handwerks ging aus der Staatlichen Zeichenakademie in Hanau der Silberschmied Hanno Rhösen (Duisburg) als II. Bundessieger und der Goldschmied Gabriel Schott (Dresden) als III. Bundessieger hervor.

Die Sieger aus der Region:

Beruf: Fleischer
Teilnehmer: Marcel Honus
Ausbildungsbetrieb: me. Jürgen Honus, Meister im Fleischerhandwerk, Hindenburgallee 22 63571 Gelnhausen
KH-Bezirk: Gelnhausen-Schlüchtern

Beruf: Gebäudereiniger
Teilnehmer: Julian Klaus May
Ausbildungsbetrieb: me. Daniel Baumann (Meister im Gebäudereinigerhandwerk), Bornstraße 19 63579 Freigericht
KH-Bezirk: Gelnhausen-Schlüchtern

Beruf: Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker, Karosserie- und Fahrzeugbautechnik
Teilnehmer: Maximilian Mohler
Ausbildungsbetrieb: Hartmann Spezialkarosserien GmbH, Carl-Zeiss-Straße 2 36304 Alsfeld
KH-Bezirk: Vogelsbergkreis

Beruf: Kraftfahrzeugmechatroniker
Teilnehmer: Luca Drews
Ausbildungsbetrieb: Autohaus Schött e. K., Brückenstraße 19 63607 Wächtersbach
KH-Bezirk: Gelnhausen-Schlüchtern

Beruf: Maurer
Teilnehmer: Robin Wolf
Ausbildungsbetrieb: Lingenfelder Bau GmbH, Jossastraße 6 63637 Jossgrund
KH-Bezirk: Gelnhausen-Schlüchtern

Beruf: Tischler
Teilnehmer: Marlon Kaufmann
Ausbildungsbetrieb: Stephan Lang, Neugasse 5a 36381 Schlüchtern
KH-Bezirk: Gelnhausen-Schlüchtern

Beruf: Zimmerer
Teilnehmer: Jonas Mathes
Ausbildungsbetrieb: Zimmerei Christ GmbH & Co. KG, Im Gewerbegebiet 14 63637 Jossgrund
KH-Bezirk: Gelnhausen-Schlüchtern

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