Erstmals nach 60 Jahren: Fischotter in Sinntal nachgewiesen

06. September 2015
Sannerz

Offiziell steht er auf der Roten Liste und galt bereits als ausgestorben: der Fischotter. Nun wurde Lutra lutra – wie er mit wissenschaftlichem Namen heißt – in Sinntal mehrfach nachgewiesen.

Von unserem Redaktionsmitglied Christiane Hartung

Eigentlich hatte Klaus Schlegelmilch vom Forstamt Schlüchtern die Kamera aufgestellt, um mit ein bisschen Glück Biber vor die Linse zu bekommen. Das glückte. Doch dann hüpfte ebenfalls ein Otterweibchen mit ihren Jungen an der Kamera vorbei. „Eigentlich war das ein historischer Moment. Weil wir bis dahin davon ausgegangen sind, dass 1950 bei den Barackenhöfen der letzte Otter geschossen wurde“, sagt der Forstamtsmitarbeiter. Besonders freue ihn, dass keine künstliche Wiedereinbürgerung des Otters in Sinntal vorgenommen werden musste. „Er ist von allein wieder zurückgekehrt. Oder war wahrscheinlich nie weg“, stellt er die Vermutung auf. Bestätigen will Dr. Matthias Kuprian vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz diese aber nicht, ausschließen allerdings ebenfalls nicht.

Bereits in den 80er Jahren habe es Hinweise auf Sichtungen gegeben. „Doch das waren wahrscheinlich einzelne vagabundierende Tiere auf der Suche nach Artgenossen“, erklärt der Biologe. Selbst wenn sie sich für einen Lebensraum entscheiden, patrouillieren sie zwischen 30 und 60 Kilometer entlang des Flusslaufs.

Noch immer vom Aussterben bedroht

2013 hatte das Regierungspräsidium ein Lebensraumgutachten für eine mögliche Neuansiedlung des Fischotters in Auftrag gegeben. Bei der gezielten Analyse wurde festgestellt, dass das Tier anscheinend von allein wieder in das Sinntaler Gebiet in Bereich Sinn und Jossa zurück gekehrt ist. Von fünf bis sechs Individuen spricht Schlegelmilch, ein neues Gutachten sogar von sieben bis neun Tieren. „Jungtiere werden dabei nicht gezählt“, erklärt Kuprian. Es sei also ein kleines Plus zu verzeichnen. „Allerdings ist der Fischotter immer noch vom Aussterben bedroht“, sagt Kuprian.

Der Nachweis der Tiere erfolgt über die Losungen. Diese würden angenehm riechen und erinnern Schlegelmilch sogar ein bisschen an den Duft von Veilchen. Wenn der Schlüchterner Otter-Kot auf seinen Begehungen entdeckt, schickt er diesen in das Senckenberg-Institut nach Gelnhausen. Dort wurde anfangs sogar die DNA bestimmt. „Dabei wurde festgestellt, dass es sich um den europäischen Otter handelt“, erklärt Schlegelmilch.

Verkehr ist eine große Gefahr

Seine Losungen sind relativ gut zu finden. Denn das Besondere des Fischotters ist, dass er sie unter Brücken ablegt. Das Tier unterquert Brückenbauwerke gerne trockenen Fußes – auf sogenannten Banketten. Dabei handelt es sich um die befestigten Bereiche rechts und links des Gewässerlaufs. Ist eine solche nicht vorhanden, läuft er über die Straße. „Die größte Gefahr dabei ist, dass er überfahren wird“, meint Schlegelmilch.

Obwohl sich der Fischotter neben Eidechsen, Mäusen und Ringelnattern hauptsächlich von kleinen Fischen ernährt, wird das Otterprojekt auch vom Fischereiverein SINN Arge unterstützt, wie Schlegelmilch versichert. Fischzuchten seien bereits durch kleine Zäunen vor dem Tier sicher. Der Kormoran sei ein größeres Problem. Er käme scharenweise und schnappe die Fische einfach aus dem Wasser heraus.