Firma Luftstrom greift für Windpark im Hallo wohl auf alte Genehmigung zurück

Firma Luftstrom greift für Windpark im Hallo wohl auf alte Genehmigung zurück

30. August 2013
Freiensteinau

Es scheint Bewegung in die Umsetzung des von der Luftstrom Windwald Blaues Eck geplanten Windparks im Hallo bei Freiensteinau zu kommen. Nach Informationen unserer Zeitung sollen die im Oktober 2012 genehmigten Anlagen des Typs Enercon 101 gebaut werden.

"Ich habe die Firma Luftstrom gebeten zu überlegen, ob man nicht die rechtswirksame Genehmigung vollzieht", erklärt Freiensteinaus Bürgermeister Friedel Kopp (parteilos) und ergänzt: "Ich hoffe, dass wir bis Oktober Klarheit haben, wo es langgeht." Nun scheint dies schon einige Wochen früher der Fall zu sein. Die Angelegenheit hat nicht unerhebliche Auswirkungen auf den Haushalt der Gemeinde Freiensteinau. Diese ist Eigentümer jenes etwa 85 Hektar großen Waldgeländes in der Gemarkung Hallo, auf dem Luftstrom einen Windpark errichten will. In den nächsten 20 Jahren rechnet die Gemeinde mit Einnahmen in Höhe von acht Millionen Euro.

Ein Teil dieser Einnahmen – aus der Verpachtung und dem Verkauf von Ökopunkten – hat Kopp im Haushalt 2013 vorgesehen. Dass diese nun zumindest nicht im vollen Umfang bis zum Jahresende fließen werden, kreidet er der Deutschen Flugsicherung – sie will seit Kurzem im Umkreis von 15 Kilometer um ihre Funkfeuer keine Windenergieanlagen genehmigen – und den Aktivitäten der seit Jahren nicht mehr öffentlich in Erscheinung getretenen Bürgerinitiative Pro Lebensraum Blaues Eck an. Kopp: "Den jetzigen Zustand haben wir den Klagen von Flugplatzbetreiber und zwei Weidenauer Bürgern zu verdanken, die das Verfahren um eineinhalb Jahren verzögert haben. Die BI hat diese inhaltlich, ideell und finanziell unterstützt. Sie trägt Mitschuld daran, dass wir als Gemeinde auch heute noch auf Einnahmen warten, die längst aus dieser Sache hätten generiert werden können."

Fakt ist allerdings, dass der Firma Luftstrom seit Oktober 2012 eine rechtskräftige Baugenehmigung für sieben Windräder vorliegt. Während ein Kilometer vom Hallo entfernt Auf der Haid im Windpark der Firma Rudewig & Lompe die etwa zeitgleich genehmigten Anlagen bereits im Bau sind, tut sich jedoch im Hallo nicht viel – abgesehen davon, dass im Frühjahr Bäume gefällt wurden, um Platz für die Transporttrassen und Standorte zu schaffen.

Hintergrund ist die Unentschlossenheit von Luftstrom über ihr weiteres Vorgehen, das offenbar durch Lieferschwierigkeiten des Herstellers Enercon ausgelöst wurde. Dieser konnte ein Werk, in dem die Rotorflügel gebaut werden, nur mit großer Verzögerung in Betrieb nehmen. Die Folge war, dass für den Hallo eine Lieferzusage erst für das Jahr 2014 erteilt wurde. Der Windkraft-Betreiber schwenkte deshalb um und bevorzugte nun Anlagen vom Typ Vestas 112. Dafür benötigte Luftstrom jedoch eine neue Baugenehmigung, die dann von der Flugsicherung versagt wurde. Einen Grund hierfür nennt eine Sprecherin des Regierungspräsidiums: "Der Antragsteller will auf V112 umsteigen und diese auf einen 140-Meter-Turm setzen. Die Gesamthöhe läge dann zehn Meter über jener der E-101. Da hat die Flugsicherung Nein gesagt." Dies sei Luftstrom mitgeteilt worden.

Der Antragssteller habe dann überlegt, die Anlagen mit lediglich 120 Meter hohen Türmen zu errichten. "Wir klären derzeit, ob die Flugsicherung hier zustimmen würde. In diesem Fall könnte der Antrag noch einmal abgeändert werden, müsste ein komplettes Genehmigungsverfahren durchlaufen", heißt es aus Gießen. Diese erneute Verzögerung wollte Luftstrom – wohl auch auf Druck aus dem Rathaus – nicht in Kauf nehmen. Dem Vernehmen nach sollen nun möglichst schnell die Enercon-Anlagen gebaut werden. Der Windpark im Hallo, für den Investitionen in der Größenordnung von 35 Millionen Euro zu erwarten sind, könnte dann wohl im Laufe des Jahres 2014 ans Netz gehen.