Kiebitz-Gala 2018: Fast ausschließlich Menschen mit Handicap produzieren „Freche Früchtchen“ bei Hepack

06. Oktober 2018
Weidenau

Wenn ein Unternehmen deutlich mehr Menschen mit statt ohne Handicap beschäftigt, dann ist das nicht nur gelebte Inklusion, sondern ein Vorzeigemodell, das einmalig in der Region sein dürfte. Die Firma, die so ungewöhnlich auftritt, heißt Hepack und hat ihren Sitz in Freiensteinau-Weidenau.

Der Name Hepack dürfte vielen nicht bekannt sein. Erst das Produkt schafft Klarheit: „Original Herbert’s Freche Früchtchen“. Deutschlandweit und darüber hinaus werden die Likör-Spezialitäten erfolgreich vertrieben. Hinter dem Erfolg des Tochterunternehmens der Getränke Herbert GmbH steht der Name Markus Herbert.

Als erfahrener Getränkelieferant wollte er die Nachfrage nach einer außergewöhnlichen Partyspirituose befriedigen. Eine eigene Kreation sollte her. Heraus kam ein Fruchtlikör mit pfiffiger Aufmachung: Anfangs war es eine 40 Milliliter-Wurstdose mit Aufreißlasche und zwei Früchten mit Zahnstocher, die sich von Beginn an erfolgreich verkaufte. Erstmals zu Fasching 2007.

Kiebitz-Gala 2018: Edeka Habig erhält mit visionärem Geschäftskonzept zahlreiche Auszeichnungen

„Wir sind einfach näher dran an den Kunden und Mitarbeitern." Manfred Habig und seine Frau Elke sind stolz auf ihr Geschäftskonzept, bei dem sie stets den Menschen im Blick haben. Die beiden sind Geschäftsführer der Firma Edeka Habig, die insgesamt vier Einkaufsmärkte in der Region betreibt.

Weil sich die Trinkeinheiten aber als zu groß herausstellten und beim Öffnen so mancher Schluck auf der Hose landete, wurde ein Jahr später auf ein 30-Milliliter-Glas mit Schraubverschluss umgestellt. Erkennungsmerkmal ist weiterhin eine Frucht, die im Likör badet. Die witzige Trinkidee fand reißenden Absatz. So schnell konnte in Handarbeit nach Feierabend in einer Garage nicht nachproduziert werden. Also musste ein neues Geschäftskonzept her, eine richtige Produktionssparte. Markus Herbert wollte diesen Schritt bewusst mit Menschen mit Behinderung gehen. Über einen Freund stellte er den Kontakt zu den Schottener Sozialen Diensten her.

Nach einigen Verhandlungen war 2008 die Geburtsstunde der außergewöhnlichen Kooperation. Anfangs in Schotten, seit September 2012 in Weidenau, produzieren knapp 20 Menschen mit Behinderung, unterstützt von Gruppenleitern, die „Frechen Früchtchen“. Mit einem Bus werden sie täglich hin- und hergefahren. So haben Menschen mit Handicap die Möglichkeit, einer herkömmlichen Arbeit nachzugehen und das Endprodukt vom ersten bis zum letzten Produktionsschritt aktiv zu erarbeiten.

Kiebitz-Gala 2018: Renate-Fehl-Stiftung engagiert sich seit 2008 für sozial Benachteiligte

Das Wohl von Kindern ist der in Freiensteinau ansässigen Renate-Fehl-Stiftung ein großes Anliegen. Die Stiftung, die es seit nunmehr zehn Jahren gibt, führt das Erbe der verstorbenen Namensgeberin mit großem Engagement weiter.

Dass die betreuten Menschen, die vorher stets in der Werkstatt beschäftigt waren, nun rausgehen und bei Hepack arbeiten, trage zur Teilhabe bei und stärke sie ungemein, ist der 48-Jährige Firmenchef überzeugt. Für Herbert stehen nicht die wirtschaftlichen Gründe der Zusammenarbeit im Vordergrund, sondern der soziale Aspekt. Jeder könne von heute auf morgen plötzlich gehandicapt sein, beispielsweise durch einen Unfall. Deswegen wolle er diesen Menschen helfen.

In der Praxis hat die Geschäftsstrategie natürlich auch ihre Tücken. Eine feste Produktionsmenge ist nicht planbar, da immer wieder äußere Einflussfaktoren, beispielsweise Stimmungsschwankungen beim Personal, eine Rolle spielen. Der 48-Jährige rechnet vor: 16 gehandicapte Mitarbeiter entsprechen normalerweise etwa 3,5 anderen. Dennoch zeigt das Personal immer wieder, wie es auch unter zeitlichem Druck arbeiten kann.

Pro Jahr werden Gläschen „im unteren siebenstelligen Bereich“ abgefüllt. Absatzmärkte sind in ganz Deutschland. Letztes Jahr gingen Produkte aber auch nach Namibia und Südafrika. Zu Spitzenzeiten wird bei Hepack eine zweite Produktionsanlage in Betrieb genommen, an der vorwiegend Menschen ohne Handicap tätig sind. / usd

Dieser Kandidat tritt in der Kategorie „Arbeitgeber des Jahres“ gegen Edeka Habik aus Steinau a. d. Straße und Georg Fehl & Sohn GmbH aus Freiensteinau an. Die Kiebitz-Gala findet am 13. Oktober statt.

Kiebitz-Gala verspricht wieder Glanzlichter: Vorverkauf beginnt am 1. September

Mit der ersten Kiebitz-Gala wurde eine Lücke im gesellschaftlichen Leben der Stadt Schlüchtern geschlossen und gleichzeitig eine würdige Auszeichnungsfeier für die Glanzlichter der Region etabliert. Eine solche Veranstaltung gab es bislang nicht in Schlüchtern. Bei so einer edlen Veranstaltung wie der Kiebitz-Gala der Kinzigtal Nachrichten durfte natürlich ein roter Teppich nicht fehlen.