Gewerkschaft fordert faire Preise: Supermärkte sollen Fleisch nicht verramschen

13. Juli 2018
Main-Kinzig-Kreis

Ein Sommer mit Sonne satt – für viele heißt das grillen, grillen, grillen. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warnt mit Blick auf die Grillsaison vor Ramschpreisen beim Fleisch und fordert faire Preise.

Sie lesen eine Pressemitteilung der NGG im Wortlaut:

2,19 Euro für 600 Gramm Nackensteak? Die Gewerkschaft NGG vor Ramschpreisen beim Fleisch. Rabattschlachten in den Supermärkten gefährdeten nicht nur die Qualitätsstandards bei Schwein, Rind und Geflügel. „Auch Jobs sind bedroht, wenn immer mehr und immer billiger produziert wird“, sagt Peter-Martin Cox von der NGG Rhein-Main. Nach Angaben der Arbeitsagentur sichert die Fleischwirtschaft rund 630 Arbeitsplätze im Main-Kinzig-Kreis.

Bald könnten mehrere Hundert hinzukommen: Die Großmetzgerei Wilhelm Brandenburg plant den Bau einer neuen Firmenzentrale in Erlensee. In Hessen beschäftigt die Branche knapp 12.000 Menschen.

„Von der Aufzucht im Stall bis zur Zerlegung im Schlachtbetrieb – Fleisch ist in der Herstellung extrem aufwendig. Allein für ein Kilo Rindfleisch sind in der Produktion 15.000 Liter Wasser nötig“, macht Cox deutlich. Dabei müsse man auch an das Tierwohl denken. Je artgerechter die Haltung, desto mehr koste eben auch das Fleisch, so der Gewerkschafter. „Statt auf das Billig-Prinzip zu setzen, sollten Discounter mit gutem Beispiel vorangehen und sich gemeinsam zu fairen Mindestpreisen bekennen. Auch die Verbraucher haben die Wahl. Wenn die Packung Bratwürste einen Euro kostet, dann kann etwas nicht stimmen.“

Zugleich kritisiert die NGG die Praxis von Firmen, in der Schlachtung und Fleischverarbeitung oft auf Niedriglöhne zu setzen. Auch dies habe direkt mit dem Preiskampf zu tun. „Häufig werden Subunternehmer aus dem Ausland engagiert, die ihren Beschäftigten teils sogar den Mindestlohn vorenthalten“, erklärt Cox. Regelmäßig decke der Zoll organisierte Schwarzarbeit auf. Die NGG Rhein-Main fordert die Branche auf, „endlich zum Saubermann zu werden“.

Das Schlachten und Zerlegen solle nach dem hessischen Flächentarifvertrag bezahlt werden – „so auch bei der Großmetzgerei Brandenburg“, fordert Cox. Auch dort gebe es Leiharbeit und ein Outsourcing per Werkvertrag. Zwar sei dies „branchenüblich“, aber eine unmittelbare Folge des Preiskampfs der Discounter. Mit Blick auf den Bau einer neuen Zentrale in Erlensee fordert die NGG das Unternehmen jedoch auf, den Mitarbeitern feste Verträge zu geben.

Der Hunger auf Fleisch ist indes auch außerhalb der Grillzeit ungebrochen groß. Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft aß jeder Deutsche zuletzt durchschnittlich gut 36 Kilogramm Schweinefleisch pro Jahr. Beim Geflügel waren es 12,5 und beim Rindfleisch 9,7 Kilo. Ein großer Teil des Fleischs stammt dabei aus heimischer Produktion. Allein in den hessischen Mastbetrieben gibt es laut Statistischem Bundesamt 256.000 Schweine und 1,2 Millionen Hühner.